WurzelWerk´s
Die Welt der Märchen hat die Menschen schon immer verzaubert, denn sie sprechen unser Innerstes an, die bildhafte und symbolträchtige Sprache lässt kaum jemanden unberührt. Märchen sind ein Kulturgut, das sich in vielen Völkern, Kulturen und Regionen der Erde findet. Sie bilden eine Brücke zu unseren ureigenen Stärken, Schwächen und auch Ängsten.
In meinen Artikeln für SternenKind – ErdenKind findet ihr einiges an theoretischem Hintergrund zur Märchengeschichte und der Bedeutung von Märchen für Kinder.

Wir vom WurzelWerk sind ganz besonders stolz, dassdie Märchenerzähler in unseren Reihen ihre bisher unveröffentlichten Werke im RegenBogen euch allen zugänglich machen wollen. Natürlich freuen wir uns auch über jedes selbst geschriebene Märchen aus eurer Feder!

Für unsere allerletzte Geschichte können wir es gleich Winter werden lassen in der Anderswelt. Bei ihr geht es nämlich auch um den Schnee. Oh je, ich glaube, Merlin kann den Schneestern nicht finden, der euch diese Geschichte erzählen sollte! Ob er vielleicht geschmolzen ist? Wäre ja kein Wunder, so lange halten sich Schneesterne nicht und schon gar nicht in einem Sack. Macht nichts! Glücklicherweise hat meine alte Freundin, die Frau Holle, mir diese Geschichte erzählt, in der sie ja selbst mitgewirkt hat. Wenn ihr erlaubt, werde ich selbst euch diese allerletzte Geschichte erzählen. In ihr geht es darum,


Wie der Schnee entstand   Teil III
Am Rande der Wiese stand ein schmuckes, kleines Häuschen. Es war von Rosen umrankt, und wirkte gemütlich und einladend. Vielleicht konnte man ihm dort weiterhelfen!

Die Türe tat sich von selbst auf, als er anklopfte. Eine alte Frau lud ihn lächelnd ein, einzutreten. Sie war wunderschön: hochgewachsen, schlank und würdevoll saß sie auf einem holzgeschnitzten Hochsitz. Ihr weißes Haar ließ erkennen, dass sie ziemlich alt sein musste. Trotzdem schien sie auch wieder jung. Wo hatte er sie denn schon gesehen? Sie schien ihm irgendwie bekannt, doch er konnte sich nicht erinnern, sie schon einmal gesehen zu haben.

"Willkommen im Sommerland!", sprach die wunderschöne Dame nun. Also war er doch tot, er hatte es ja geahnt! "Wir kennen uns schon, du und ich, sieh her", und für einen kurzen Moment nahm die Dame eine andere Gestalt an, die einer kleinen, gebeugten Alten in zerschlissenem Gewand.

"Oh, du bist ...! Wie kann das sein!" Luca verstand nun gar nichts mehr.

"Doch, du verstehst wohl, das sehe ich genau. Ja, ich bin es, die alte Frau im Wald, der du dein wärmendes Fell geschenkt hast. Ich bin dir als arme, alte Frau erschienen, um dein Herz auf die Probe zu stellen. Auch meinen Freunden hast du liebevoll geholfen, obwohl dein eigenes Herz schwer von Kummer war über deine todkranke Schwester."

Bei diesen Worten kam von draußen ein glänzendschwarzer Rabe zum Fenster herein geflogen, und ein kräftiger, vor Gesundheit nur so strotzender Wolf sprang durch die Tür, seiner Herrin zu Füssen. Der Rabe blinzelte Luca lustig zu, und der Wolf wedelte freundlich mit seiner Rute.

"Du hast gezeigt, dass du der Richtige bist, deshalb hast du mich auch gefunden. Nun werden wir deiner Schwester rasch die Medizin bringen, warte ein wenig."

Die Dame erhob sich und winkte Luca, ihr zu folgen. Sie führte den Jungen nach draußen, wo es mittlerweile Nacht geworden war und ein sternenübersäter Himmel sich wölbte. "Hebe deine Arme hoch!", forderte sie ihn auf, und dann begann sie ein wunderbares, zartes und doch machtvolles Lied zu singen. Und da! Mit einem Mal lösten sich Sterne vom nachtschwarzen Himmel und fielen zu tausenden in Lucas ausgebreitete Arme. Es war ein Glitzern und Funkeln, dass der Junge die Augen schließen musste vor so viel Licht. Die Dame hielt nun ein ledernes Säckchen auf, und Luca ließ die Sterne hineingleiten, vorsichtig, dass keiner danebenfiel. Die Dame sagte. "Und nun, mach schnell, kehr heim mit deiner Medizin aus Himmelslicht und Sternenglanz, du wirst schon sehnsüchtig erwartet!" Mit diesen Worten führte sie ihn zum Brunnen und hieß ihn, hineinzuspringen. Luca verbeugte sich noch einmal ehrfürchtig vor der Alten der Zeit, dankte ihr und sprang ...

Zu Hause, im Tal vor den großen Bergen, saßen Mutter und Vater sorgengebeugt am Lager ihrer kleinen Tochter. Unverändert blass und still lag sie in ihren Fellen. So lange war Luca nun schon fort! Und wenn er den Weg nicht gefunden hatte? Und wenn er elendiglich umgekommen, in den frostigen Bergen verirrt, erfroren war? Dann hätten sie beide Kinder verloren. Sie hätten ihn nicht gehen lassen sollen!

Doch horch!

