WurzelWerk´s
Die Welt der Märchen hat die Menschen schon immer verzaubert, denn sie sprechen unser Innerstes an, die bildhafte und symbolträchtige Sprache lässt kaum jemanden unberührt. Märchen sind ein Kulturgut, das sich in vielen Völkern, Kulturen und Regionen der Erde findet. Sie bilden eine Brücke zu unseren ureigenen Stärken, Schwächen und auch Ängsten.
In meinen Artikeln für SternenKind – ErdenKind findet ihr einiges an theoretischem Hintergrund zur Märchengeschichte und der Bedeutung von Märchen für Kinder.

Wir vom WurzelWerk sind ganz besonders stolz, dassdie Märchenerzähler in unseren Reihen ihre bisher unveröffentlichten Werke im RegenBogen euch allen zugänglich machen wollen. Natürlich freuen wir uns auch über jedes selbst geschriebene Märchen aus eurer Feder!

Habt Ihr schon einmal eine Fee gesehen?
Ich meine, richtig gesehen, nicht nur von ihr gelesen oder erzählt bekommen? Natürlich, ich, Morgane, bin, wie ihr vielleicht wisst, auch eine Fee. Früher, vor langer Zeit, nannte man mich Morgan le Fay, und mein Freund Merlin und ich erlebten viele spannende Geschichten miteinander. Neulich aber traf Merlin eine Gartenfee. Sie schenkte ihm ein paar ihrer Zauber - Feen - Samen für seinen Garten. Er hat sie aber noch nicht eingepflanzt, weil er immer unterwegs ist und so wenig Zeit hat. Wie Zauber - Feen - Samen aussehen, wollt ihr wissen? Nun, bitte sehr. Erstaunlich, dass Merlin sie in seinem großen Sack finden konnte, denn sie sind winzig klein, viel kleiner als die Apfelsterne. Dennoch können sie uns ihre Geschichte erzählen. Sie heißt:


Die Feensamen
  Teil II
Also, es war einmal eine Gartenfee. Sie hieß Hortensia Potentilla Siebenschön. Alle Gartenfeen heißen nämlich mit dem ersten Namen Hortensia, damit jeder gleich weiß, dass er es mit einer Gartenfee zu tun hat, wenn er einmal eine treffen sollte. Unsere Hortensia also hatte eines Tages das Gefühl, ein wenig Urlaub zu brauchen. Das klingt zwar ungewöhnlich, wenn man aber bedenkt, was so eine Fee das ganze Jahr über zu leisten hat, dann versteht man besser, dass auch Feen manchmal ausspannen müssen. Mit den Feen nämlich, da verhält es sich so: sie haben die Oberaufsicht über das ganze Land. Da gibt es die mächtigen Ober - Chef - Feen, die sind z. B. verantwortlich für ganze Erdteile wie etwa Amerika oder Asien oder Afrika, dann gibt es die mittleren Feen für die einzelnen Länder. Dahinter kommen die Landschaftsfeen. Sie sind meistens noch jung und haben noch einiges zu lernen. Deshalb bekommen sie nur einen kleinen Teil eines Landes zu beaufsichtigen. Unter ihnen gibt es die Bergfeen, die Wasserfeen, die Wald - und Wiesenfeen, die Stadtfeen und die Gartenfeen. Sie alle aber haben im Wesentlichen eine Aufgabe, die aber ist schwer genug. Sie wachen über das Wachsen und Blühen der Pflanzen, über alles, was über und unter der Erde ist und über das Wohlergehen von Mensch und Tier. Seit die meisten Menschen aber nicht mehr an Feen glauben, machen sie diesen ihre ohnehin schon schwierige Arbeit noch schwerer. Alles bringen sie aus dem Gleichgewicht, verschmutzen Wasser, Luft und Erde, und die armen Dinger, die Feen, müssen dann alles wieder einigermaßen ins Lot bringen. So manche Fee kann man stöhnen und ächzen hören unter dieser fast aussichtslosen Aufgabe. Sie wünschen sich, dass die Menschen besser auf ihre Welt aufpassen. Aber, die meisten Erwachsenen sagen: „Es gibt keine Feen.“ Deshalb hören sie auch nicht auf deren Wünsche.

Unsere Hortensia also, die, um welche es in dieser Geschichte geht, ist eine Gartenfee. Sie hat wohl einige Helfer, die Baumelfen, die Blumenelfen, die Wichtel, die Erdmännlein und die Wassernixen. Aber die sind übermütig und verspielt und treiben gerne Unfug wie kleine Kinder. Man kann nicht genug auf sie Acht geben, denn sonst kann es schon einmal geschehen, dass plötzlich im Hochsommer Schneeglöckchen blühen oder Schnecken alle Pflanzen abfressen, weil einige Blumenelfen lieber Verstecken spielen, statt auf ihre Schützlinge aufzupassen. Die Baumelfen müssen ebenfalls gut beaufsichtigt werden. Sonst wachsen vielleicht eines Tages Äpfel auf Birnbäumen, Birnen auf Zwetschkenbäumen, Zwetschken auf Nussbäumen und Nüsse auf Apfelbäumen. Das darf nicht passieren! Dann erst die Erdmännchen! Ihre Aufgabe ist es, die Wurzeln der Pflanzen gut zu füttern, damit sie groß und stark werden können. Wie man ja weiß, ist es in der Erde dunkel, und wenn es dunkel ist, kann man leicht verschlafen. Deshalb muss unsere Hortensia Potentilla Siebenschön immer darauf achten, dass die Erdmännlein auch wirklich munter werden.

