Die Hexen von der Blockheide

Vor vielen Jahren, ich lebte noch in Österreich, begab es sich, daß in der Blockheide bei Gmünd eine Märchenwanderung stattfand, die der Märchenerzähler Helmut Wittmann veranstaltete.
An dem Tag traf sich viel Volk, um sich an einem wunderschönen Herbsttag Märchen erzählen zu lassen, mitten in einer grandiosen Natur. Darunter befanden sich zwei Freundinnen, die schon immer mal die Blockheide besuchen wollten, und die durch ihr Erscheinen ein bisschen das Spektakel bereichert haben. Das kam so...

Die beiden Freundinnen - nennen wir sie Karina und Karin - besuchten den Urfahraner Markt, der zweimal im Jahr in Linz stattfindet. Der Vater von Karina hatte dort einen Stand den er mit seiner Lebensgefährtin betreute, und die beiden Mädels schauten dort vorbei. Gleich nach der Begrüßung sprach die Freundin des Vaters, Ursula, sie an. "Ihr zwei seits doch alte Hexen und mögts alles was damit zusammenhängt. Ein Freund von mir, der ist Märchenerzähler, und der hat bald in der Blockheide bei Gmünd eine Märchenwanderung. Fahrts doch dorthin. Da kommen alle kostümiert und das ist sicher ein Riesenspaß für euch." Ja, aber freilich - das sahen die beiden auch so - da wollten sie hin.

Das Wochenende, an dem die Märchenwanderung stattfinden sollte, kam rasch heran, und unsere beiden fuhren gen Gmünd - voll ausstaffiert in Zipfelröcken, mit Umhangtüchern, Reisigbesen und Kopftüchern. Ganz so, wie Märchenhexen auszusehen hatten. Der Treffpunkt in der Blockheide war ein Wirtshaus, und wie sie dort mit dem Auto auf den Parkplatz fuhren, sahen sie schon die ersten anderen Teilnehmer der Wanderung. Alle ganz normal angezogen.

Hex
Karin schaute Karina mit hochgezogenen Augenbrauen an und hüstelte. Sagen brauchte sie nichts, denn die beiden verstanden sich zumeist recht gut ohne Worte. "Jaja" sagte Karina "das ist jetzt blöd." "Na, vielleicht sind das ja nur ein paar, die unkostümiert sind", meinte sie dann noch. "Und es gibt auch warme Eislutscher" war das einzige, was Karin erwiderte. "Die Ursula hat uns reingelegt, so schauts aus." "Und jetzt?" Sie schauten beide ihr Hexenoutfit an, die Reisigbesen am Rücksitz und dann einander. "Und jetzt", sagte Karina, "jetzt samma Hexen." Und damit stiegen sie aus und gingen auf das Gasthaus zu.
In dem Grüppchen, das vorm Gasthaus stand, kam Bewegung auf. Vier, fünf Kinder spritzten davon, zwei versteckten sich hinter ihren Müttern, und große Augen verfolgten das Eintreten der zwei Hexen in das Wirtshaus. Da drinnen waren schon jede Menge Leute und der Helmut Wittmann, der Märchenerzähler, der grade begann eine Geschichte zu erzählen. Der ließ sich vom Eintreten der Hexen nicht beindrucken, nur ein Schmunzeln glitt über seine Züge, während durch die Anwesenden ein Murmeln lief. Am Ende der Geschichte, wies der Märchenerzähler noch drauf hin, das sogar echte Hexen anwesend seien - was ja nicht zu übersehen war - und dann gings auf in die Blockheide.


Auf einem schmalen Wanderweg bewegten sich die Menschen grüppchenweise, nur Karin und Karina gingen allein nebeneinander. Na, nicht ganz allein. Von hinten und von vorne rannten immer wieder Kinder vorbei, die unbedingt einen Blick auf die beiden, ihnen unheimlichen, Gestalten werfen wollten. Die beiden Freundinnen fandens mittlerweile recht lustig, vor allem weil sie sich während des Gehens über verschiedene Möglichkeiten unterhielten, wie Ursula eins auszuwischen sei.
Karin zündete sich unterm gehen eine Zigarette an und prompt kam von hinter ihr eine kindliche Stimme. "Oma, können Hexen rauchen?" Sie drehte sich um und sagte im selben Moment wie die Oma hinter ihr "Ja!" und beide grinsten sich an. Auch die Oma mit einer Zigarette in der Hand.
Die Märchenwanderung bewegte sich durch die Blockheide, und bei manchen Steinen wurde Halt gemacht, um eine schöne Sage oder andere Geschichte zu hören.
Unterbrochen wurde die Wanderung auch einmal, als hinter Bäumen ein paar komisch verkleidete Gestalten hervorbrachen, die "buhuuuu" schrien und rumkreischten. In schwarzen Leiberln, Leggins und bunten Tüchern bekleidet wirkten die nicht wirklich echt, was dann auch ein ca. 6jähriges Mädel kommentierte, mit den Worten "Wenn die sich so dumm verkleiden, müssens aber aufpassen, das unsere Hexen net bös werden auf sie". "Unsere Hexen" fanden die anderen auch sehr schlecht, und waren mittlerweile recht stolz drauf, so anerkannt zu sein.
Als die Märchenwanderung sich dem Ende zuneigte, wurde bei einem Feuerplatz Halt gemacht. Dort wurde gejausnet und getrunken und geratscht, hatten sich doch mittlerweile aus den verschiedenen Wanderteilnehmern Grüppchen gebildet, die einander leiden konnten. "Unsere Hexen" hatten´s sich auf einem Stein am Rand des Feuerplatzes gemütlich gemacht und unterhielten sich mit anderen, tauschten Telefonnummern und fanden´s auch ganz toll. Beide hatten vor, noch die Nacht in der Blockheide zu verbringen, weil Vollmond war, und wenn man schon da war, dann nutzt man das auch.
Langsam wurden die Menschen am Feuerplatz weniger bis irgendwann nur noch die beiden da saßen und den Rest der Nacht hexisch verbrachten.

Holy Night

Einige Wochen später, als Ursula sich endlich wieder traute, mit ihnen Kontakt aufzunehmen, erfuhren sie allerdings Interessantes. Und zwar wurde von den meisten Teilnehmern der Märchenwanderung berichtet, das wohl zwei echte Hexen dabei gewesen seien. Zuerst dachte man, es wären eben zwei junge Frauen, die sich verkleidet hätten. Und das ganze war auch wirklich toll, und die Kinder hätten riesig Spaß dran gehabt. Aber wie alle am Schluß am Feuerplatz waren, hätte man sie noch gesehen ... und auf einmal waren sie weg.
Kein Mensch hätte sie weggehen gesehen. Niemand konnte sich das erklären. Sie waren einfach verschwunden!
Wie ihnen das erzählt wurde, schauten sich Karina und Karin an.
"Hmm" machte die eine.
"Jaja" sagte die andere.

Und dann grinsten sie beide.


Lucia


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