Lass uns drüber reden!   Teil I

In den letzten Jahren kommt ein Schlagwort immer häufiger vor, wenn es um Heidentum und „alternative“ Religionen geht – der interreligiöse Dialog. In diesem Artikel möchte ich mich damit ein bisschen näher auseinander setzen, wie das Thema in der Praxis gehandhabt wird und eventuell sinnvoller gehandhabt werden könnte.

Bei den großen Religionen ist der interreligiöse Dialog schwer im Kommen – es gibt Tagungen auf denen sich Katholiken, Protestanten, Altkatholen und Orthodoxe zum Gespräch zusammenfinden. Der Dalai Lama ist ein gern gesehener Gast weltweit, nicht nur bei den Medien sondern auch bei anderen kirchlichen Würdenträgern und sogar Neuheiden entziehen sich diesem Trend nicht, wie etliche „interfaith conferences“ weltweit bestätigen.

Die Theorie besagt, dass Kommunikation den Abbau von Vorurteilen und das Verständnis zwischen unterschiedlich Denkenden fördert. Ist das tatsächlich der Fall?? In meinen Augen gibt es diese Ergebnisse sehr wohl auch in der Praxis, allerdings in viel geringerem Ausmaß als mensch sich das vorstellen würde, in einer aufgeklärten Zeit wie der unseren.
Genauso wie es Katholiken offiziell immer noch verboten ist gemeinsam mit Protestanten ein kirchliches Abendmahl zu feiern, genauso scheint es oftmals dem einzelnen spirituell Aktiven unmöglich zu sein, seine Sichtweise als eine Möglichkeit unter vielen anzuerkennen. Auf der anderen Seite ist der Dialog durch das Faktum unmöglich gemacht, dass die Gesprächspartner sich für sich selbst auf keine persönliche Linie festlegen wollen oder können und somit keine praktischen Vorgehensweisen sondern nur theoretische aber nichts desto trotz unbelebte Gedankengebäude nebeneinandergestellt werden.

EngSo einfach ist die Kommunikation über persönliche Glaubensvorstellungen und deren gelebte Substanz also doch nicht.

Wie soll Kommunikation zustande kommen, wenn es einerseits schon fast verpönt ist, für sich persönlich eine definierte Weltsicht gefunden zu haben und zu dieser auch zu stehen und es auf der anderen Seite radikale Fundamentalisten gibt, die ihre Sichtweise als die einzig Wahre und Richtige zementieren und sich dabei vollkommen im Recht fühlen? In einem Europa der Globalisierung mit Gebetsfahnen aus Tibet im Schlafzimmer, einem Kruzifix über dem kleinen Weihwasserschüsserl von der Oma beim Eingang, einer Buddhastatue im Wohnzimmer, dem Mistelzweig über der Eingangstüre (und dem Besen vor derselbigen), dem kleinen persönlichen Altar mit der Willendorferin im Bad (weil da die Katzen nicht rankommen und die Badewanne ohnehin der einzige Platz ist an dem mensch sich wirklich entspannen kann...) ist in vielen Haushalten durchaus nichts Fremdes. Aber was liegt hinter dieser bunten Mischung an Ererbtem, Gekauften, Geschenktem? Wie so oft werfe ich wohl in Artikeln, die sich mit mehr oder minder heidnischer Tagespolitik beschäftigen, mehr Fragen auf, als ich in der Lage wäre zu beantworten.


Definition - Zwang oder Freiheit?