Das größte Problem aber sind die Menschen. Sie glauben ja neuerdings nicht mehr an Feen und schon gar nicht an Elfen! Viele von ihnen denken sich auch nichts dabei, giftige Spritzmittel in ihren Gärten zu verspritzen. Wenn sie nur sehen könnten, wie sich die Elfen, die Wichtel und die Wassernixen am Boden wälzen, ganz blau im Gesicht, wie sie spucken und kotzen, die armen Dinger! Wie viele von ihnen muss unsere arme Hortensia jeden Sommer gesund pflegen!

Sie muss auch darauf achten, dass immer eine oder zwei Brennnesseln in einer Gartenecke stehen bleiben dürfen. Für die Raupen, die Kinder der Schmetterlinge. Ja, Schmetterlinge mögen alle Menschen gerne, aber Brennnesseln? Huh! Ja, aber: keine Brennnesseln, keine Schmetterlinge, so ist das eben!

Kein Wunder, dass die Fee Hortensia eines Tages sagte: „Uuufff, ich bin müde, ich brauche unbedingt Urlaub!“

Auch in Hortensias Garten wohnen Menschen, die Familie Grün: Papa, Mama und der kleine Maxi Grün. Die machen so etwas natürlich nicht, dafür hat Hortensia schon gesorgt! Die schneiden nicht alles ab, was ihnen unnütz scheint. Da dürfen Brennnesseln wachsen und Löwenzahn. Da gibt es keine Giftbrühe für die Elfen mehr, dafür viele Vögel, Insekten und Schmetterlinge. Hortensia konnte also beruhigt Urlaub machen. Sie hatte ihre Arbeit gut gemacht. In ihrem Garten war alles in Ordnung. Deshalb packte sie ihre Feen - Reisetasche, die aus dehnbarem Spinnennetz - Stoff, das Neueste in Feenkreisen - eines Tages, im Winter, als alle ihre Helfer tief schliefen und kein Unfug mehr von ihnen erwartet werden musste. Als pflichtbewusste Fee hätte sie sich niemals getraut, die ganze Bande im Sommer sich selbst zu überlassen. Nicht auszudenken, was denen hätte alles einfallen können! Nein, nein, da fuhr sie schon lieber jetzt, im Winter, mit ruhigem Gewissen! Sie konnte ja bei ihrer Großtante Aquaria Pulmonaria Blasentang wohnen, einer Meeresfee in gesetztem Alter. Bei ihr war immer wieder ein kleines Inselchen frei, ruhig und abgeschieden und ohne Feen - Touristenrummel. Sie freute sich schon aufs Faulenzen im warmen Sand, aufs Schwimmen im klaren Meer und auf ihre Tante. Die kochte übrigens hervorragenden Algenpudding. Den hatte Hortensia schon lange nicht mehr gegessen. Sie schüttelte den Kopf bei dem Gedanken, wie sie nur so lange ohne Urlaub hatte auskommen können!

Nun reisen die Feen ja ganz anders als wir Menschen, bei ihnen geht das ganz flott und ganz ohne Autos, Eisenbahnen oder Flugzeuge. Wollt ihr wissen, wie sie es machen? Na, genau wie ich es euch gezeigt habe. Sie rufen dazu die Windpferde. Das sind die schnellsten Transportmittel, die es gibt. So ein Windpferd bringt jeden, der weiß wie’s geht, in einem Augenblick, wohin er will.

Unsere Hortensia war also bei ihrer Tante Aquaria gelandet, irgendwo im weiten Pazifischen Ozean, auf einer winzigen Insel, ließ sich die salzige Meerluft um die Nase wehen, aß Algenpudding, bis sie fast platzte (das ist natürlich nur ein Bild, denn Feen können in Wirklichkeit nicht platzen) und genoss ihren Urlaub. Es sei ihr vergönnt. Nun ja, sie hätte ihren Urlaub wohl nicht genossen, sondern wäre schleunigst auf dem gleichen Wege zurückgekehrt, wie sie gekommen war, hätte sie gewusst, was währenddessen daheim los war. Sie wusste es aber nicht, und so konnte folgendes geschehen:


Ende Teil I


Morgane
Märchen aus Avalon     29.04.2017
Der Schrecken der christlichen Seefahrt - Teil II     21.03.2015
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Eine Lughnasadhgeschichte     24.08.2013
Teufelsstein - Teil II     16.08.2008
Teufelsstein - Teil I     09.08.2008
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Das Sonnenkind - Teil I     08.12.2007
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Wie der Schnee entstand - Teil II     28.04.2007
Wie der Schnee entstand - Teil I     21.04.2007
Kreise - Teil III     07.04.2007
Kreise - Teil II     31.03.2007
Kreise - Teil I     24.03.2007
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Pauli der Zauberer - Teil I     20.05.2006
Morganes Erinnerungen - Teil V     18.02.2006
Morganes Erinnerungen - Teil IV     11.02.2006
Morganes Erinnerungen - Teil III     04.02.2006
Morganes Erinnerungen - Teil II     28.01.2006
Morganes Erinnerungen - Teil I     21.01.2006
Weihnachten an der Grenze - Teil II     31.12.2005
Weihnachten an der Grenze - Teil I     24.12.2005
Der Baum des Lebens - Teil II     06.08.2005
Der Baum des Lebens - Teil I     30.07.2005
Das Agnesbrünnl - Teil II     09.07.2005
Das Agnesbrünnl - Teil I     02.07.2005
Sternenbäume - Teil II     11.06.2005
Sternenbäume - Teil I     28.05.2005
Lisa und die Moorkönigin - Teil II     21.05.2005
Lisa und die Moorkönigin - Teil I     12.03.2005
Die Geschichte von den Heidelbeeren     26.02.2005
Märchen von uns – für euch     12.02.2005





              
                   
              



    

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