Ein keltischer Traum   Teil I
Um in die Geschichte hineinzufinden - dieses Kapitel, aus dem der Auszug entnommen ist, beginnt mit einer Liebesgeschichte. Bidur und Gundewyn haben sich an der Donau (Doana) getroffen und verliebt ...

Am nächsten Tag ist endlich schönes Wetter, wie gut! Ich gehe also wieder zu dieser kleinen Halbinsel, die jetzt nicht mehr meine, sondern unsere besondere Stelle ist. Da sitzt er schon und hat wieder die Angel ausgeworfen. Er lacht mich an und begrüßt mich: "Schön, dass du kommst, Gundewyn! Ich habe schon gefürchtet, du könntest nicht kommen." Ich setze mich gleich neben ihn und er fasst wieder nach meiner Hand. Er legt den Arm um mich. Ich lehne mich an ihn an und wieder spüre ich, wie gestern, wie gemütlich und warm und schön es ist, zusammen zu sein. Ganz lange sitzen wir auch heute wieder beisammen an dem Fluss. Wir sitzen nur da und es wird uns nicht langweilig. Ich lehne mich an ihn und bin glücklich, dass ich so nahe bei ihm bin. Wie wenig braucht doch das Glück!
Da kommt es mir plötzlich in den Kopf, dass ich ihm sagen sollte, was die Doana gestern zu mir gesagt hat. "Du, Bidur, ich habe dir gestern nicht alles gesagt, was die Doana mit mir geredet hat. Sie hat mit mir über die Liebe gesprochen. Sie hat mir gesagt, ich solle vertrauen auf sie, sie würde mir den Richtigen schicken. Und dann bist du gekommen!" Da schaut er mich überrascht an und sagt: "Das ist ja wohl sehr eigenartig, denn gerade, als ich hier gesessen bin, bevor du kamst, da habe auch ich die Doana gefragt: Wie ist es mit der Liebe? habe ich sie gefragt, ich weiß noch so wenig davon. Es muss doch wunderbar sein mit der Liebe. Ich habe dieses Mädchen getroffen, habe ich ihr gesagt, sie gefällt mir so gut. Ist das die Liebe? habe ich gefragt. Die Doana hat mir geantwortet: Ja, das ist die Liebe! Aber warte noch, es wird noch schöner werden. Das ist erst der Anfang. Das hat sie gesagt und dann bist du gekommen. Und jetzt, da du so neben mir sitzt und einfach da bist, jetzt weiß ich es, dass ich dich liebe. Du bist diejenige, die die Göttin mir zugedacht hat."
Da schmiege ich mich ganz fest an ihn, alles ist so selbstverständlich und klar. Wir kennen uns kaum und doch wissen wir, dass wir zusammen gehören! Ein wenig wundere ich mich, dass das so schnell kommt, so unerwartet und ohne Vorbereitung. Wie kann man sich verlieben, wenn man nur ein paar Stunden zusammen gesessen ist? Immer näher rücken wir zusammen und plötzlich küsst mich Bidur. Ich spüre diesen Kuß, wie er durch meinen Körper läuft und mir wird ganz schwindelig. Ein Gefühl geht durch mich hindurch, das ich noch nicht kenne. Nie soll es aufhören, dieses herrliche Gefühl! Immer möchte ich bei ihm sein und ich möchte, dass er mich küsst und im Arm hält.
So sitzen wir am großen Fluss, halten uns im Arm, küssen uns und sind glücklich. Der Nachmittag geht auch heute vorüber und die Sonne verliert ihre Kraft. Es fällt uns schwer, endlich doch nach Hause zu gehen. Es ist schon fast Nacht und Bidur meint, wir sollten vernünftig sein und heim gehen."

"Ich habe euch gewarnt, dass es lang werden wird!" wirft Gundewyn plötzlich ein. "So lange hätte es eigentlich nicht werden sollen! Aber jetzt kommt bald Beltane, nur noch ein wenig Geduld!" "Erzähl nur so weiter, du Keltin!" lacht Erik. "Wir haben uns inzwischen ziemlich an das keltische Temperament gewöhnt! Lass dich nur nicht aufhalten!" Erik hat mich angestubst und ich stubse zurück. Ich glaube, wir sind alle zufrieden mit Gundewyns Erzählung, es ist wirklich eine schöne Liebesgeschichte!

