Die Geschichte von der Tiefe

Diese Geschichte vertraute mir ein Stein an,
der vor einem Bergwerksstollen am Eingang lag.
Die Sonne wärmte ihn und er war bereit mir die folgende Geschichte zu erzählen..

Vor einer Zeit, als die Welten noch regelmäßig miteinander verkehrten und Freundschaft eine Tugend war, lebte eine junge Frau in einem Tal. Sie war früh zur Außenseiterin geworden da sie Freundschaft mit den Elben hatte und die Geheimnisse der Wälder ihr nicht unvertraut waren.

Eines Tages hiess es ein Drache bedrohe das Land. Die Tapfersten zogen mit Getöse aus. Manche kamen angstzitternd zurück, andere nie mehr.

Das Mädchen sass am Brunnen und unterhielt sich mit der Quelljungfrau. “Was sollen wir nur tun? Keiner der Männer traut sich mehr aus dem Dorf.”

“Dann musst du es wagen.”  Erstaunt sah sie ihre Freundin an .
”Ich? Was kann ich denn schon tun.”

“Etwas, daß nur Du kannst. Hab keine Angst. Geh in den Wald bis zum heiligen Ort. Am Rand ist eine Höhle. Darin findest du Hilfe um das Bevorstehende zu bestehen.”

Sie ging nach Hause, packte ihren Beutel und nahm Proviant und Geschenke für die Anderswelt mit und machte den ersten Schritt ins Ungewisse.

Sie fand die Höhle wie von ihrer Freundin vorhergesagt.

Von aussen war die Höhle unheimlich, es roch nach Tod und Algen. Als stünde irgendwo Wasser.

Die junge Frau ging nun mit vor Angst klopfendem Herzen vorran. Ein Wind geboren aus Chaos bliess ihr das Feuerzeug aus und sie bekam es nicht wieder an.

Nun hatte sie die Wahl. Zurückzugehen und ihr Scheitern eingestehen oder die Angst zum Freund machen.

Sie wählte letzteres, machte die Angst zu ihrem Verbündeten und ging weiter in die Dunkelheit.

Es war so dunkel wie in einem Mausoleum.

Plötzlich schimmerte es vor ihr, als sei in der Höhle der Mond aufgegangen.

Es war so schön, daß ihr das Herz aufging. Ein Mond mitten in der Höhle? Sie ging in das Licht und spürte wie es sich wie Seide um sie schmiegte. Als sie heraustrat trug sie ein silbriges Gewand mit Glockenärmeln. An deren Enden waren Mond und Wassersymbole gestickt. Nun hatte sie die Erkenntnis, daß die Höhle nicht unbewohnt war. Ein Wesen musste hier leben.Verborgen von der Welt.

“Danke für das schöne Kleid. Zeig dich mir doch.” sagte sie in die Finsternis.

Eine Frau trat raus. Jung und alt zugleich. Sie strahlte voller Macht und Geheimnis. ”Lebe eine Zeit bei mir. Der Herr der Höhle und ich sind gute Nachbarn seit langer Zeit. Und von ihm ist auch das Kleid.”

So begann ihre Lehrzeit bei der alten Frau in der Tiefe. Sie lernte den Rhytmus und die Magie des Meeres. Aus Buchenstäben weisszusagen. Mit Kristallen zu heilen.

Eines Abends hörte sie ein Grollen in der Tiefe der Höhle und sie fragte die Alte was das sei. “Geh nur und schau nach. Du hast alles in dir was du brauchst.“ sagte sie mit wissendem Lächeln. Da sie die Alte liebte und ihr vertraute ging sie voran.

Es wurde wärmer, je weiter sie kam. Am Ende brannte ein Feuer und ein knorriger Mann sass dort. ”Sei willkommen.” flüsterte er mit brüchiger Stimme.

Da sie eingeweiht worden war machte sie ihm einen Tee aus Heilkräutern und segnete ihn ehe sie den Tee an den Mann weiter reichte.

Dankbar trank er, wurde gesund, schien jünger zu werden. Der Schatten, den er warf, war der Schatten des Drachen! Wasser rauschte um ihn, das Feuer sprang an ihm hoch wie ein Welpe und die Erde und die Luft trugen den Duft der Magie mit sich, als er sich verwandelte und zum Drachen wurde.

Doch statt wie früher vor Angst zu vergehen kniete sie nun in Demut vor ihm nieder.

“Mein Herr der Elemente nehmt bitte den Schatten von unserem Land..”
Eine Kralle hob sie an daß sie aufstand.

“Steh aufrecht vor mir. Ich liebe dich für deine Beharrlichkeit und Demut. Darum tue ich was du dir erbittest. Bleibe bei mir.”

Als geachtete Priesterin ging sie in ihr Dorf zurück. Geliebt von ihrem Drachen und gesegnet von der Göttin der Tiefe trat sie aus der Höhle hinaus.

An manchen Tagen der kommenden Jahre sah man sie auf ihrem Drachen über das Land gleiten. Verbunden in Liebe.

Ende


Veleda Alantia
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