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Vor der Flut 2004 in Indien
Aus Lady Purples Mailverkehr mit Wolle

Ich möchte euch von meinen letzten Stationen in Indien berichten, die mich ziemlich beeindruckt haben. Zunächst einmal die Stadt bzw. das Projekt Auroville. Auroville liegt an der Ostküste etwas südlicher von Madras (Chennai) und könnte man so in etwa als spirituelle Großkommune beschreiben.
Ich habe euch doch mal von meinem Traum erzählt, so etwas wie ein spirituelles Zentrum zu erbauen. Also ein Haus mit besonders schöner Architektur, mit Seminarräumen für Meditation, Trommeln, Yoga, TaiChi oder was auch immer und mit einer speziellen Bücherei, Magieshop, Cafe für biologisches Essen usw. Nun, genau so kann man sich Auroville als ein Stadtprojekt vorstellen. Jeder kann hier her kommen, sich ein Haus bauen und in einen der ca. 80 Kommunen bei Projekten mitwirken, je nach Lust und Laune. Ob nun biologische Landwirtschaft, Musik, Tanz, Meditation, Magie, Architektur, Bioengeneering, Erziehung, Hilfe zur Selbsthilfe für die indisch tamilischen Dörfer ringsum und in Auroville, und das ganze in einer wunderschönen tropischen Energie geladenen Umgebung. In der Mitte von Auroville steht eine riesengroße goldene Kugel und im Inneren der Kugel ist eine runde Säulenhalle aus reinem weißen Marmor. In der Mitte des Raumes ist die größte reine Kristallkugel mit einem Durchmesser von 70 cm, die in Deutschland von Zeiß hergestellt wurde. Dieses goldene Gebäude und der wunderschöne Garten ringsum stellt die Seele von Auroville da und steht für alle zur Meditation und Konzentration frei offen.
Gegründet wurde Auroville vor ca. 30 Jahren von "The Mother". The Mother war eine Französin und Lebensgefährtin von dem in ganz Indien berühmten Guru Sri Aurobindo. Aurobindo hat einen Ashram in der nahegelegen Stadt Ponticherry. Aurobindo gilt als einer der erleuchtesten Gurus, war Philosoph und Zukunftsdenker und beschreibt in seiner Literatur auch zukünftige Lebensweisen und die Evolution des Menschen. Also man sieht Auroville und der Grundgedanke, der dahinter steckt hat mich ziemlich beeindruckt.

Weiter ging meine Reise in die Stadt Tiruvannummalai. Eine total nette indische Kleinstadt auch in Tamil Nadu. Die Stadt gilt als eine der Heiligsten in Tamil Nadu und hat eine riesige Tempelanlage zu Ehren Shivas. Neben der Stadt liegt ein heiliger Berg, ein ehemaliger Vulkan aus roten Steinen und Erde.
Am Fuße des Berges hat der überall in Indien verehrte Guru Sri Ramana Maharishi in einer Höhle gelebt und meditiert, nachdem er mit 16 Jahren eine spezielle Todeserfahrung und Erleuchtung erfahren hat. Wenn man den Berg besteigt, dann soll das gut für das Karma sein. Nun, ich nannte den Berg für mich" Schicksalsberg", wie in „Herr der Ringe“. Der Aufstieg, der ca 3 Stunden dauerte, bei einer Mörder Hitze von ca 38 Grad im Schatten, der nicht vorhanden war, hat mich sehr geläutert. Oben am Berg lebt ein Babaji, ein heiliger alter Mann, der seit 14 Jahren da meditiert und vollkommen ohne Nahrung auskommt.
Ich konnte an einem der Rituale teilnehmen, die einige seiner Jünger da durchführten. Ich musste einen Spruch aufsagen und dann eine Kokosnussschale voll kalten Chai trinken. Das Ganze ging ca 20 Mal, danach mit einem speziellen heiligen Wasser. Ich war dem Erbrechen nahe. Dann musste man dreimal um den Verschlag Herumgehen, in dem der Babaji saß und wurde mit weißer Kreide bemalt und dabei auch wieder spezielle Sprüche aufsagen. Zum Abschluss bekam ich noch ein Stück Kristallzucker, ne Zitrone und Minzblätter als Segnung. Sehr seltsam all dies aber angeblich hab ich nun alle Probleme des Lebens an den Babaji abgeben und beim Abstieg fühlte ich mich auch sehr leicht und glücklich.

Weiter ging es nach einer langen Nachtzugfahrt wieder Richtung Westen in die Stadt Pune (Poona). Pune ist das ziemliche Gegenteil von Tiruvannummalai. Pune ist richtig westlich mit einer Einkaufsmeile al là Mariahilferstraße: Nikeshop, PizzaHut, McDonalds, Straßen mit Ampeln, Gehsteig, Supermarkt, fesche Inderinnen mit Jeans und Top. Ziemlich unindisch hier, aber ich bin auch nicht deswegen hierher, sondern um den schönen großen Ashram der Osho
Commune zu besuchen und um einen Meditationskurs zu machen. Um an den Ashramaktivitäten teilnehmen zu können, muss man vorher einen AIDS Test machen und sich eine weiße und weinrote Robe zulegen. Schaut alles sehr strange und sektenmässig aus, aber die Sanyassins (Osho-Anhäger) sind alle nett und normal und der Ashram ist sehr angesehen für seine guten Meditationstechniken. Nun Morgen geht es los, ich bin schon super gespannt, wie das hier abgeht.

Es ist sehr interessant hier über das Leben und Wirken der verschiedenen Gurus zu erfahren und über die Mysterien und Geschichten der hinduistischen Gottheiten. Der Guru Osho war bestimmt ein intelligenter und charismatischer Mensch, der großartige Meditationstechniken entwickelt hat, genauso wie Edison mit seiner Glühbirne ein toller Erfinder war. Auch Sri Aurobindo war genauso wie Jesus wohl ein besonderer Mensch, der uns aufgezeigt hat, dass es mehr Dinge und Weisheiten im Leben gibt auf die es wirklich ankommt, als die Oberflächlichkeiten und Problemchen im Alltäglichen. Doch für mich gibt es nur eines vor dem ich mich voll Ehrfurcht und Freude tief verbeuge und das ist die Schönheit und Größe unser aller Mutter "Mutter Erde" und der Natur. Ich bin nach wie vor und umso mehr mit vollem Herzen ein Pagan der modernen Zeit.

Ich hänge zur Zeit in dem kleinen Bergdorf McLoudGanj im Himalaja herum, wo der Dalai Lama sein Haus hat. Er ist zur Zeit in Meditation, aber vielleicht ergibt sich noch ne Möglichkeit ihn zumindest zu sehen oder die Hand zu schütteln. Die Umgebung mit den Wäldern und Bergen ist atemberaubend schön. Ich machte eine Trekkingtour hinauf zu einem Camp in über 3500 Meter und ging weiter bis zur "Snowline", wo ich in einer Höhle mit ein paar Ziegenhirten übernachtete. Das war ein tolles Erlebnis, aber es war wirklich arschkalt da. Ansonsten ist es hier super relaxed und chillig wie in Goa mit ca. 95% Israelis, die in den Bergen herumhängen und sich zukiffen. Bleibe nun die restliche Zeit hier und mach auf slowly, slowly mit ein wenig Meditation
und Yoga jeden Tag.

Ich wünsche euch allen super viel positive Energien und einen schönen Frühlingsanfang. Liebe Grüsse aus dem fernen Land, in dem alles möglich ist.
Blessings Wolle


Herzlichen Dank an Wolle für die Erlaubnis zur Veröffentlichung! Lady Purple


Wolle


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