Betreuung gesucht für WurzelWerk's


Wie alles begann ...   Teil IV

ist ein Schöpfungsmythos, der in dieser Form  wie ein Märchen für Kinder klingt, aber wie alle Märchen Wahrheiten enthält, welche auch für Erwachsene gültig sind. Er wird auch „Die Geschichte von Sonnenjunge und Mondmädchen“ genannt.

Mondmädchens Suche

Pferd trug Mondmädchen mit schnellem Schritt zum Fuß des Gebirges. Dort angekommen stieg Mondmädchen ab. Gemeinsam durchsuchten sie einen Taleingang nach dem anderen nach irgendeinem Zeichen, dass Sonnenjunge hier gewesen war. Endlich fanden sie in einer engen Schlucht einen flachen Stein, auf dessen Oberfläche irgendetwas schwach leuchtete. Es war ein langes goldenes Haar. Nur ein Geschöpf der Welt hatte solches Haar und das war Sonnenjunge!

Pferd beschnupperte den Boden, lief zwischen den Wänden der Schlucht hin und her. Aber er fand nichts. Mondmädchen suchte hinter jedem Felsbrocken, blickte in jeden Spalt, doch es gab keinen anderen Weg aus dem Tal.

Schließlich ließ sich Mondmädchen erschöpft auf den Stein sinken und legte den Kopf auf die Knie. Ihre Trauer machte Pferd zornig wie nie etwas zuvor. Laut wieherte er, dass es in der Schlucht nur so widerhallte und kleine Felsbrocken herabfielen. Ein Spalt tat sich auf, wo zuvor keine Öffnung gewesen war. Donnernd schlugen Pferds Hufe gegen die Felswand. Ein Teil brach zusammen und gab eine Öffnung frei, durch welche die schlanke Mondmädchen wohl hindurch passen würde.

Von neuer Hoffnung erfüllt sprang Mondmädchen auf und umarmte Pferd heftig. „Danke, mein Freund, du hast den Weg für mich gefunden!“

„Ich will nicht, dass du dort hinein gehst! Das ist sicher gefährlich und ich kann dich nicht begleiten, ich bin zu gross und zu schwer.“ Verzweifelt ließ Pferd seinen edlen Kopf sinken.

„Mein Freund, was zu tun ist, kann nur ich alleine tun, das weiß ich. Aber ich bitte dich, warte hier auf mich und ruhe dich aus, du hast mich weit getragen.“

Pferd lehnte sich an einen hohen Felsen und sah voller Angst Mondmädchen nach, die in der Bergspalte verschwand.

Sie hielt Sonnenjunges Haar vor sich. Sein schwaches Leuchten wies ihr den Weg und im Staub am Boden des Ganges sah sie Spuren von Füßen. Lange folgte sie dieser Spur. An jeder Abzweigung riss sie eines ihrer langen schwarzen Haare aus und legte es auf den Boden, damit sie den Weg zurück in die Welt finden konnte.

Endlich, nach langer Wanderung, staubbedeckt und mit wunden Füßen, gelangte Mondmädchen in eine weite Höhle. Sie war so gross, dass Sonnenjunges Haar sie nicht erhellen konnte. Und die Fußspur führte mitten hinein in das Dunkel. Mit klopfendem Herzen folgte Mondmädchen weiter den schwachen Abdrücken, bis sie mit den Zehen gegen etwas Hartes stieß. Ein langer Stein lag quer auf dem Boden der Höhle. Mondmädchen bückte sich und strich mit den Händen über den Stein. Seltsam, er war noch ein wenig warm, als hätte vor kurzem jemand darauf gesessen.

Vorsichtig tastete sie ihn weiter ab. Ihre Fingerspitzen fanden etwas, das einem Mund glich, dann eine Nase, Augen und - Haare? Ein Stein mit Haaren? Sie legte Sonnenjunges Haar auf das seltsame Gebilde, um es besser betrachten zu können. Plötzlich begann es zu leuchten und die Höhle wurde von strahlendem Licht erfüllt, fast als wäre Vater Sonne plötzlich zu Besuch gekommen.

Es war Sonnenjunge und er war in so tiefem Schlaf versunken, dass er begonnen hatte zu versteinern. Mondmädchen streichelte ihn und flüsterte ihm ins Ohr, doch er wollte nicht erwachen. Da rannen heiße Tränen über ihre Wangen und tropften auf sein Gesicht. Augen so blau wie der Himmel öffneten sich. Voller Freude gab sie ihm einen Kuss.

