WurzelWerk´s
Die Welt der Märchen hat die Menschen schon immer verzaubert, denn sie sprechen unser Innerstes an, die bildhafte und symbolträchtige Sprache lässt kaum jemanden unberührt. Märchen sind ein Kulturgut, das sich in vielen Völkern, Kulturen und Regionen der Erde findet. Sie bilden eine Brücke zu unseren ureigenen Stärken, Schwächen und auch Ängsten.
In meinen Artikeln für SternenKind – ErdenKind findet ihr einiges an theoretischem Hintergrund zur Märchengeschichte und der Bedeutung von Märchen für Kinder.

Wir vom WurzelWerk sind ganz besonders stolz, dass die Märchenerzähler in unseren Reihen ihre bisher unveröffentlichten Werke im RegenBogen euch allen zugänglich machen wollen. Natürlich freuen wir uns auch über jedes selbst geschriebene Märchen aus eurer Feder!

Habt Ihr schon einmal eine Fee gesehen?
Ich meine, richtig gesehen, nicht nur von ihr gelesen oder erzählt bekommen? Natürlich, ich, Morgane, bin, wie ihr vielleicht wisst, auch eine Fee. Früher, vor langer Zeit, nannte man mich Morgan le Fay, und mein Freund Merlin und ich erlebten viele spannende Geschichten miteinander. Neulich aber traf Merlin eine Gartenfee. Sie schenkte ihm ein paar ihrer Zauber - Feen - Samen für seinen Garten. Er hat sie aber noch nicht eingepflanzt, weil er immer unterwegs ist und so wenig Zeit hat. Wie Zauber - Feen - Samen aussehen, wollt ihr wissen? Nun, bitte sehr. Erstaunlich, dass Merlin sie in seinem großen Sack finden konnte, denn sie sind winzig klein, viel kleiner als die Apfelsterne. Dennoch können sie uns ihre Geschichte erzählen. Sie heißt:

Die Feensamen   Teil III
Als die Menschen, welchen der Garten gehörte, am nächsten Morgen aus dem Fenster sahen, blinzelten sie ungläubig und rieben sich die Augen. Sie glaubten, noch zu träumen. Bald aber merkten sie, dass die ganze Bescherung leider kein Traum war. Sie liefen aus dem Haus und suchten nach ihrem verschwundenen Garten. Natürlich fanden sie ihn nicht. Natürlich konnten sie sich nicht erklären, was passiert war. Wie denn auch! Gärten pflegen im Allgemeinen nicht über Nacht zu verschwinden. Zufällig fand der jüngste Junge ein silbern glitzerndes Feenhaar im Schnee und brachte es verwundert seinen Eltern. Diese hätten es leicht und gern für einen Lamettafaden vom längst weggeräumten Christbaum halten können, wenn der kleine Maxi Grün nicht darauf bestanden hätte, dass es ein Feenhaar sein müsse. Die Erwachsenen pflegten ansonsten über solche Behauptungen zu lächeln. Sie nahmen so etwas niemals ernst, aber diesmal..... Wenn Gärten über Nacht verschwinden konnten, dann war es sehr wohl möglich, dass es auch Feen gab, dann war alles möglich, oder nicht? Maxi hatte einmal in seinem Märchenbuch gelesen, wie man es macht, um mit Feen in Kontakt zu kommen. Man muss man nämlich abends, vor dem Schlafengehen, ein Schälchen Milch vor die Haustür stellen. Dabei muss man dreimal sagen:

"Feenkind, komm geschwind!"

Das funktioniert aber nur bei Menschen, die wirklich an sie glauben. Der kleine Junge rief also die Feen und wurde gehört. Von der Großmutter der kleinen Pimpinella. Die sah die Bescherung und wusste sofort, wer dafür verantwortlich war. Sogleich suchte sie nach ihrer Enkelin und fand sie auch bald darauf, versteckt in der Krone eines alten Apfelbaumes.
„Komm sofort hier herunter, Hortensia Pimpinella Naseweis, und sag mir, was du wieder angerichtet hast!" Wenn sie böse war, rief sie ihre Enkelin immer mit dem vollen Namen. Für gewöhnlich nannte sie sie einfach liebevoll 'Pimpi'. Diesmal war sie sehr böse, außerordentlich böse sogar. Solche Streiche durfte keine Fee jemals jemandem spielen, auch nicht, wenn sie noch so jung war.

„Und wage es nicht, mich anzulügen, sonst verbanne ich dich für die nächsten drei Feenjahre in diesen Baum, du Göre!"

Zerknirscht ließ sich Pimpinella vom Baum schweben und erzählte alles, was sie im Garten von Potentilla angerichtet hatte.

