Tut Ankh Amun – das goldene Jenseits
7. April – 3. Oktober in Basel

Als ich letztes Jahr das erste Mal davon hörte, traute ich meine Ohren, bzw meinen Augen nicht: Auf der Homepage des Antikenmuseums Basel wurde allen Ernstes eine Tut-Ankh Amun – Austellung angekündigt. Erst dachte ich „das muss ein Promo-gag sein“, denn nach dem letzten Auslandaufenthalt 1981 (Wo die Statue der Selkis beschädigt wurde) hiess es, die Sammlung werde nicht mehr ausserhalb Ägyptens gezeigt.
Aber nein – beim folgenden Zeichenbesuch in meinem heissgeliebten Oberlichtsaal fragte ich nach, und wahrhaftig: Teile von König Tut’s berühmten Grabschatz würden nach Basel reisen! Im Vorverkauf Tickets zu ergattern erwies sich als gar nicht so schwierig, wie wir erst gedacht hatten, und voilà: 24. April 2004, 11 Uhr Slot. (Der Grossandrang machte die Slots notwendig, und auch so war es anfänglich ein Gedränge.)


Wir kommen in die Ausstellung
Die Austellung beginnt mit rigorosen Sicherheitskontrollen – jede Tasche musste abgegeben werden, der Besuch bekommt eine durchsichtige Plastiktüte, wo das Portemonnaie und die Ausweispapiere reinkommen. Alles andere muss abgegeben werden.
Dann betritt man den ersten Raum wo auf grossen Videoschirmen einerseits der Fund des Grabes (was das Thema der Austellung von 1961-1981 war) als Einführung, an einer anderen Station eine Erläuterung des Grabes von Juja und Tuja, und auf der grossen Videowand das „Making-of“ der Ausstellung, erläutert von Prof Bloome und dem Kurator, Herrn Wiese, gezeigt wird. Der Clou ist – alle Filme laufen gleichzeitig in Deutsch, Französisch und Englisch – der Ton kommt aus kleinen Plexiglaskuppeln, die den Ton so verteilen, dass man „seine“ Sprache gut hören kann.

Uns hatte es da allerdings zuviele Menschen – und so gingen wir, an zwei leicht überlebensgrossen Wächterstatuen vorbei, die Treppe ins Untergeschoss hinunter. Und trafen auf eine sehr lange Schlange. Alles stand, wie in der Heure de pointe. Alles am Anfang der Austellung. Ein Herr der Security gab uns aber den sehr guten Tip, am Ende des Ausstellung (also bei der Grabkammer des Tut Ankh Amun zu beginnen) und uns zum Beginn der 18. Dynastie zurückzuarbeiten. Gesagt, getan.
Mit einigen „Pardons“ bahnten wir uns einen Weg, durchquerten die Austellung, gingen die Rampe hoch, und begannen in der Nachstellung (exakte Dimensionen und Wandmalereien) der Grabkammer. Staunen!! Auch wenn es nicht „echt“ ist – es wirkt so – eine kleine Kammer, in fröhlichen Farben ausgemalt – und ich dachte: „Etwas klein für einen König – aber diese Farben!“ Wir verliessen die Kammer wieder (es herrschte Einbahn-Kreisverkehr darin) und widmeten uns dem ausgestellen Mobiliar. Darunter kostbare Truhen und Stühle – ein Kasten, bei dem ich erst dachte, dass die Hieroglyophen aufgemalt seien, und beim Nähertreten und mit Kopfschrägheben sah ich, dass es feinste Einlegearbeit war! Da war ich zum ersten Mal soweit, dass ich mich am liebsten hingesetzt hätte. Diese Präzision – diese Arbeit – dieses Meisterwerk! Ich konnte mich kaum fassen.
Ich bestaunte nach und nach weitere Gegenstände seines Mobiliars. Wunderbare feinste Alabastergefäße (das mit dem berühmten Löwen ist auch ausgestellt) – die so beleuchtet waren, dass sie aus sich selbst heraus zu leuchten schienen. Auch ein grosser Halssschmuck und ein Schemel und, und, und, ... Langsam kamen nun aber andere Besucher nach – und wir entschieden uns, dass wir nun zum Rest der Ausstellung hinuntergehen wollen.

