Betreuung gesucht für WurzelWerk's


Ein Blick zurück: das Neuheidentum im Realitätscheck

Wieder einmal ist - Dank der Witches´ Voice - in interessanter Gedankensplitter im Netz zu finden. Wieder einmal durfte Anufa ihn für`s WurzelWerk übersetzen.

Seid mir gegrüßt Leute: Als ich älter wurde habe ich eine Tendenz entwickelt zu vergleichen, wo das Neuheidentum war und wo es heute ist. Erst heute Morgen habe ich von einer lieben Freundin, die gerade nach Utah gezogen ist, ein Mail erhalten. Sie schrieb: „Crick, Du würdest nicht glauben welche Grabenkämpfe es hier in dieser kleinen Heidenszene gibt.“.
Ich sagte zu mir selber, „trauriger Weise tue ich das doch, Schwester“. Letzten Jänner habe ich mich nach zehn Jahren Dienst als Hohepriester von „Whispering Woods“ (ein Hexencoven) zur Ruhe gesetzt und bin nach Lancaster PA gezogen. Meine ganze Zeit war das ein Kriegsgebiet gewesen. Sobald jemand, mich eingeschlossen, versucht hatte etwas Positives für die Region anzubieten, wurde sofort von einer Handvoll, die obwohl sie schon länger in der Gegend waren selbst nichts anzubieten hatten, dagegen Stimmung gemacht. Deshalb habe ich mir über die Szene selber ein paar Gedanken gemacht.


Es war schon immer so...

Kurz vor meiner Geburt und kurz danach gab es viele bestätigte Nachrichten, dass Gardner, der Wicca ins Leben gebracht hatte, mit Cecil Williamson, der als Englische neuheidnische Hexe bekannt war, im Streit liege würde. Williamson beschuldigte Gardner, dass dieser mehr daran interessiert wäre Optionen für seine nudistischen und voyeuristischen Aktivitäten zu finden als etwas über authentische Hexerei zu lernen. Gardner stand dann im Konflikt mit Robert Cochrane, der die 1734 Tradition begründete, weil Gardner auf Öffentlichkeit und der „skyclad“  Arbeit beharrte. Sind diese bissigen Anfänge des Neuheidentums für diejenigen, die heute diesem Weg folgen, die Norm geworden?
Ich zitiere diese Beispiele nicht als Ohrfeige für Wicca oder irgendeinen andere neuheidnischen Glauben, sondern weil Gardner als der Vater des Neuheidentums betrachtet wird. Wenn ich das so sage scheint das Neuheidentum in den selben Geburtswehen an Streitigkeiten und narzisstischen Egos zu liegen wie damals, als es neu etabliert wurde.
Warum?
Als ich aufwuchs folgte ich den Schriften von Sybil Leek, die eine renommierte Englische Hexe und Astrologin war. Trotzdem wurde sie, sehr zu meinem Unmut und meiner Betroffenheit, von denen der neuheidnischen Bewegung verunglimpft.
Warum?
Ist das Neuheidentum selbst der Grund für so viel Unfrieden zwischen den Leuten die sich selbst Heiden nennen? Bevor ich weiter fortfahre – ich persönlich sehe die Ansicht, dass das Heidentum ausgestorben war um in den 50ern wiederentdeckt zu werden als blanken Unsinn an. Es gibt zahlreiche erdorientierte Kulturen auf der Welt, die schon und noch immer einem naturbasierten Glauben oder was wir als Heidentum kennen, folgen.
Einen derartigen Anspruch zu erheben erlaubt bloß jenen, die derartiges vertreten, die Tafel der Realität leer zu wischen und die Ziele des Heidentums neu zu schreiben, so wie sie diese für richtig ansehen, fast genauso, wie die abrahamitischen Religionen das getan haben um ihren Zielen zu dienen.

Warum also sind nach fünfzig Jahren des Neuheidentums die Leute immer noch so unsicher, dass sie einander oder die Tatsache, dass Leute Individuen sind und andersartige Glaubensvorstellungen haben könnten, nicht akzeptieren können?
Schauen wir dem ins Auge, viele der Leute, die neu zum Neuheidentum kommen stammen ursprünglich von einer der abrahamitischen Religionen. Könnte das ein Teil des Grundes der ewigen Streiterein und des Mangels an tragfähigem Wachstum dessen sein, was sich selbst heidnische Gemeinschaft nennt? Diejenigen, die sich selber Heiden nennen, sehen sich selbst als unterschiedlich zu denen, die den abrahamitischen Religionen folgen und doch – was ist es, das uns so unterschiedlich macht? Das Neuheidentum hat viele her klingende Ziele, wie „Du sollst keinem Schaden zufügen“, Akzeptanz, Diversität und Individualismus. Aber wie viele, die sich selber Heide/Neuheide nennen, lassen diese Werte auch tatsächlich in ihr Leben einfließen? Wenn ich über die bissige Stimmung, die man überall dort sehen kann, wo eine Gruppe von Leute ist, die sich Heide nennen, urteilen müsste, würde man meinen, dass nur wenige den Weg wirklich gehen. Welche Ziele also definieren das heutige Neuheidentum realistisch?

Lebt die Mehrheit dieser Leute einfach nur eine Fassade, in der Realität unfähig ihr Einstellung von ihren vorherigen Religionen zu ihrem neuen Weg, den sie nun in Anspruch nehmen zu folgen, zu verändern? Warum hängen so viele Neuheiden an denselben Parametern fest wie die Religionen, die sie verlassen haben um Heiden zu werden? Waren es nicht genau diese obigen Ziele, die anfänglich dazu veranlasst hatten die eigene spirituelle/religiöse Ausrichtung zu verändern? Verhindert nicht die Religion durch das eigene Dogma den spirituellen Freiraum um die Großen Mysterien überhaupt zu suchen? Beschneidet nicht das religiöse Dogma die Freiheit ein Individuum zu sein und somit frei größeres Wachstum innerhalb seines spirituellen Weges zu suchen?
Wenn man sich selbst mit den Fangarmen des Dogmas umgibt, dann gibt es keine Freiheit mehr um die Wahrheiten der Spiritualität zu suchen, die jede Person betreffen. Du hast in der Essenz festgelegt, dass Du dem Glauben der Massen folgen wirst, so wie sie von einigen wenigen vorgegeben werden. Es ist keine Option mehr aus diesem Umschlag, auf der Jagd nach spiritueller Freiheit und der Entdeckung der Mysterien, als Individuum heraus zu treten.
Kann diese Unfähigkeit Religion von der persönlichen Spiritualität zu trennen ein Grund sein für die Grabenkämpfe, die auftauchen, sobald es eine Gruppe Leute gibt, die sich Heiden nennen? Kann es sein, dass das plötzliche Gefühl von Freiheit, das man findet, wenn man wirklich Heide wird, einfach zu viel ist um es, nach der Konditionierung ein Anhänger zu sein – der man ist, wenn man Mitglied einer Religion ist, ins Leben integrieren zu können? Kann das zu einer tiefen Unsicherheit führen, die wiederum zu den Gründen führt, die jede Chance abwürgen, einen realen Gemeinschaftssinn zwischen denen, die sich selber Heiden nennen, zu entwickeln?

Die Antworten die ich haben könnte, gelten ausschließlich für mich als Individuum. Als Teil eines Lernprozesses aber, würde ich sehr gespannt darauf sein, eure eigenen Gedanken zu diesen Fragen zu hören …


Das WurzelWerk bedankt sich ganz herzlich bei Crick für die Erlaubnis seinen Artikel zu übersetzen, um ihn unseren Lesern zur Verfügung zu stellen!


Crick


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