Gerade innerhalb der alternativen Glaubensvorstellungen werden Definitionen schon einmal als Zwang oder unnötiges Korsett betrachtet, in das mensch sich bloß einschnüren und somit zu viel persönliche Freiheit aufgeben würde. Natürlich gebe ich ein Stück Freiheit her, wenn ich mich für einen bestimmten Lebensstil entscheide. Ich kann schließlich nicht gleichzeitig Katholik (Du sollst keinen Gott neben mir haben) und Polytheist (viele gleichwertige Götter bevölkern das Glaubensgebäude), monogam (ich beschränke mich auf einen Lebenspartner) und polygam (ich habe mehrere gleichwertige Lebenspartner) sein. Natürlich kann ich versuchen mir aus jeder Welt die Rosinen zu picken und diese dann alle in meinem ganz persönlichen Kuchen zu verbraten. Diese Vorgehensweise erschwert Kommunikation schon auf den ersten Blick, weil es keinen Rahmen gibt, innerhalb dessen die Begrifflichkeiten definiert oder auch nur ansatzweise zu klären wären.
Manchmal ist es im Gespräch einfacher sich innerhalb eines bestimmten Begriffes zu definieren um das Thema etwas einzugrenzen, damit geht mensch aber das Risiko ein, durch Vorurteile gehemmt zu sein. Wenn jemand sich als Katholik/Asatru/Protestant/Atheist/etc pp definiert, dann muss er sich so und so verhalten/denken/sein. Dadurch werden Vorgaben geschaffen, unter deren Licht dann Aussagen gewertet werden – was oftmals dann ebenfalls die Verständigung erschwert, weil dieses Licht der Betrachtung keineswegs allgemeingültig ist.

WeitblickDer einzige Weg aus diesem Dilemma scheint mir in der Flexibilität zu liegen. Gerade in unserer Zeit schaut es für mich so aus, als ob fixe Definitionen nicht mehr möglich wären, weil durch die Vielfalt der Sichtweisen die Bedeutungen mehr oder weniger verwaschen sind. Begriffe werden je nach kulturellem, sozialem oder bildungsmäßigem Hintergrund anders interpretiert. Die Durchmischung der Kommunizierenden (Wegfall der „kastengezogenen“ Barrieren in vielen Bereichen) bringt Vielfalt aber auch Unsicherheit. Durch die Flexibilität im Denken, das Zulassen des „Vielleicht sieht der das ja ganz anders als ich, weil sein Hintergrund ein anderer ist“ und den Willen auch mühsame Abklärungen der Begrifflichkeiten in Kauf zu nehmen, könnten viele Kommunikationsknoten aus der Welt geschaffen werden.