Die Feengroßmutter rief ein Windpferd, setzte ihre Enkelin auf dessen Rücken und husch, schon war Pimpinella auf der kleinen Insel, um Potentilla Siebenschön alles zu gestehen.

„Warum hast du mich denn nicht einfach gefragt, wenn du wissen wolltest, wie ich das mache mit meinem Garten? Ich hätte dir doch gerne alles gesagt. Wir Feen helfen einander doch immer gegenseitig, das ist doch das zweitoberste Feengesetz, oder weißt du das etwa nicht? Dann hast du aber wirklich noch viel zu lernen, Kleine!"
Pimpinella Naseweis schämte sich entsetzlich. Ihr wären es wesentlich lieber gewesen, hätten die andere sie zornig ausgeschimpft! Da stand sie nun, zerknirscht und verschämt und wusste nichts zu sagen. Hätte sie den vermaledeiten Zauberstab nur niemals angefasst!
„Kannst du nicht einfach alles wieder groß zaubern?" fragte sie leise.
„So einfach ist das leider nicht,“ antwortete Potentilla Siebenschön streng, „so sehr ich das auch möchte, denn ich wäre noch gerne etwas hier geblieben. Aber, was soll's! Ade Urlaub, ade Algenpudding, leb wohl, Tante Aquaria! Jetzt aber muss ich schleunigst nach Hause und sehen, was sich machen lässt. Diese Menschen haben so gut mit mir zusammen gearbeitet. Ich möchte nicht, dass sie die Freude an ihrem Garten verlieren. Also komm!"
Und hui, ging's zurück in die winterliche Heimat, wo eine verwirrte Familie Grün nach ihrem verschwundenen Garten suchte.

Jetzt tat Eile not. Bald würde der Frühling kommen, und dann musste alles wieder seine Ordnung haben. Potentilla Siebenschön kramte in allen ihren Taschen und Säcken, irgendwo mussten sie doch sein, die verflixten Feensamen! Aber da waren sie nicht. Ach ja, hatte nicht ihr Freund Merlin, der alte Zauberer, im letzten Sommer welche von ihr geholt, um sich Zauberradieschen zu pflanzen? Hoffentlich hatte er nicht alle verbraucht, das wäre ein schönes Schlamassel! Sie musste ihn rufen. Da kam er auch schon, eilig und frierend. Er hatte sich nicht einmal Zeit genommen, seinen warmen Mantel überzuziehen, weil Potentillas Ruf so dringlich gewesen war. Er stieg von seinem Zauberbesen, dem Reittier der Zauberer und Hexen. Als ihm die Fee die ganze Geschichte erzählt hatte, strich er bekümmert seinen weißen Bart. Er hatte die Feensamen nicht bei sich. Sie lagen daheim bei ihm, in seinem Zauberkessel. Da war guter Rat teuer! Noch einmal heimreiten, bei dieser Kälte? Brrr, nein! Er ist ja, wie wir wissen, auch nicht mehr der Jüngste. Da zwickt und zwackt es manchmal schon gehörig in den alten Knochen! Also, was tun? Es musste doch noch einmal gezaubert werden. Wenn er sich doch nur an den Zauberspruch erinnern könnte! Ach ja, da war er schon! Potentilla Siebenschön bat ihn, die Feensamen in einen leeren Blumentopf hineinzuzaubern. Merlin hob seinen Zauberstab und begann:


„Mirakula, Mirakulix ... da drin ist nix.“ Potentilla Siebenschön schlug vor: „Versuch’ es doch einmal mit Umdrehen!“ Also drehte Merlin sich um... Wieder nix.
„Nein Merlin“, sagte die Fee lachend, „ich meinte, du sollst den Zauberspruch umdrehen!“ Aha, ja, natürlich, das wäre ihm selbst sicherlich auch gleich eingefallen! Also, noch einmal:

„Mirakulix, Mirakula,
sie sind nicht hier,
sie sind nicht da.
Sie sind wohl fort
Von diesem Ort.
Mirakulix, Mirakula,
da sind sie ja,
da sind sie ja!“

Ja, da waren die Zauber-Feen-Samen endlich. Nun konnte es losgehen. Die Fee Potentilla Siebenschön gab Maxi Grün die Feensamen, und er setzte sie schnell in einen Blumentopf mit Erde. Einmal gießen und schwupps, da wuchs er schon, der Garten. Man konnte richtig zusehen, wie er immer größer wurde. Bald war er wieder so groß, wie er vorher gewesen war. Alles war wieder, wie es sich gehörte. Die kleine Fee Pimpinella Naseweis aber übte das Zaubern in Hinkunft immer nur unter Aufsicht ihrer Großmutter, zur Sicherheit. Hin und wieder aber ließ sie eines ihrer langen, silbernen Feenhaare zu Maxi über den Gartenzaun schweben, als Gruß.


Morgane
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