„Mondmädchen!“ flüsterte Sonnenjunge heiser. „Du bist gekommen. Bring mich fort, schnell, bevor Kristallkind zurückkehrt. Weil sie nicht sein kann, was wir sind, wollte sie, dass ich bei ihr bleibe und ihre Einsamkeit teile, doch dann würde ich zu Stein erstarren und so kalt und leblos werden wie ihre Welt. Ich brauche Vater Sonne und Mutter Mond, ich brauche Bruder Wind und unsere Freunde, die Tiere und Pflanzen, und am allermeisten brauche ich dich. Ich werde dich nie mehr verlassen.“

Mondmädchen küßte ihn wieder und wieder und streichelte seine kalten Arme und Beine, bis er sich wieder bewegen konnte. Mühsam stand Sonnenjunge auf und so schnell es ging machten sie sich auf den Weg durch den Berg.

Mondmädchens Haare wiesen ihnen den Weg und schon sahen sie den Ausgang vor sich, da hallte zorniges Schreien durch die Gänge und der Berg begann zu zittern. Kristallkind hatte Sonnenjunges Flucht entdeckt und rannte hinter ihnen her.

Mondmädchen und Sonnenjunge stürzten aus der Felsspalte hervor und Mondmädchen schrie: „Pferd, mein Freund! Pferd, wo bist du? Komm so schnell wie der Wind und hilf uns!“ Helles Wiehern ertönte und aus dem Zwielicht tauchte Pferd auf. Schnell kletterten Mondmädchen und Sonnenjunge auf seinen Rücken und die drei eilten dem Ausgang der Schlucht entgegen.

Hinter ihnen grollte und donnerte es, der Boden bebte und Pferd hielt sich nur noch mühsam auf seinen vier Hufen. Scharfe Felssplitter verletzten seine Fesseln, aber tapfer eilte er weiter.

Kaum hatten sie die Schlucht verlassen, begrüßte sie das Licht von Vater Sonne und schwer atmend blieb Pferd stehen. Er konnte keinen Schritt weiter tun.

Dröhnend brachen die Wände der Schlucht zusammen und begruben den Weg ins Innere der Berge für alle Zeit.

Kristallkind aber stand - die Arme flehentlich ausgestreckt - am Eingang der Schlucht. In Vater Sonnes hellem Schein war sie mit einem Mal braun und unansehlich, wie Ton. Sie schien etwas sagen zu wollen, doch sie weinte so sehr, dass sie nicht sprechen konnte. Ihre Tränen fielen auf die Erde und blieben als kleine Klumpen liegen. Kristallkind wurde immer kleiner, bis sie sich aufgelöst hatte, und als letztes zersprang ihr diamantenes Herz in abertausende Splitter, die funkelten, als wären die Sterne vom fernen Himmel herabgestiegen.


Woher die Menschen kommen

Die Menschen, so sagt man, entstanden aus den Tränen Kristallkinds, und so wie die Tochter der Steine sehnten auch sie sich vom ersten Augenblick ihres Daseins an nach etwas, von dem sie nicht genau wussten, was es war.

Vater Sonne und Mutter Mond erbarmten sich schließlich der neugeborenen Geschöpfe und schenkten ihnen Seelen und lebendige Herzen, schenkten ihnen die Freude und die Trauer, die Liebe und die Tränen. Daher verehren die Menschen die beiden heute noch als ihre wahren Eltern, denn sie wissen, dass sie ohne Seele und ohne Herz weniger als nichts wären.

Sonnenjunge und Mondmädchen lehrten sie, was sie über die Welt wissen mussten, so wie sie es selbst von Bruder Wind gelernt hatten, und zeigten ihnen all die Wunder. Sie lehrten die Menschen, dass die Welt ihr Daheim war und ihre Geschöpfe ihre Brüder und Schwestern, dass selbst der kleinste Grashalm unter ihren Füßen Achtung verdiente. Aber sie entfachten in den Menschen auch die unstillbare Sehnsucht nach dem Himmelswagen und den Sternen, die über ihm leuchten.

Und als Sonnenjunge und Mondmädchen schließlich die Welt wieder verließen, um in den Himmelswagen zurückzukehren, da blieben Pferds Nachkommen bei den Menschen. Er war zum Stammvater einer grossen Herde von Windkindern geworden, wie die Menschen seine Söhne und Töchter nannten, und seit uralter Zeit sind Windkinder und Menschenkinder Gefährten.

