Interview mit Kate West   Teil I
Ein Interview vom Witchfest 2003, geführt von Lady Purple, transkribiert von Keela und übersetzt von Witch2be

Lady Purple: In welcher Tradition lebst Du?
Kate: In unserer Craft, unserem Coven, leben wir nach einer Kombination aus traditionellem Alexandrian Wicca und freifliegenden Praktiken, die Tradition der Hedge Witch. Ich lebe am Land und bin umgeben von Pflanzen und den Dingen, die einen Landmenschen prägen, daher lebe ich als Hedge Witch.

Lady Purple: Also auf der einen Seite alte Traditionen und auf der anderen Seite Wicca. Warum hast Du Dich für Sanders entschieden und nicht für Gardner? Worin besteht für Dich der Unterschied?
Kate: Ich habe eigentlich mit Gardner begonnen und später erst begonnen mit Sanders Wicca zu arbeiten. Ich finde das System nach Gardner zu einschränkend. Es gibt mir nicht genug Freiheiten in einem Coven um Änderungen und Anpassungen zu machen. Alles ist zu sehr vorgegeben. Ich mag Flexibilität, dass Rituale verändert werden können und auch die ausführenden Leute und dass neue Leute auch Ideen einbringen können. Aber das ist meine persönliche Wahl.

Lady Purple: Wann hast Du mit Magie oder der Craft begonnen? Oder was bedeutet das Leben mit Magie und der Craft für Dich?
Kate: Als Teenager haben wir in der Schule Religionsvergleiche gemacht. Gleichzeitig ging mein Bruder auf eine theologische Hochschule um Priester zu werden. Ich wurde also mit vielen verschiedenen Glaubenssystemen und –richtungen konfrontiert, aber keines gefiel mir. Keines war für mich das richtige, keines schien mir wahr. Zu diesem Zeitpunkt lebte ich eigentlich schon im Einklang mit den Jahreszeiten und dem Mond. Aber erst viel später, so Mitte bis Ende zwanzig, erfuhr ich, dass das „Witchcraft“ heißt. Also könnte man sagen, ich habe die Craft gefunden, bevor ich den Namen wusste.

Lady Purple: Kannst Du uns sagen, was die Grundsätze Deiner Art von Craft oder Wicca sind?
Kate: Ich glaube der Hauptgrundsatz der Craft ist der Glaube, dass das Göttliche männlich und weiblich ist. Es ist im Gleichgewicht und dieses Gleichgewicht sollten wir zu erreichen versuchen. Ich bin der festen Überzeugung, dass wir die Natur respektieren und die Jahreszyklen in unser Leben und unser Arbeiten integrieren sollen. Wir sollten nur sehr behutsam hier auf der Erde gehen. Und ich glaube fest daran, dass wir Hexen eine Familie sind, eine weitreichende Familie und Gemeinschaft, die füreinander sorgt und aufeinander aufpassen soll. Das ist eines der schönen Dinge der Craft, dass wir das tun.

Lady Purple: Hast Du eine Definition von Magie? Was ist Magie für Dich?
Kate: Ich denke, ich halte mich an die traditionelle Definition, dass Magie die Fähigkeit ist, durch die Kraft der Gedanken Änderungen zu bewirken. Aber ich denke auch, dass Magie innerhalb des natürlichen Systems arbeitet. Dass es den Austausch von Energien gibt und Magie sich in der realen Welt spiegelt. Das ist der Grund, warum Geldmagie nicht wirkt, weil es kein wirkliches Geld gibt, weil Geld eine Erfindung ist. Wenn Magie also wirklich funktionieren soll, müssen diese Gleichgewichte berücksichtigt werden, diese Kontrollen muss es geben.