Ging da nicht die Türe, wehte da nicht der Eiswind in die Hütte und ließ die Fackel flackern? Da stand er im Raum, Luca, lebendig und munter, lachend und gesund! Er nahm sich nicht die Zeit, alle zu umarmen, sich am Feuer zu wärmen, zu essen oder zu erzählen. Er ging ans Krankenlager seines Schwesterchens und öffnete sein Ledersäckchen ...

Daraus stieg Sternenglanz auf, wurde zu dichten Wolken, die zum Himmel aufstiegen und ihn bald ganz verhüllten. Aus diesen Wolken aber fielen ... Sterne, abertausend glitzernde Sterne! Immer dichter fielen sie vom Himmel herab und bedeckten bald das ganze Land, weiß und weich, Schnee! Die Weiße des Schnees erhellte das ganze Land, sie vertrieb Dunkelheit und Trauer aus den Herzen der Menschen, sie vertrieb die Krankheit von Miranda und machte sie wieder ganz gesund. Die Kinder lachten und jauchzten vor Freude über die glitzernde Pracht. Die Väter mussten eiligst Schlitten bauen, das Schifahren wurde erfunden und die Menschen wurden von nun an jedes Jahr durch das helle Schneegeglitzer für das lange Dunkel des Winters entschädigt. Sie waren dankbar für das Geschenk, welches Luca ihnen aus dem Reich der Frau Holle gebracht hatte. Denn, dass die Dame im Sommerland unsere Frau Holle war, das habt ihr ja sicher erraten, nicht wahr?

So, nun ist Merlins Sack aber leer, kein noch so winziges Ding verbirgt sich mehr in seinem Inneren. Ja, natürlich! Merlin, als Zauberer, könnte seinen Zaubersack natürlich mit einem Huii wieder füllen, das wäre ein Klacks für ihn! Aber er muss jetzt wieder weiter. Auch anderswo warten Kinder auf seine Geschichten. Da kommt mir eine Idee! Wie wäre es, wenn ihr selbst einen ganz persönlichen Zaubersack hättet, mit eigenen Anderswelt - Dingen? Es warten ja so viele von ihnen darauf, von euch gefunden zu werden: besondere Steine, Federn, Ästchen, Wurzeln ... und noch vieles andere mehr. Sie alle warten darauf, euch ihre Geschichten zu erzählen. Wie ihr in die Anderswelt kommt, das wisst ihr ja jetzt. Also, gute Reise und viele, bunte Geschichten - Abenteuer!


Morgane
Von den drei Kräutern (Märchen aus Avalon 9)     15.07.2017
Märchen von der hell und dunklen Nymphe     01.07.2017
Von der Magie     10.06.2017
Märchen aus Avalon     29.04.2017
Der Schrecken der christlichen Seefahrt - Teil II     21.03.2015
Der Schrecken der christlichen Seefahrt - Teil I     07.03.2015
Ein Märchen zu Imbolc - Teil II     05.04.2014
Ein Märchen zu Imbolc - Teil I     15.03.2014
Eine Lughnasadhgeschichte - Teil II     14.09.2013
Eine Lughnasadhgeschichte     24.08.2013
Teufelsstein - Teil II     16.08.2008
Teufelsstein - Teil I     09.08.2008
Das Sonnenkind - Teil II     22.12.2007
Das Sonnenkind - Teil I     08.12.2007
Sternensplitter - Teil II     01.12.2007
Sternensplitter - Teil I     24.11.2007
Wie der Schnee entstand - Teil III     05.05.2007
Wie der Schnee entstand - Teil II     28.04.2007
Wie der Schnee entstand - Teil I     21.04.2007
Kreise - Teil III     07.04.2007
Kreise - Teil II     31.03.2007
Kreise - Teil I     24.03.2007
Auch in der Anderswelt gibt es Jahreszeiten... - Teil II     27.01.2007
Auch in der Anderswelt gibt es Jahreszeiten... - Teil I     20.01.2007
Die Adventmadonna     30.12.2006
Habt Ihr schon einmal eine Fee gesehen? - Teil III     30.09.2006
Habt Ihr schon einmal eine Fee gesehen? - Teil II     23.09.2006
Habt Ihr schon einmal eine Fee gesehen? - Teil I     16.09.2006
Wayusti spielt mit dem Händler - Teil II     01.07.2006
Wayusti spielt mit dem Händler - Teil I     24.06.2006
Pauli der Zauberer - Teil II     27.05.2006
Pauli der Zauberer - Teil I     20.05.2006
Morganes Erinnerungen - Teil V     18.02.2006
Morganes Erinnerungen - Teil IV     11.02.2006
Morganes Erinnerungen - Teil III     04.02.2006
Morganes Erinnerungen - Teil II     28.01.2006
Morganes Erinnerungen - Teil I     21.01.2006
Weihnachten an der Grenze - Teil II     31.12.2005
Weihnachten an der Grenze - Teil I     24.12.2005
Der Baum des Lebens - Teil II     06.08.2005
Der Baum des Lebens - Teil I     30.07.2005
Das Agnesbrünnl - Teil II     09.07.2005
Das Agnesbrünnl - Teil I     02.07.2005
Sternenbäume - Teil II     11.06.2005
Sternenbäume - Teil I     28.05.2005
Lisa und die Moorkönigin - Teil II     21.05.2005
Lisa und die Moorkönigin - Teil I     12.03.2005
Die Geschichte von den Heidelbeeren     26.02.2005
Märchen von uns – für euch     12.02.2005





              
                   
              



    

© WurzelWerk · 2001-2017