An den Wänden hängen stark vergrösserte schwarz-weisse Photos der Ausgrabungen, welche auch gut in eine Kunstaustellung passen würden. Bei Tut hat es immer noch zuviele Leute, also wenden wir uns erst mal seinem Vater, Amenophis IV, besser bekannt als Echnaton zu. Ein Kopffragment einer Monumentalstatue ist ausgestellt – und da hat sich Echnato solche Mühe gegeben, den Monotheismus wieder einzuführen und sich selbst Echnaton genannt; nun ist er doch mit Amenophis IV angeschrieben. Meine Kollegin meinte „Das ist nun aber fies!“ – und wir musste beide kichern. Daneben stand das bekannte Relieffragment, worauf Echnaton mit Tochter (oder Frau) die Sonnenscheibe anbetet. Ich war nicht schlecht erstaunt, dass dieses Stück auch ausgeliehen wurde! Daneben diverse andere Kunstwerke aus der Zeit Amenophis IV. Darunter ein wunderschöner Kanopendeckel, dessen Kopf so edel und fein gearbeitet war, dass die Augen einem immer noch anzuschauen scheinen. Ich denke mir: „So also!“ Auch über die modische Frisur des Frauenkopfes staune ich, der entweder eine Göttin oder eine Gattin des Echnato darstellt. „So edel, und so erhaben“. Sie liess mich lange nicht mehr los.

Dann wandten wir uns endlich König Tut zu (denn mittlerweile konnte man sich dort auch bewegen). Wir staunten weiter: Das was auf den Plakaten die berühmte Mumienmaske zu sein scheint, ist in Realität nicht die Mumienmaske, sondern ein knapp 25 cm hoher Eingeweidesarg! (übrigens nicht für Tut gedacht, sondern für jemand anderes). Die berühmte Maske verlässt Aegypten niemals, denn sie ist Staatsschatz und beinahe ein Heiligtum.
Auch der berühmte Kanopen-Alabaster-Kopf wurde ausgestellt – wobei allerdings vermutet wird, dass auch er für ein anderes Grab gedacht gewesen war. Der kleine Schrein zeigt Alltagsszene, von Tut und Anchesenamun (seiner SchwesterGattin, ursprünglich Anchesenpaaton, genau wie er ursprünglich Tut Ankh Aton hiess...) Ein Kopfschmuck, den er auch im „Alltag“ getragen zu haben scheint, der berühmte Skarabäus und seine Uschebtis sind in Vitrinen zu bestaunen. Trotz der Pracht und des Reichtums – Tut Ankh Amuns Grabbeigaben sind oft zusammengesucht, von anderen Personen „gestiftet“. Denn er starb offenbar zu früh um einen „komplett eigenen“ Schatz zu haben. So wirkte es auch auf den Bildern – die Grabanlage, in der er beigesetzt wurde, wäre nicht die eines Königs gewesen, so klein und so „unscheinbar“.

Das fiel mir auf, als ich den Sarkophag der Tuja bestaunte. Juja und Tuja waren die Schwiegereltern von Amenophis III (dem Grosspapa von Tut, wenn ich seine Ahnenreihe richtig auf die Reihe bekomme). Ihnen wurde als Gunstbeweis ein Begräbnis im Tal der Könige zugestanden. Hier sieht man, anders als bei Tut, dass alles gut vorbereitet war. Die Uschebtis wurden nur für Juja gemacht, und auch der Sarkophag wurde für Tuja angefertigt. Es wurden ihnen persönliche Geschenke (ein kostbares Kästchen, mit den Kartuschen des Königs) mitgegeben – alles deutet darauf hin, dass sie auch vermisst wurden und man ihnen alles Gute im Au de la (Jenseits?) wünschte.
Auf dem Sarkophag waren zwei Göttinen abgebildet, die mich sehr berührt haben – beide knien mit schützend erhobenen Armen. Beide tragen die „Isis-Schwingen“, aber nur eine konnte ich anhand des Kopfes als Isis identifizieren. (ich vermute, die andere ist Nephtys, bin mir aber nicht sicher) Eine ist am Kopfende, die andere am Fussende. Sie scheinen friedlich, aber so bestimmt. So als ob der Handwerker, der sie schuf Ihnen wirklich (seinen eigenen) Wunsch zu schützen mitgegeben hätte, und sie es immer noch tun. Daneben lächelt einen Tuja’s Kartonage Maske mit freundlichen Grübchen an. Die Maske ist stellenweise noch von dem feinen Leinen bedeckt, und wenn man sich das Leinen genau ansieht, merkt man weshalb Ägyptisches Leinen noch zu Zeiten der Römer als etwas vom Feinsten überhaupt galt!