"Also, lasst mich weiter erzählen!" sagt Gundewyn. "Bidur und ich gehen den Weg hinunter, an den ersten Häusern entlang zum Gabelweg. Bidur hat den Arm um mich gelegt und wir genießen noch die letzten Minuten. Wir gehen an dem Haus vorbei, in dem Bodo wohnt. Ich sehe gerade noch im letzten Dämmerlicht, dass er dort sitzt vor seinem Haus. Sein weißes Haar und sein Bart leuchten aus dem Dunkel. Ich lasse schnell Bidur's Hand los und er fragt: "Was hast du, warum lässt du meine Hand los?" "Schau, der Alte sieht uns, er sieht, dass wir verliebt sind." "Das macht doch nichts", meint Bidur lachend, "andere lieben sich doch auch, das kann er ruhig sehen. So viele Menschen lieben sich, wir sind doch nicht die Einzigen! Es gibt sogar Menschen, die heiraten, stell dir vor!" Ich schaue ihn von der Seite an und denke mir, sollte das eine Anspielung sein, will er mich heiraten? "Ja", antworte ich, "die meisten Menschen heiraten und du wirst es wohl auch einmal." Da lacht er mich an und sagt: "Nun möchtest du wohl hören, dass ich sage, dass ich dich heiraten will, stimmt's? Du kannst es ruhig hören, ja, ich will dich heiraten! Natürlich werde ich dich heiraten, wen denn sonst?"
Inzwischen sind wir an der Gabelung angetroffen. Ganz fest drücken und küssen wir uns noch. Es ist schon ganz finster geworden inzwischen. Schließlich müssen wir uns doch trennen. Ich frage noch schnell: "Treffen wir uns wieder?" "Natürlich, wie immer, morgen wieder am Fluss, wenn das Wetter schön ist." "Aber wenn es nicht schön ist, der Himmel hat mir heute nicht gefallen, es könnte regnen." "Es wird nicht ewig regnen. Sowie es wieder schön ist, treffen wir uns, abgemacht?" "Ja, abgemacht! Hoffentlich ist es schön morgen!"

Dann regnet es! Am nächsten Tag auch und sogar am darauffolgenden Tag. Ich ärgere mich, dass wir nichts anderes ausgemacht haben. Wie gerne würde ich wieder bei Bidur im Arm sitzen! Am dritten Tag ist es endlich wieder schön. Gleich nach dem Mittagessen werde ich zur Doana gehen und ihn treffen!
Da kommt ein junger Mann und sagt, er sei geschickt worden, von Bodo. Ich solle nachmittags hinüber kommen zu ihm, er wolle mich etwas fragen. Ich frage den Boten, worum es wohl gehe, aber er weiß es nicht. Angestrengt denke ich nach, was es wohl sein wird und warum ich zu Bodo gehen soll. Mir fällt absolut nicht ein, was der Alte ausgerechnet von mir wissen möchte. Ich bin doch nichts Besonderes! Gleich nach dem Essen mache ich mich auf den Weg. Ich hoffe, dass es nicht zu lange dauern wird und ich Bidur noch treffen kann. Aber wie bin ich überrascht, meinen Bidur in Bodos Haus zu finden! Und noch jemand ist da, die alte Burga. Die beiden begrüßen mich und bitten mich, mich neben Bidur zu setzen. Ich schaue ihn fragend an, aber er zuckt mit den Achseln, er weiß anscheinend auch nicht, worum es geht.
Ich setze mich also neben Bidur hin und berühre vorsichtig seine Hand, um zu sehen, ob er meinen Druck erwidert. Ja, er drückt meine Hand verstohlen, wir gehören zusammen! Aber wir haben jetzt keine Zeit, unseren Gefühlen nachzugehen, denn Bodo beginnt zu sprechen:"Ich habe euch zu mir gebeten, weil ich euch etwas Wichtiges fragen muss." Wir schauen ihn erwartungsvoll an. Etwas Wichtiges! Was kann er uns nur Wichtiges fragen wollen?
Die Mutter Burga wendet sich nun an uns: "Es ist sehr intim und ihr dürft uns nicht böse sein, dass wir danach fragen. Wir tun es nicht aus Neugier, wir tun es, weil es für uns alle wichtig ist, für unser Dorf." Dann schaut sie mir fest in die Augen. Mir wird ganz unwohl und ungemütlich, wie sie mich so fest anschaut. Was haben wir getan? Haben wir etwas Unrechtes getan, ohne es zu wissen? Aber Burga redet weiter: "Gundewyn, ich muss dich bitten, ehrlich und offen die Wahrheit zu sagen: Bist du noch Jungfrau?"
Ich bin so überrascht über diese unerwartete Frage, dass ich erst schlucken muss. Ich schaue Bidur an und auch er schaut mich an und er ist sicher genau so überrascht wie ich. "Wir haben euch gesehen", fügt Bodo noch hinzu, "vor einigen Nächten, als ihr an meinem Haus vorbeigekommen seid. Es war nicht zu übersehen, dass ihr verliebt seid. Da könnte es sehr wohl sein, dass ihr euch schon so nahe gekommen seid, dass du keine Jungfrau mehr bist. Aber bitte, sei uns nicht böse und gib uns aufrichtig Antwort." Da nicke ich mit dem Kopf und sage: "Ich fühle mich zwar dem Bidur sehr nahe, aber ich bin noch Jungfrau." Da schauen sich die beiden Alten erfreut an und wieder bin ich verwirrt über diese Reaktion. Wieso freuen sie sich, dass ich noch Jungfrau bin?
Nun endlich sagt Bodo, was er mit uns vor hat:


Werner


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