Wie wir in Neuseeland Beltane feiern
Bei uns in Neuseeland wirds jetzt zwar allmählich Herbst und wir werden am 1. Mai Samhain feiern, bei euch in Europa ist es natürlich anders herum und ihr feiert nun bald Beltane. Deshalb will ich euch einmal berichten, wie wir hier in Neuseeland seit nunmehr 12 Jahren Beltane am 1. November feiern.

Der Grundgedanke zu diesem Fest ist natürlich der Beginn der warmen Jahreszeit und somit die Zeit des Säens und Pflanzens. Das Frühjahrsfest war schon immer ein Fest der Fruchtbarkeit. Diese Fruchtbarkeit wurde in der Vergangenheit durch die Errichtung eines Maibaumes gefeiert. Bis zum heutigen Tage haben sich Bräuche dieser Art erhalten, allerdings nicht immer, oder sogar kaum mehr, in dieser urprünglichen Bedeutung. In Bayern ist der 1. Mai das, was wir in Bayern eine "Gaudi" nennen, mit viel Bier, Trachten und Tänzen.
Wir wollten nun in Neuseeland nicht dieses Brauchtumsfest einfach so wie in Bayern übernehmen, sondern wir suchten nach dem ursprünglichen keltischen Gehalt und somit hat sich ganz von selbst und mit Hilfe der spirituellen Helfer und unserer Vorfahren folgendes Fest herausgeschält:

Nachdem die meisten unserer Freunde, mit denen wir unsere Fest feiern, nur am Wochenende Zeit haben, legen wir das Fest auf den Sonntag, der dem Beltane-Tag am nächsten liegt. Drei Tage vorher ist der Tag der Vorbereitung. Hierzu laden wir nur einige unserer Freunde ein, meistens sind es 5-6 Personen. Wir treffen uns am Nachmittag und beginnen mit einer Tasse Kaffee und einem Stück Kuchen. Sobald wir gestärkt sind, schreiten wir nun zu Taten. Die Männer werden den sorgfältig als Maibaum ausgewählten Baum fällen. Es muß ein gesunder und gerade gewachsener Baum von der richtigen Größe sein. Wir fällen ihn ganz urtümlich, nur mit einer Axt. Jeder macht mit und macht ein paar Hiebe. Bevor wir jedoch anfangen, umgehe ich mit der Axt dreimal den Baum (bei uns entgegen dem Uhrzeigersinn, in Europa wäre es andersherum, entsprechend dem Lauf der Sonne). Dann wird der Baum dreimal mit der Axt berührt. Dieser Brauch war in Bayern noch vor hundert Jahren bei den Holzfällern lebendig und ist wahrscheinlich ein Rest von uraltem keltischen spirtuellem Verstehen. Wir sagen dem Baum, dass wir ihn bitten, sich für uns als Maibaum zur Verfügung zu stellen und sein Leben dafür zu opfern. Diese Bitte wird dreimal gestellt und jeweils mit einer Berührung mit der Axt begleitet. Dann fällen wir den Baum.

Da wir bei unseren Feiern meistens nicht mehr als 40 Leute sind, darf der Baum nicht zu groß sein, sonst wird das Aufstellen schwierig. Das Gewicht eines frischen Baumes ist gewaltig! Ca. 15 m Höhe hat sich bewährt. Je nachdem, wo der Baum gefällt wurde, tragen oder fahren wir ihn nun zu unserem Festplatz. Dort wird er entrindet und muss dann zwei weitere Tage abtrocknen, damit ich ihn anmalen kann. Das weitere Herrichten des Baumes besorge ich dann alleine, denn nochmals eine Aktion wäre ein wenig zu viel. Das Anstreichen des Baumes nimmt etwa 2 Stunden in Anspruch, sodass ich das alleine besorgen kann.

Während die Männer den Baum gefällt haben, haben die Frauen den Kranz gebunden, der dann oben in den Baum gehängt wird. Außerdem färben sie Eier, das Symbol der Fruchtbarkeit. Jeder Gast bekommt als kleine Gabe von uns ein bemaltes Ei am Beltanetag. Eine weitere Arbeit ist die Vorbereitung der Bänder, die wir jedes Jahr neu kaufen. Wir haben sechs Farben: Rot für die weibliche Energie, Schwarz für die männliche Energie, Weiss für die Luft, Grün für die Mutter Erde, Gelb für die Sonne und Blau für das Wasser. Eine weitere Arbeit ist das Abfüllen von Samenpäckchen, denn jeder Gast soll ein Päckchen zum Aussäen bekommen. Wir müssen also mindestens 40 Samenpäckchen herrichten und meistens machen wir noch ein paar mehr, falls unerwartet mehr Gäste kommen. Einmal hatten wir 60 Personen, das war schon ein wenig zu viel! Man sieht, die Vorbereitungen für dieses Fest sind ziemlich umfangreich. Aber diese Vorbereitungen sind schon ein Teil des Festes und machen viel Freude. Wenn der Baum fertig auf unserer Wiese liegt, übermittelt er schon ein starkes Gefühl, das schlecht zu beschreiben ist. Wir leben in einem Hochgefühl der Erwartung und Freude.