Ende Teil I


Anufa


Von bösen Wölfen, Rosinen und Weltuntergängen 03.06.2017
Beltane Afterglow und Nachdenklichkeiten 20.05.2017
Betrachtungen zu den Erntedankfesten 05.11.2016
Fluch, Segen und der Gesang der "Social Sirens" 20.08.2016
Ein Blick auf die Heidenszene ... im Duett - Teil IV 16.07.2016
Das Mariendilemma 02.07.2016
Ein Blick auf die Heidenszene ... im Duett - Teil III 14.05.2016
Ein Blick auf die Heidenszene ... im Duett - Teil II 30.04.2016
Ein Blick auf die Heidenszene ... im Duett - Teil I 09.04.2016
Enttäuschung 19.03.2016
Aontacht-Interview mit Kristoffer Hughes - Teil V 13.02.2016
Aontacht-Interview mit Kristoffer Hughes - Teil IV 09.01.2016
Ein Blick nach innen 12.12.2015
Aontacht-Interview mit Kristoffer Hughes - Teil III 29.08.2015
Aontacht-Interview mit Kristoffer Hughes - Teil II 12.07.2015
Aontacht-Interview mit Kristoffer Hughes - Teil I 13.06.2015
Meinung oder Haltung? Und was genau ist eigentlich Verantwortung? 25.04.2015
Kritische Gedanken zur Weihnacht 10.01.2015
Intuition und Wachheit 31.08.2014
Das Problem mit der Figur - Teil II 31.05.2014
Das Problem mit der Figur - Teil I 19.04.2014
Ich erzähl´ dir was von mir und aus meinem Leben - Teil I 25.01.2014
Meinung ist nicht Wissen 28.09.2013
Anders sein 29.06.2013
UPG, Doxa oder "Aber für MICH ist das so…" 30.03.2013
Schublade auf und rein mit dir! 05.01.2013
Wir sind immer noch am heidnischen Kinderspielplatz, also lasst uns spielen! 22.09.2012
Leben in Gemeinschaft 04.08.2012
Ressourcen und deren Verschwendung - Teil IV 09.06.2012
Ressourcen und deren Verschwendung - Teil III 19.05.2012
Ressourcen und deren Verschwendung - Teil II 05.05.2012
Ressourcen und deren Verschwendung - Teil I 28.04.2012
Wie positives Denken verblödet (und wie Du das verhinderst) 28.01.2012
Es endet das Jahr und noch so Einiges... 05.11.2011
Wie alles begann ... - Teil IV 09.07.2011
Wie alles begann ... - Teil III 02.07.2011
Grundlagen des Gruppenbewusstseins - Teil III 04.06.2011
Wie alles begann ... - Teil II 28.05.2011
Wie alles begann ... - Teil I 14.05.2011
Grundlagen des Gruppenbewusstseins - Teil II 26.03.2011
Lass uns drüber reden! - Teil II 19.02.2011
Lass uns drüber reden! - Teil I 05.02.2011
Grundlagen des Gruppenbewusstseins - Teil I 23.01.2011
Mein Heidentum - Teil II 30.10.2010
Mein Heidentum - Teil I 09.10.2010
Pagan Federation Austria: Die Anfänge 2002 – 2007 19.06.2010
Als ich meinen ersten Hahn opferte - Teil II 13.03.2010
Als ich meinen ersten Hahn opferte - Teil I 06.03.2010
Mara 12.12.2009
Ein Blick zurück: das Neuheidentum im Realitätscheck 12.09.2009
Die Anderswelt 17.05.2009
Darf Bildung Spaß machen? 07.03.2009
Auf der Suche nach dem heiligen Gral - Teil II 13.12.2008
Auf der Suche nach dem heiligen Gral - Teil I 29.11.2008
Die Hexen von der Blockheide 09.08.2008
Die ewige Stadt - Teil II 09.02.2008
Die ewige Stadt - Teil I 19.01.2008
Ebriosi - Teil II 11.08.2007
Ebriosi - Teil I 04.08.2007
Lapis Serpentis stellt sich vor 12.05.2007
2012 geht die Welt unter 31.03.2007
„Erinnerung“ oder „Woher komme ich" 17.03.2007
3.065 Kilometer - Pilgerritt nach Santiago de Compostela - Teil II 09.12.2006
3.065 Kilometer - Pilgerritt nach Santiago de Compostela - Teil I 02.12.2006
Die Liebesringe 04.11.2006
Lilythias BBnC Tagebuch - Teil II 19.08.2006
Lilythias BBnC Tagebuch - Teil I 12.08.2006
Wer war Ötzi? 15.04.2006
Das WurzelWerk im Naturhistorischen Museum 11.02.2006
Mitterkirchen 10.09.2005
Interview mit Kate West - Teil II 21.05.2005
Interview mit Kate West - Teil I 14.05.2005
Vor der Flut 2004 in Indien 05.02.2005
Transformation… Metamorphosen… Schwellen… 08.01.2005
Die Dunkelheit 30.10.2004
Die Welt der Maori 25.09.2004
Tut Ankh Amun – das goldene Jenseits 15.05.2004
BBnC 17.04.2004
Totenfeier bei den Maori 20.03.2004
Ein Tag in Neunkirchen 07.02.2004
Von Ostara nach Mabon - oder: Wohin die Gezeiten dich tragen 04.10.2003
Nihon 23.08.2003
Ostara auf Gran Canaria 21.06.2003
Das Abenteuer «Staatliche Anerkennung» 26.04.2003
Silberwolf - mein Weg 08.03.2003
Samhain in Neuseeland 09.11.2002
Unser Sommer-Sonnwendfest in Neuseeland 14.07.2002
Wenn Hexen in den Wald gehen 18.05.2002
Land- oder Stadthexe?! 11.05.2002
Wie wir in Neuseeland Beltane feiern 19.03.2002
Die Anfertigung traditioneller Maori-Flöten 09.03.2002
Otro buon dia en paraiso 17.02.2002
Ein keltischer Traum - Teil III 27.01.2002
Ein keltischer Traum - Teil II 27.01.2002
Ein keltischer Traum - Teil I 27.01.2002
Wie der Tarot in meine Welt kam 14.12.2001
Ich hab Wurzeln! Namasté! 23.11.2001
Meine ersten Erlebnisse mit Runen 13.10.2001
Ein spiritueller Lebensweg 30.08.2001
Duke Meyer - Heidnischer Glaube in der Kunst - Teil II 28.08.2001
Duke Meyer - Heidnischer Glaube in der Kunst - Teil I 28.08.2001





               
                   
                   



    

© WurzelWerk · 2001-2017