Lady Purple: Wie beeinflusst Magie Dein Leben? Wo ist die Magie in Deinem Alltag?
Kate: Magie ist allgegenwärtig. Ich glaube, Magie ist etwas, das wir andauernd benutzen. Alles, vom Wunschparkplatz bis zu den wichtigsten Dingen, wie Freunde oder Familie zu heilen. Anfragen über Magie kommen aus der ganzen Welt, durch das Internet. Es ist etwas, das täglich praktiziert wird, das Dein Leben verbessert. Aber ich glaube, es ist auch wichtig zu wissen, dass Magie nicht das einzige ist, dass es viele Systeme gibt, mit denen man arbeiten kann. Wenn ich an einem Buch schreibe und einen Abgabetermin einhalten muss, werden mir alle Zaubersprüche der Welt nicht helfen, wenn ich nicht am Computer sitze und an dem Buch schreibe. Aber Magie ist immer da und ich kann sie jederzeit nutzen.


Lady Purple: Was denkst Du über Hexen, die mit Magie Geld verdienen, weil sie für andere Leute magisch arbeiten, zum Beispiel für Liebes-oder Geldzauber?
Kate: Ich denke nicht, dass man für Magie Geld verlangen sollte, aber ich denke auch nicht, dass man einen Verlust machen soll. Schließlich muss jede Hexe leben und etwas zu essen am Tisch haben. Also realistische, angemessene Beträge zu verlangen, die Material- und Zeitkosten abdecken finde ich in Ordnung.
Leute, die verlangen: ”Sende mir Geld und ich schicke Dir einen Liebeszauber.”, das sind Abzocker, die die Craft zu Geld machen. Die meisten von ihnen, denke ich, sind einfach Geschäftsleute. Die Hexenkunst interessiert sie überhaupt nicht.

Lady Purple:: Ja, aber es gibt ja das Threefold Law bei den Hexen. Deshalb denke ich mir oft: „Okay, sie machen Liebes- und Geldzauber für viel Geld. Für mich denke ich, es wird irgendwann auf sie zurückkommen und sie dann verletzen oder so. Aber ich kenne viele Leute, die reich und in Österreich berühmt sind, die ein schönes Leben haben obwohl sie so arbeiten.
Kate: Schon, aber reich und berühmt ist nicht alles. Wie du gesagt hast, das Threefold Law kommt irgendwie zu ihnen zurück. Es wird schon Leute geben, die viel Geld damit machen, aber das bedeutet nicht unbedingt, dass sie glücklich sind. Ich denke nicht, dass das so erfüllend ist.

Lady Purple: Praktizierst Du spezielle magische Techniken? So wie manche Leute immer nur Kerzenmagie oder andere nur Kräutermagie machen.
Kate: Nein, da bin ich eklektischer, zu Hause verwenden wir oft Kerzenmagie, vor allem für Heilzauber – körperlich, geistig, Freunde, Tiere, Pflanzen. Wenn es körperliche Beschwerden innerhalb der Familie sind wird etwas in der Küche gebraut, weil ich dort zu Hause bin und es zusammenstellen kann. Wenn es um nicht so enge Freunde geht, vor allem bei Selbstbewusstseinszauber oder Hilfe beim Lernen oder bei Prüfungen, dann machen wir einen Steinzauber, weil ich dann etwas zum Angreifen habe, dass ich ihnen geben kann. Ich verwende also verschiedene Techniken.

Lady Purple: Wie beeinflusst Dein Leben als Hexe Deinen Alltag?
Kate: Das Leben als Hexe ist mit dem Alltag so verknüpft, dass eine Trennung eigentlich nicht möglich ist. Es ist immer im Hinterkopf. Weil ich eine sehr bekannte Hexe bin, bin ich mir immer bewusst, dass ich beobachtet werde. Ich muss vorsichtig sein, was ich tue und was ich sage. Wenn ich auf eine Party gehe um mich zu amüsieren, muss ich vorsichtig sein, mit wem ich das tue. Ich kann nicht einfach meine Beherrschung verlieren, nicht einfach etwas tun ohne nachzudenken. Das würde ein schlechtes Bild auf die ganze Craft werfen, nicht nur auf mich. Aber sonst ist es eine Bereicherung, wie wenn man der Göttin für eine schöne klare Nacht mit einem leuchtenden Mond dankt, wenn man Kräuter sammelt. Bei Arbeiten im Haushalt, beim Schreiben, sogar beim Autowaschen, gibt es immer ein bisschen – Du weißt schon – die Göttin ist immer für mich da. Sie unterstützt mich. Und wenn es einmal holprig wird, dann trägt sie mich.

