WurzelWerk´s
Die Welt der Märchen hat die Menschen schon immer verzaubert, denn sie sprechen unser Innerstes an, die bildhafte und symbolträchtige Sprache lässt kaum jemanden unberührt. Märchen sind ein Kulturgut, das sich in vielen Völkern, Kulturen und Regionen der Erde findet. Sie bilden eine Brücke zu unseren ureigenen Stärken, Schwächen und auch Ängsten.
In meinen Artikeln für SternenKind – ErdenKind findet ihr einiges an theoretischem Hintergrund zur Märchengeschichte und der Bedeutung von Märchen für Kinder.

Wir vom WurzelWerk sind ganz besonders stolz, dassdie Märchenerzähler in unseren Reihen ihre bisher unveröffentlichten Werke im RegenBogen euch allen zugänglich machen wollen. Natürlich freuen wir uns auch über jedes selbst geschriebene Märchen aus eurer Feder!

Habt Ihr schon einmal eine Fee gesehen?
Ich meine, richtig gesehen, nicht nur von ihr gelesen oder erzählt bekommen? Natürlich, ich, Morgane, bin, wie ihr vielleicht wisst, auch eine Fee. Früher, vor langer Zeit, nannte man mich Morgan le Fay, und mein Freund Merlin und ich erlebten viele spannende Geschichten miteinander. Neulich aber traf Merlin eine Gartenfee. Sie schenkte ihm ein paar ihrer Zauber - Feen - Samen für seinen Garten. Er hat sie aber noch nicht eingepflanzt, weil er immer unterwegs ist und so wenig Zeit hat. Wie Zauber - Feen - Samen aussehen, wollt ihr wissen? Nun, bitte sehr. Erstaunlich, dass Merlin sie in seinem großen Sack finden konnte, denn sie sind winzig klein, viel kleiner als die Apfelsterne. Dennoch können sie uns ihre Geschichte erzählen. Sie heißt:


Die Feensamen
  Teil II
In der Nachbarschaft, nur einige Gärten weiter, gab es eine ganz junge Gartenfee. Sie war sozusagen noch eine Feen - Schülerin, denn sie hatte erst vor 250 Menschenjahren mit ihrer Gartenfeenarbeit begonnen. Dazu muss man wieder wissen, dass 250 Menschenjahre für Feen gar nichts sind, nämlich so ungefähr 6 Feenjahre. Sie war nicht nur sehr jung, sondern auch sehr, sehr neugierig. Das ist ja an und für sich nichts Schlimmes, denn ohne Neugier gibt es auch kein Lernen, und zu lernen hatte sie ja wirklich noch genug. Unsere Jungfee, sie hieß übrigens Hortensia Pimpinella Naseweis, nützte also die Abwesenheit ihrer älteren Kollegin, um sich ein wenig in deren Garten umzusehen. Sie wollte unbedingt wissen, wieso es dort so friedlich und geordnet zuging. Da musste es doch ein Geheimnis geben, und dem wollte sie auf die Spur kommen! Sie sah in alle Gartenecken, lugte hierhin und dorthin, konnte aber nichts Auffälliges entdecken. Dabei sang sie ein altes Feen - Kinderlied vor sich hin, das sie kürzlich erst im Feenkindergarten gelernt hatte.

Hinter dem Busch, unter dem Stein
Könnte ein Zauber verborgen sein.
Da, im Geäst, ganz oben im Baum
Versteckt sich doch jemand, man sieht ihn kaum!
Hinter dem Tor, was lugt da hervor?
Ich mein, da ist ein spitzes Ohr!
Was guckt aus dem Gras?
Da seh ich doch was!
Ist das vielleicht eine Wichtelnas?
Gekribbel, Gekrabbel,
Gezippel, Gezappel,
Gemurmel, Geschusel,
Geraune, Gewusel,
Gekrieche, Geflatter,
Gezirp und Geschnatter,
doch kaum bin ich dort,
ist alles fort!

Enttäuscht wollte sich Hortensia Pimpinella Naseweis wieder auf den Heimweg machen. Da sah sie... ja war es denn die Möglichkeit! Ihre verreiste Feenschwester hatte ihren Zauberstab im alten Holunderbusch hängen lassen! Oder hatte sie ihn vielleicht absichtlich zurückgelassen, weil sie ihn im Urlaub ja nicht brauchte? Nun, wie auch immer, hier war er, und vielleicht schlummerte in ihm ja das Geheimnis! Atemlos und mit schlechtem Gewissen griff die kleine Fee nach dem Zauberstab. Ihr schlechtes Gewissen war auch nur zu berechtigt. In Feenkreisen gilt es nämlich als sehr ungehörig, das Werkzeug von anderen ohne Erlaubnis zu benützen. Das oberste Feengesetz lautet:

Wenn eine einen Zauberstab hat, und die andere will ihn benützen, muss sie vorher darum bitten.

Auch die Feengesetze werden im schon im Feenkindergarten gelernt, aber... Pimpinella hatte nämlich noch keinen eigenen Zauberstab, dafür war sie noch zu jung.

Pimpinella Naseweis schwang den Zauberstab hierhin und dorthin, drehte und wendete ihn und verfolgte entzückt die glitzernde Spur, die er in der kalten Winterluft hinterließ. Fast unabsichtlich murmelte sie einen der Zaubersprüche, die sie erst kürzlich von ihrer Großmutter gehört hatte. Es zischte, es knisterte... es machte einen Knall, wie von einer zerplatzenden Kaugummiblase,... und dann war es geschehen! Sie musste versehentlich den Zauberspruch zum Verkleinern erwischt haben. So eine Bescherung! Den Spruch zum Vergrößern hatte sie sich nämlich nicht so ganz gut gemerkt! Sollte sie ihre Großmutter bitten...? Die würde ihr wohl gehörig die Meinung sagen! Lieber nicht! Vielleicht konnte sie ihren Fehler ja selbst wieder beseitigen, und niemand würde von ihrem heimlichen Fehltritt etwas merken! Wieder schwang sie den Zauberstab:

Hokus, pokus, zaubernokus,
dreimal hohle Kokosnuss... nein,
dreimal roter Autobus?... auch nicht!
Warte mal, gleich fällt’s mir ein, ja, das muss es sein!
Dreimal rosa Zuckerguss!... wieder nix!

Hokus, pokus, zaubernokus,
dreimal schwarzer Gockelhahn!... äh, auch nicht.
Dreimal bunte Hochschaubahn...
Oder Hampelmann?

Nein, jetzt weiß ich es:
Dreimal schwarzer Ziegenbock!

Rrrummms, kabumms! Es zischte, es knisterte, es knallte, eine Lichtgarbe schoss aus der Spitze des Zauberstabes, und,... der Garten war so klein wie ein Handteller. Verzweifelt zauberte und zauberte Pimpinella, was das Zeug hielt, doch zuletzt war der Garten so klein wie ein Samenkorn. Pimpinella warf den Zauberstab weg, lief eiligst von dem Ort weg, wo einst der Garten gewesen war und versteckte sich. Was aber war aus dem Garten geworden? Wo war er hingekommen? Der Zaun, die Beete, die Bäume, alles war mit einem Mal so winzig, dass ein Spatz es hätte aufpicken können.


Ende Teil II


Morgane
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