Bruder Wind aber kehrt immer wieder in die Wohnungen der Menschen zurück, um ihnen davon zu erzählen, wie alles begann, und die Weisesten unter den Menschen hören ihm heute noch zu.


Crysalgira


Betrachtungen zu den Erntedankfesten     Roadman & Anufa, 05.11.2016
Fluch, Segen und der Gesang der "Social Sirens"     Dreamdancer, 20.08.2016
Ein Blick auf die Heidenszene ... im Duett - Teil IV     Anufa & Sat-Ma´at, 16.07.2016
Das Mariendilemma     Mo von Elfhame, 02.07.2016
Ein Blick auf die Heidenszene ... im Duett - Teil III     Anufa & Sat-Ma´at, 14.05.2016
Ein Blick auf die Heidenszene ... im Duett - Teil II     Anufa & Sat-Ma´at, 30.04.2016
Ein Blick auf die Heidenszene ... im Duett - Teil I     Anufa & Sat-Ma´at, 09.04.2016
Enttäuschung     Chia, 19.03.2016
Aontacht-Interview mit Kristoffer Hughes - Teil V     Renard, 13.02.2016
Aontacht-Interview mit Kristoffer Hughes - Teil IV     Renard, 09.01.2016
Ein Blick nach innen     Angelika Aliti & Anufa, 12.12.2015
Aontacht-Interview mit Kristoffer Hughes - Teil III     Renard, 29.08.2015
Aontacht-Interview mit Kristoffer Hughes - Teil II     Renard, 12.07.2015
Aontacht-Interview mit Kristoffer Hughes - Teil I     Renard, 13.06.2015
Meinung oder Haltung? Und was genau ist eigentlich Verantwortung?     Angelika Aliti, 25.04.2015
Kritische Gedanken zur Weihnacht     Mo von Elfhame & Anufa, 10.01.2015
Intuition und Wachheit     Angelika Aliti, 31.08.2014
Das Problem mit der Figur - Teil II     Hrafna Kona, 31.05.2014
Das Problem mit der Figur - Teil I     Hrafna Kona, 19.04.2014
Ich erzähl´ dir was von mir und aus meinem Leben - Teil I     Uhanek & Anufa, 25.01.2014
Meinung ist nicht Wissen     Niels Koschoreck, 28.09.2013
Anders sein     Karan, 29.06.2013
UPG, Doxa oder "Aber für MICH ist das so…"     Sat-Ma´at, 30.03.2013
Schublade auf und rein mit dir!     MartinM, 05.01.2013
Wir sind immer noch am heidnischen Kinderspielplatz, also lasst uns spielen!     Damh, the Bard, 22.09.2012
Leben in Gemeinschaft     Beatrix, 04.08.2012
Ressourcen und deren Verschwendung - Teil IV     Merienptah, 09.06.2012
Ressourcen und deren Verschwendung - Teil III     Merienptah, 19.05.2012
Ressourcen und deren Verschwendung - Teil II     Merienptah, 05.05.2012
Ressourcen und deren Verschwendung - Teil I     Merienptah, 28.04.2012
Wie positives Denken verblödet (und wie Du das verhinderst)     Nils Koschoreck, 28.01.2012
Es endet das Jahr und noch so Einiges...     Anufa, 05.11.2011
Wie alles begann ... - Teil IV     Crysalgira, 09.07.2011
Wie alles begann ... - Teil III     Crysalgira, 02.07.2011
Grundlagen des Gruppenbewusstseins - Teil III     Matthew Webb, 04.06.2011
Wie alles begann ... - Teil II     Crysalgira, 28.05.2011
Wie alles begann ... - Teil I     Crysalgira, 14.05.2011
Grundlagen des Gruppenbewusstseins - Teil II     Matthew Webb, 26.03.2011
Lass uns drüber reden! - Teil II     Anufa, 19.02.2011
Lass uns drüber reden! - Teil I     Anufa, 05.02.2011
Grundlagen des Gruppenbewusstseins - Teil I     Matthew Webb, 23.01.2011
Mein Heidentum - Teil II     Gwydion, 30.10.2010
Mein Heidentum - Teil I     Gwydion, 09.10.2010
Pagan Federation Austria: Die Anfänge 2002 – 2007     Karen, 19.06.2010
