Mein Heidentum   Teil II

Gwydion hat in seinem Artikel die Gedanken zur Philosophie hinter seinem Glauben verpackt. Anufa hat diesmal wieder die Übersetzung übernommen und gemeinsam mit Lucia die Bebilderung des Artikels bestritten.

Einige Heiden meinen, dass die Erde sowohl männliche als auch weibliche Energien hätte, in ihrem Inneren und an ihrer Außenseite, allerdings, weil alles Leben von ihr kommt, nennen wir sie gewöhnlich „Mutter Erde“ und geben ihr so ein weibliches Geschlecht. Einige Kulturen beziehen sich auf die Atmosphäre oder den Himmel als „Vater Himmel“, weil z. B.  der Regen die Erde fruchtbar macht oder wegen des Schutzes, die unsere Atmosphäre uns vor den brennenden Strahlen der Sonne bietet. Der Mond wird oft als weiblich angesehen und die Sonne als männlich betrachtet, obwohl einige Kulturen das umdrehen. Wieder einmal kommt es darauf an, was wir als männlich oder weiblich wahrnehmen.
Wir wissen, dass die zwei Hälften in Harmonie arbeiten müssen, um ein gesundes Gehirn zu haben. Damit die Menschheit arbeiten kann, muss sie ebenfalls in Harmonie sein und sie muss in Harmonie mit dem Planeten sein, der sie erhält, oder der Planet wird sie unter Umständen zurückweisen.


Wiedererlernen

Wir haben viel gelernt, seit die ersten Menschen auf der Erde aufrecht gingen, aber wir haben genauso viel vergessen. Wir sehen vieles für gesichert an, die Nahrung in unseren Supermärkten, das Wasser aus unseren Wasserhähnen und den Strom um unsere Häuser zu versorgen – das sind nur ein paar Dinge, die wir uns geschaffen haben um unser Leben komfortabler zu gestalten, was aber oftmals Schaden für andere lebendige Wesen und unsere eigenen Seelen und Geister bedeutet.
Für mich ist Heidentum keine altmodische Vorstellung davon, die Vergangenheit in einer verschwommenen Schwert- und Zaubererwelt wieder aufleben zu lassen. Genauso wenig ist es eine Arena, in der unangemessene Persönlichkeiten mit aufgeblasenen Egos nach Macht über andere streben.
Für mich ist Heidentum ein Versuch zuzuhören, zu fühlen, von allem zu lernen, eins mit allem, mit uns selbst und unserer Umwelt zu sein . Innere Stärke zu erlangen durch Wissen, ein Wissen, das in der Erde wurzelt, das aber bis zu den Sternen reicht.

Die Sache ist, wenn ich Rituale mache, entweder solche, die von anderen geschrieben wurden oder sogar solche, die ich selber erschaffen habe, zu Zeiten, die für mich bedeutungsvoll sind und die mit den Jahreszeiten wechseln, genauso wie die Erde weiter um die Sonne kreist, dann kann ich nicht anders als mir meiner Umgebung und meines Platzes in ihr besser bewusst zu sein. Wie das Sprichwort so schön sagt „Probieren geht über Studieren“, der Weg herauszufinden, ob irgendetwas davon wahr ist, führt dahin, es für einen selbst auszuprobieren und zu beobachten, was passiert.

Götter
Die inneren Götter

Wir strecken mittels unserer inneren Götter und Göttinnen die Hand aus und versuchen dadurch ihre größeren Geschwister zu finden, uns selbst mit dem in Einklang zu bringen, wohin wir Anziehung fühlen. Das können Götter und Göttinnen aus dem alten Griechenland, Rom, Ägypten, nordischen, keltischen, piktischen  Pantheon sein. Wir finden vielleicht sogar Gottheiten so jung oder alt, dass ihre Namen zu dieser Zeit vor uns verborgen sind.

Wir verwenden die Geschichten und die Abbildungen dieser Götter damit wir uns auf etwas fokussieren können. Unser Geist verarbeitet die Informationen, die wir beim Kontakt mit diesen Göttern gesammelt haben, bestmöglich, bis wir anfangen, sie ganz natürlich in unseren Träumen zu treffen, denn es ist dort, wo die Götter und Göttinnen leben. Auf diesem Weg werden wir uns der Heiligkeit, die jedem Blatt, jedem Halm, jeder Klaue, Schwinge und jedem Schnabel, den Steinen am Boden oder den Wolken am Himmel und so weiter und so weiter, innewohnt, mehr und mehr bewusst. Je mehr wir uns bewusst werden, dass wir das tun, desto eher werden wir fähig „unseren Traum wach zu tanzen“.  Auf der anderen Seite – „Wenn Du das was Du suchst nicht in Deinem Inneren findest, dann wirst Du es niemals im Außen finden“.

Rituale können große Veränderungen in der Psyche eines Individuums einleiten. Diese Veränderungen manifestieren sich oft als neu erwachende Neugier, Staunen über und Bewunderung der Welt um uns und unseres Platzes in ihr. Auf der anderen Seite kann uns das empfindlicher machen, auf vielen Ebenen, was natürlich ein Gefühl der Hoffnungslosigkeit und der Verzweiflung hervorrufen kann, weil wir erkennen, was wir unserem geliebten Planeten angetan haben und was wir ihm täglich neu antun. Aber, je mehr Leute empfänglich und bewusst werden, desto eher werden wir etwas damit anfangen.
Man könnte die unterschiedlichen Götter und Göttinnen als bloße Archetypen beschreiben und Magie als bloße Psychologie. Um fair zu sein, ist es auch eine Menge tatsächlich aber Psychologie in sich ist ein mächtiges Werkzeug und kann ein guter Startpunkt sein. Ich persönlich denke, dass das Heidentum eine Menge mehr ist als nur Psychologie. Es ist kein Glaubenssystem per se, noch ist es eine Religion, aber es ist eine spirituelle Bewegung und eine spiritueller Weg zu denken.

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Früher und Jetzt

Heide genannt zu werden, war zu Beginn eine Beleidigung, die von den Römern all jenen zuteil wurde, die nicht in die militärische Infrastruktur gehörten und später um Landbewohner zu beschreiben, die nicht in der Stadt wohnten. Die Städte wurden als die Spitze der Zivilisation angesehen und Landmenschen galten als ungehobelt. Später bezeichnete man damit jeden, der nicht dem christlichen Glauben anhing und wurde als finster oder böse eingestuft (und wird es manchmal noch).

Heute bedeutet „Heide“, dass jemand an eine der zahlreichen erdbasierenden Religionen glaubt und Heidentum ist der Überbegriff für einige dieser Praktiken und Glaubensrichtungen. So scheint es passend, dass die ursprüngliche Beleidigung, die an jemanden gerichtet war, der nicht Teil der Macht der römischen Militärmaschinerie oder der Regierung war, jetzt eine Bezeichnung wurde, die sich einige von uns ausgesucht haben und die jemanden meint, der für sich selbst denkt und unabhängig entscheidet an wen oder was er glaubt und der oftmals wählt, kein Teil der Mainstreamkultur zu sein. Es gibt keine Bibel, kein Buch der Wahrheit. Heiden schreiben ihre eigenen Bücher und entdecken ihre eigenen Wahrheiten. Wir fragen, probieren Dinge aus, Teilen Erkenntnisse, kommunizieren mit der Natur, wie wir es als passend ansehen.

Und sofern es niemandem schadet, tue, was Du willst! Das ist mein Heidentum.


Gwydion


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