Wir näherten uns dem Anfang der Ausstellung – und bleiben immer wieder staunend stehen. Zu Beginn der 18. Dynastie waren mehr Grabbeigaben aus Holz, wobei später dann Stein und Alabaster verwendet wurde. Eines der Exponate entlockt einem unweigerlich ein Schmunzeln: Es ist ein hölzerner Salblöffel, der eine Schwimmerin darstellt. Die Haare (bzw die Perücke) ist auf der rechten Kofpseite zusammengenommen, und sie schmunzelt einem von der Seite her an. Ganz nach dem Motto „ich weiss schon, wohin Du guckst“ Sehr wissend, sehr keck und so charmant!Vielleicht war sie eine Dame von Amenophis II? Wir werden es nie wissen.
Gegen Ende der Ausstellung bin ich schon ziemlich geschlaucht – und vieles, was eigentlich mehr Aufmerksamkeit verdient hätte, wurde nur am Rande registriert. Wunderbare Fayencen, ein kleines Holzschiff, in bunten Farben prächtig bemalt. Bevor wir die Ausstellung verlassen, schaue ich nochmals bei Isis und „Nephtys“, vorbei. Noch immer heben sie die Arme – so beständig, so schön!

Wir verlassen die Ausstellung, und schauen uns noch die Filme an. Sehr informativ, aber es macht keinen Unterschied, ob wir die nun vor oder nach der Ausstellung gesehen haben. Im Bistro und Souveniershop war der Teufel bzw die Touristen los. Eine französische Schulklasse, rennt herum, alle Tische besetzt – wir kapitulieren, und suchen uns ausserhalb ein Café. Trotzdem wird noch eingekauft: So einen Katalog musste ich mir einfach besorgen – er steht nun friedlich neben dem der Troja-Ausstellung. Wir holen unsere Sachen wieder ab, und verlassen das Museum. Auch hier – Ausgangskontrolle – ohne Ticket kommt man nicht mehr raus.
Draussen wenden wir uns der Altstadt Richtung Münster und Kaffee Isaak zu. Ganz Basel im Tut-Fieber. Jedes Schaufenster hat was „Ägyptisches“ drin, Kommerz lass nach! Tut Anch Ueli Bier, Ägyptische Falaffel (no comment), ägyptische Chocolat-Wecken - es gibt nichts, was es nicht gibt. Und es gibt noch das Egypt House, eine Dependence des Museums, welche als Wartezone gedacht ist. Dort wird tatsächlich noch „gekrämelt“ – und zwar Postkarten, und ein wunderschönes Replikat der Selkis (der Statue, die 1981 beschädigt wurde). Selkis steht nun neben Venus und Artemis auf meinem Schrein/Altar – und scheint sich sichtlich wohlzufühlen.

Weiterführender Link (für Bilder auf „Medien“, danach auf „Pressebilder“) und noch als letzte Anmerkung: TutAnkhAmun wird sehr verschieden geschrieben. Auf „Duden-Deutsch“ ist es Tutanchamun, in manchen wissenschaftlichen Publikationen Tut Ankh Amun, und auf französisch Tut Ankh Amoun. Ich habe mich hier für die zweite Variante enschieden.


Mhari


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