Lady Purple: Arbeitest Du in einem Coven, mit einer Gruppe oder alleine?
Kate: Zu dem Zeitpunkt als wir nach Norfolk gezogen sind, hatte mehr als die Hälfte des Hekate-Covens bereits den dritten Grad erreicht und war bereit einen eigenen Coven zu gründen. Also haben wir den Coven übergeben – er wurde zum “Serious daughter” Coven. In Norfolk haben wir jetzt keinen Coven. Aber für große Festivals oder Treffen versammeln wir die Coven aus ganz England und kommen so zusammen.

Lady Purple: Gibt es für Dich einen Lieblingssabbat? Und wenn ja – warum?
Kate: Ich würde sagen mein Lieblingsfest ist Beltane. Aber das hat damit zu tun, dass Steve und ich zu Beltane geheiratet haben. Ich mag Samhain als Sabbat, aber es bedeutet auch viel Arbeit, wegen den Medien und dem ganzen Rummel. Deswegen kommen wir an Samhain meistens nicht so zum Feiern wie sonst – das ist mehr so im Vorübergehen. Aber ich mag alle Sabbats. Alle aus einem anderen Grund. Ich mag sie genauso wie die Rituale. Wenn man tagsüber hinausgeht und den Wechsel der Jahreszeiten beobachtet. Oder den Fernseher abdreht und sagt“ Okay, Imbolc steht vor der Tür, lasst uns schauen, ob wir schon die Erde im Feld sehen können“. Das heißt, alle sind besonders. Aber ich denke Beltane ist mir am liebsten, aus persönlichen Gründen.

Lady Purple: Lebst Du in einer Stadt, einem Dorf oder am Land?
Kate: Wir leben wirklich in totaler Einöde!

Lady Purple: Okay. Das Heidentum ist eine Religion die stark mit der Natur verbunden ist. Für uns, in der Stadt, ist das manchmal schwierig, in die Natur zu kommen, in unseren kleinen Wohnungen, umgeben von Nachbarn. Aber ich denke, das ist für mich einer der wichtigsten Punkte, in die Natur hinauszugehen und zu beobachten was sich da tut und damit verbunden sein.
Mich interessiert, was Du von Wiccas oder Heiden denkst, die ihr Rituale zu Hause in ihren Wohnungen machen?

Kate: Ich sehe darin kein Problem. Ich habe auch gearbeitet und in sehr ungesunden Umgebungen gelebt mit Schwerindustrie. Jetzt habe ich Glück. Ich lebe irgendwo im Nirgendwo mit vielen Feldern und habe die Natur vor meiner Haustür. Aber selbst in der Stadt, kann man immer spazieren gehen. Es gibt immer irgendwo einen Park. Man kann sich immer irgendwo blühende Blumen anschauen. Auch in der kleinsten Wohnung, geht sich mindestens ein Blumentopf am Fensterbrett aus. Es gibt keinen Grund um die Beziehung zur Natur zu verlieren. Es ist zwar leichter am Land den Kontakt mit der Natur zu haben, aber in der Stadt ist es viel einfacher einen Coven zu organisieren. Einfach weil die Menschen näher beieinander wohnen und die Strassen besser sind. Wo wir jetzt wohnen, kann es bis zu zwei Stunden dauern um 100 Meilen zu fahren. Und oft sind es 100 Meilen bis zu den anderen Covenmitgliedern. Deshalb ist es schwieriger alle zusammen zu bekommen, aber wenn man dann zusammen kommt, hat man den Vorteil, dass man hinausgehen kann und die Elemente spüren.


Lady Purple


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