Als ich meinen ersten Hahn opferte - Teil II     Mc Claudia, 13.03.2010
Als ich meinen ersten Hahn opferte - Teil I     Mc Claudia, 06.03.2010
Mara     Pferdekrähe, 12.12.2009
Ein Blick zurück: das Neuheidentum im Realitätscheck     Crick, 12.09.2009
Die Anderswelt     Moira, 17.05.2009
Darf Bildung Spaß machen?     Florian Machl, 07.03.2009
Auf der Suche nach dem heiligen Gral - Teil II     Merlin, 13.12.2008
Auf der Suche nach dem heiligen Gral - Teil I     Merlin, 29.11.2008
Die Hexen von der Blockheide     Lucia, 09.08.2008
Die ewige Stadt - Teil II     Cinis, 09.02.2008
Die ewige Stadt - Teil I     Cinis, 19.01.2008
Ebriosi - Teil II     Cinis, 11.08.2007
Ebriosi - Teil I     Cinis, 04.08.2007
Lapis Serpentis stellt sich vor     Cinis, 12.05.2007
2012 geht die Welt unter     Doc F, 31.03.2007
„Erinnerung“ oder „Woher komme ich"     MadameMim, 17.03.2007
3.065 Kilometer - Pilgerritt nach Santiago de Compostela - Teil II     Cinis, 09.12.2006
3.065 Kilometer - Pilgerritt nach Santiago de Compostela - Teil I     Cinis, 02.12.2006
Die Liebesringe     Dibe Yassi, 04.11.2006
Lilythias BBnC Tagebuch - Teil II     Lilythia, 19.08.2006
Lilythias BBnC Tagebuch - Teil I     Lilythia, 12.08.2006
Wer war Ötzi?     Werner, 15.04.2006
Das WurzelWerk im Naturhistorischen Museum     LadyPurple & Anufa, 11.02.2006
Mitterkirchen     Shambir, 10.09.2005
Interview mit Kate West - Teil II     LadyPurple, 21.05.2005
Interview mit Kate West - Teil I     LadyPurple, 14.05.2005
Vor der Flut 2004 in Indien     Wolle, 05.02.2005
Transformation… Metamorphosen… Schwellen…     Striga, 08.01.2005
Die Dunkelheit     Striga, 30.10.2004
Die Welt der Maori     Werner, 25.09.2004
Tut Ankh Amun – das goldene Jenseits     Mhari, 15.05.2004
BBnC     JamesVermont, 17.04.2004
Totenfeier bei den Maori     Werner, 20.03.2004
Ein Tag in Neunkirchen     Fledermaus, 07.02.2004
Von Ostara nach Mabon - oder: Wohin die Gezeiten dich tragen     Brighid, 04.10.2003
Nihon     Striga, 23.08.2003
Ostara auf Gran Canaria     Brighid, 21.06.2003
Das Abenteuer «Staatliche Anerkennung»     Freyjatru, 26.04.2003
Silberwolf - mein Weg     Silberwolf, 08.03.2003
Samhain in Neuseeland     Werner, 09.11.2002
Unser Sommer-Sonnwendfest in Neuseeland     Werner, 14.07.2002
Wenn Hexen in den Wald gehen     LadyPurple, 18.05.2002
Land- oder Stadthexe?!     Brighid, 11.05.2002
Wie wir in Neuseeland Beltane feiern     Werner, 19.03.2002
Die Anfertigung traditioneller Maori-Flöten     Werner, 09.03.2002
Otro buon dia en paraiso     Brighid, 17.02.2002
Ein keltischer Traum - Teil III     Werner, 27.01.2002
Ein keltischer Traum - Teil II     Werner, 27.01.2002
Ein keltischer Traum - Teil I     Werner, 27.01.2002
Wie der Tarot in meine Welt kam     Hermilin, 14.12.2001
Ich hab Wurzeln! Namasté!     Hermilin, 23.11.2001
Meine ersten Erlebnisse mit Runen     Baital, 13.10.2001
Ein spiritueller Lebensweg     Zora, 30.08.2001
Duke Meyer - Heidnischer Glaube in der Kunst - Teil II     Zora, 28.08.2001
Duke Meyer - Heidnischer Glaube in der Kunst - Teil I     Zora, 28.08.2001



               
                   
                   



    

© WurzelWerk · 2001-2017