Der Sonntag kommt, Beltane. Die Freunde kommen um 10 Uhr. Wir beginnen unsere Feier mit der Einladung der Spirits und der Vorfahren, heissen unsere Gäste willkommen und ich sage meistens ein paar Worte zur Einstimmung, erkläre den Ablauf unseres Festes für diejenigen, die noch nicht dabei waren.

Dann wird der Maibaum aufgestellt und dieser Akt ist unbeschreiblich. Der Baum ist für uns die Verbindung zwischen der Sonnenenergie und der Erde. Ich habe ihn vor zwei Tagen mit einer blauen und weissen Spirale angestrichen, das Symbol des Regens (blau) und des Lichtes (weiss). Diese beiden Elemente sollen die Fruchtbarkeit in die Mutter Erde bringen. Der Baum ist natürlich auch ein Symbol des Phallus, er soll die Mutter Erde fruchtbar machen. Der Kranz oben im Baum ist das Symbol der weiblichen Scheide. Die beiden Spiralen sind für uns auch zwei Schlangen, eine aufsteigende und eine absteigende. Die Schlange war bei den Kelten die Verbindung zur spirituellen Welt (die Kelten nannten es die "Anderswelt"). Gleichzeitig ist die Schlange natürlich auch das Symbol für Sexualität, also ebenfalls wieder Fruchtbarkeit.

Wenn der Baum aufgestellt ist, klatschen immer alle spontan in die Hände, freuen sich und tanzen um den Baum herum. Dies ist alles ganz natürlich und wird nicht irgendwie gesteuert. Die Bänder wehen lustig vom Baum herunter und eine allgemeine Freude und Hochstimmung stellt sich ein.

Dann wird eine Tanzweise gespielt und wir machen den Bändertanz um den Baum herum. Dabei werden die Bänder nach einem bestimmten Muster verflochten. Dieses Verflechten hat natürlich auch weider symbolhaften Charakter. Die Natur (in den vier Farben der Elemente) und das Männliche und Weibliche (schwarz und rot) verflechten sich, wir sind alle verbunden und verwoben, so wie auch unsere keltischen Vorfahren dies empfunden haben.

Nun kommt das Säen. Ich habe ein Stück auf unserem Land für diesen Zweck vorbereitet, gepflügt und als Saatbeet geglättet. Wir segnen die Samen, bitten die Mutter Erde, sie aufzunehmen und sie wachsen zu lassen, bitten Vater Sonne für die Wärme und das Licht, dass alles gut wachsen und gedeihen kann. Jeder darf nun eine kleine Reihe der vorbereiteten Samen aussäen. Das macht vielen unserer Gäste große Freude und besonders die Kinder sind sehr aufgeregt dabei. Im Herbst, beim Fest von Samhain, kommen sie dann immer neugierig nachsehen, was aus ihren Samen geworden ist.

Wenn alles gesät ist, setzen wir uns um den Maibaum, singen ein paar Lieder und jeder kann nun irgend etwas beitragen. Manche hören nur zu, aber viele singen ein Lied, sagen ein Gedicht auf oder halten eine kleine Rede. Jedes Jahr ist es ein wenig anders, denn der Ablauf hängt sehr viel davon ab, wer kommt und somit ist die Energie immer wieder von den Gästen abhängig. Dies finde ich besonders schön, denn dadurch entsteht eine Spontaneität, die der Feier eine ganz besondere Note gibt.

Und zum Abschluß natürlich gibt es dann ein festliches Mahl und die gemütliche Runde bleibt meistens noch bis zum Abend beisammen. Es wird erzählt, gesungen, manchmal auch getanzt, je nachdem wer da ist und wie sichs eben so ergibt. Beltane ist beides: Ein besinnliches Fest und ein lustiges Fest, wie sich das für ein Frühlingsfest gehört. Schade, dass ihr nicht dabei sein könnt.

Liebe Grüße
Werner

 

Der Baum wird aufgestellt. Beachte den letzten Mann, er macht die magische Bewegung, ohne die geht's nämlich nicht!

Bereit zum Bändertanz

Bändertanz

Der Bändertanz ist beendet, die Bänder werden nun verknüpt. Links neben mir meine Frau (Meerjungfrau)

Werner


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