Lass uns drüber reden!   Teil II

In den letzten Jahren kommt ein Schlagwort immer häufiger vor, wenn es um Heidentum und „alternative“ Religionen geht – der interreligiöse Dialog. In diesem Artikel möchte ich mich damit ein bisschen näher auseinander setzen, wie das Thema in der Praxis gehandhabt wird und eventuell sinnvoller gehandhabt werden könnte.

Toleranz oder Akzeptanz?

Sandkiste Ein anderer Knackpunkt gleich am Beginn des Prozesses der Öffnung nach außen, der ja als Grundlage jeder Kommunikation gegeben sein müsste, scheint mir die Frage nach Toleranz zu sein. Wie oft ist in Foren zu lesen, dass es diesem oder jenem Schreiber an Toleranz mangeln würde... Also schaue ich gleich mal im Wörterbuch nach, was ich denn dort unter den Stichworten „Toleranz“ und „Akzeptanz“ finde.

To|le|ranz f. 10 1. nur Sg. Duldsamkeit, Nachsicht; 2. nur Sg. das Respektieren der Meinungen, Verhaltensweisen anderer; Ggs. Intoleranz; 3. zulässige Abweichung
© Wissen Media Verlag

Ak|zep|tanz [f. -; nur Sg.] Annehmbarkeit, Möglichkeit des Annehmens, Bereitschaft, etwas anzunehmen [akzeptieren]
© Wissen Media Verlag

Soweit so gut! Wenn ich eine Meinung toleriere, dann lasse ich somit zu, dass diese in meiner Gegenwart verbreitet wird. Ich respektiere die Meinung als Meinung innerhalb der Meinungsfreiheit. Ich dulde diese Meinung in meinem Umfeld, werte sie aber damit nicht. Das heißt aber noch lange nicht, dass ich sie auch akzeptieren müsste, denn das würde heißen, diese für mich als annehmbare Möglichkeit anzuerkennen!! Ein kleiner aber sehr wichtiger Unterschied. Im zwischenmenschlichen Bereich gibt es ja auch den kleinen aber feinen Unterschied zwischen „Lebenlassen“ und „Lieben“.
Sobald es um Kommunikation geht, ist Meinungsfreiheit erfahrungsgemäss ungemein hilfreich (weil ja sonst ein Teil derer, die eine Meinung haben, nicht dazu in der Lage wäre, diese auch Kund zu tun!). Es wäre aber,  im Zuge der Eigenverantwortung, eher kommunikationsfördernd, jedem Einzelnen zu überlassen Meinungen zu akzeptieren oder eben nicht vorzuschreiben, was akzeptiert werden sollte oder muss. Aus dem Nähkästchen geplaudert, bin ich durchaus in der Lage auch die abstrusesten Vorstellungen, wie denn unsere Welt oder jemandes Glaubenssystem funktionieren würde zu tolerieren, akzeptieren hingegen tue ich nur einen eher begrenzten Ausschnitt des Dargebotenen. Ein generelles „Es gibt nur einen Gott“ ist mir genauso fremd wie ein „Was ich glaube ist richtig und was Du glaubst ist falsch“. Sobald es um Religion oder Glaubensvorstellungen geht, ist die Wertung in „falsch“ und „richtig“ in meinen Augen völlig absurd, und wie uns die Geschichte schon lang gelehrt haben sollte, auch alles andere als friedensstiftend.

Das bedeutet nun aber genauso, dass ich um der Kommunikation Willen in der Lage sein sollte (sofern ich eben überhaupt tatsächlich kommunizieren will!!), mein Glaubenssystem auf der einen Seite zu artikulieren und auf der anderen auch zu repräsentieren. Es nützen mir gegenüber zum Beispiel die schönsten und salbungsvollsten Worte oder Zitate der Weltliteratur über Frieden und Harmonie nichts, wenn mir der Schreiber dieser Ergüsse im nächsten Satz vorschreibt, was ich in meiner Glaubensausübung zu tun oder zu lassen hätte (außer ich befinde mich in einem hierarchischen Glaubenssystem, in welchem der Schreiber von mir tatsächlich als Autorität anerkannt werden muss - wie der Papst bei den Katholiken z. B.).
Genauso nützt es mir nichts, wenn jemand innerhalb eines Gesprächs (das ja nicht unbedingt live sein muss) nicht in der Lage ist seine Sichtweisen verbal zu präsentieren. In unserer Zeit gibt es durch die Medien und in den letzten ca. zehn Jahren durch das Internet, wesentlich mehr Gelegenheit zu kommunizieren (und gerade das Netz wird meist auch vielfältiger genutzt, weil es einfach besser zugänglich ist als zu versuchen im realen Leben mit einer derartigen Vielfalt an Meinungen in Kontakt zu kommen). Dabei geht aber eine wichtige Ebene, die der nonverbalen Kommunikation, zu Gunsten des geschriebenen Wortes unter.

Allerdings dürfte auch das in der Geschichte nicht so ungewöhnlich sein, wie es auf den ersten Blick anmuten mag. Wenn ich mich recht erinnere, dann soll ja Eloquenz schon bei den Druiden zu einer der Tugenden gezählt haben.


Was sind Rechte und was sind Pflichten innerhalb der Kommunikation in Glaubensfragen??

hierophant-tarot-cardDas bringt uns schnell in die Richtung der immer wieder aufflammenden Diskussionen um Anerkennung der einen oder anderen Glaubensrichtung. Mit dem Aufkommen des Neuheidentums und der Abnahme des Einflusses der staatlich anerkannten Religionsformen (ob der zahlenmäßigen Minimierung der Gläubigen und dem damit abnehmenden sozialen Einflusses) wird immer wieder der Versuch unternommen, eine Anerkennung der unterschiedlichsten Heidentümer zu diskutieren. Meist mit gleichbleibendem Ergebnis – die staatlichen Strukturen geben diese Möglichkeit in unseren Breitengraden schlichtweg nicht wirklich. Nichts desto Trotz wollen gerade diese Anerkennung viele Heiden immer wieder in Angriff nehmen.
Wenn ich das Recht einfordere anerkannt zu sein, muss ich dann nicht auch die Pflicht in Kauf nehmen, mich auf etwas festzulegen??

In meinen Augen schon, denn wie soll eine „Gemeinschaft“ (welcher Natur sie auch immer sein möge) offiziell ansprechbar sein, ohne designierter Ansprechpartner – die naturgemäß auch von allen als Sprecher anerkannt sein müssen, um die Kommunikationsmöglichkeit überhaupt einmal generell sicherzustellen. Ergo ist es unabdingbar – zum Zwecke einer auch offiziell anerkannten Meinungsäußerung auch eine offiziell anerkannte Struktur zu haben (was wieder das geschmähte Wort „Hierarchie“ ins Spiel bringt).
Auch das Gedankengebäude hinter dem jeweiligen Ansprechpartner einer Glaubensrichtung sollte klar und deutlich darstellbar sein und wie könnte es das sein, wenn kaum je drei Leuts Ähnliches denken, geschweige denn harte Fakten auch nur ansatzweise ähnlich interpretieren??

Wie sollte es ein Sprachrohr z. B. "der Heiden" geben, wenn es demjenigen nicht möglich ist die Meinung der Mehrheit "der Heiden" überhaupt zu vertreten, weil diese Mehrheit nicht gewillt ist, sich auf eine verbalisierte Meinung festzulegen? Ohne Ansprechperson kein Dialog - und die staatlichen Voraussetzungen werden sich so schnell sicher nicht ändern, warum auch!?


Ende Teil II


Anufa


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