WurzelWerk´s
Die Welt der Märchen hat die Menschen schon immer verzaubert, denn sie sprechen unser Innerstes an, die bildhafte und symbolträchtige Sprache lässt kaum jemanden unberührt. Märchen sind ein Kulturgut, das sich in vielen Völkern, Kulturen und Regionen der Erde findet. Sie bilden eine Brücke zu unseren ureigenen Stärken, Schwächen und auch Ängsten.
In meinen Artikeln für SternenKind – ErdenKind findet ihr einiges an theoretischem Hintergrund zur Märchengeschichte und der Bedeutung von Märchen für Kinder.

Wir vom WurzelWerk sind ganz besonders stolz, dass die Märchenerzähler in unseren Reihen ihre bisher unveröffentlichten Werke im RegenBogen euch allen zugänglich machen wollen. Natürlich freuen wir uns auch über jedes selbst geschriebene Märchen aus eurer Feder!

Sge ya, sge ya- Tsiwonihu! Tsigia Ganetliyvsgv Asgaya, Tsiwonihu!

Osiyo meine Freunde, hört mir zu! Ich bin Changing Man, und ich habe euch eine Geschichte zu erzählen:

Wayusti spielt mit dem Händler   Teil I

Also hört nun her, denn ich erzähle euch eine Geschichte. (angelehnt an eine Pow Wow Geschichte, die ich vor Jahren gehört habe)

Es war einmal ein weißer Händler, der seinen Handelsposten neben einem indianischen Stück Land errichtete. Er hatte viele Dinge, die die Menschen dort wollten, also dauerte es nicht sehr lange, bis er von seinem gewitzten Handel wohlhabend wurde. Obwohl jeder wusste, dass er sehr gewitzt war, hielt das niemanden ab seinen Laden zu besuchen, denn er hatte als einziger im Umfeld die Dinge, die die Menschen wollten. So wurde er mit der Zeit immer reicher und reicher von seinem Handel, und wenn er das nicht tat, erschwindelte er sich durch Glücksspiele mit den Indianern, die zu ihm kamen noch mehr Geld und Güter. Er war sehr versessen auf das Glücksspielen und gewann immer. Nun ja, fast immer.

Eines Tages hörte Wayusti der Coyote von einigen Indianern, die über den Mann sprachen und dass sie alles im Glücksspiel an ihn verloren hatten, und er beschloss sich selbst anzusehen wie geschickt und gerissen dieser Händler wirklich war. Also schlängelte sich der Coyote in Richtung Handelsposten und fand den Händler davor sitzend, seinen Stuhl an die Wand angelehnt, das schöne Wetter mit einem großen Glas Limonade genießend.

“Osiyo!” sagte Coyote, um den Händler zu grüßen. „Ist das hier der Handelsposten? Ich hab gehört, dass er hier irgendwo sein muss, und ich dachte mir ich schau mal, ob ich ihn finden kann. Ist dies der Ort an den die Indianer kommen um zu spielen?“

Nun war der Händler ein wenig aus der Fassung gebracht worden, denn er hatte noch nie einen Coyoten gesehen, der zu sprechen begonnen hatte, aber da dies indianisches Land war, schienen solche Dinge nicht wirklich ungewöhnlich zu sein, obwohl sie nicht mehr so gewöhnlich waren wie sie es vielleicht einmal waren. Er antwortete dem Coyoten: „Howdy-yep, das ist der Ort. Du bist also gekommen um zu spielen?“ Sein Auge zwinkerte gierig, da er damit rechnete noch mehr Reichtum zu bekommen, da dieses seltsame Tier doch sicher leicht um seinen ganzen Besitz zu bringen wäre.

„Natürlich würde ich es lieben zu spielen,“ antwortete der Coyote, „aber da ich mir nicht sicher war, wo der Handelsposten sei, habe ich all mein Geld zuhause gelassen um leichter reisen zu können. Es ist nicht so leicht, weißt du, so einen langen Weg zu Fuß ohne Pferd zu reisen. Und nebenbei habe ich all meine Mogelmedizin ebenso zuhause gelassen.“

“Mogelmedizin?” fragte der Händler und seine Augen weiteten sich, “was ist das?”

“Na ja,” antwortete der Coyote. “Es ist nur eine Medizin die mir hilft, wenn ich spiele. Ich habe gehört, dass du der beste Spieler bist, den es gibt, also dachte ich mir, dass ich sie brauche wenn ich jemals eine Chance auf einen Gewinn haben will.“

Bei diesen Worten kam der Händler ins Grübeln. Er war schon länger hier draußen am Rande des Indianerlandes und er wusste, dass er für jede Art indianischer Medizin einen hohen Preis verlangen konnte, wenn er sie irgendwie in die Finger bekäme. Und wenn diese Mogelmedizin das hielt, was sie versprach, dann könnte sie ihm sogar dabei helfen der reichste Mann im ganzen Territorium zu werden.

„Ich sage dir was Coyote,“ sagte der Händler, der im Geiste bereits seinen nächsten Coup plante „Vergiss das Geld, ich spiele mit dir um deine Medizin, von der du eben gesprochen hast. Wie klingt das?“

„Hmmm...“antwortete der Coyote, „ich glaube so könnte man es auch machen. Ja, natürlich, wieso nicht?“ „Großartig“ meinte der Händler und rieb sich die Hände. „Dann lass uns anfangen, sollen wir?“

“Also da gibt es nur ein kleines Problem”, sagte der Coyote “ich habe meine Mogelmedizin zuhause gelassen, und es würde mich einige Stunden kosten sie von dort zu holen. Besonders zu dieser Tageszeit, wenn die Sonne so heiß vom Himmel scheint – bräuchte ich mehrere Pausen im Schatten auf dem Weg nach Hause, und dann würde ich genauso lang, wenn nicht sogar länger brauchen um wieder hierher zu kommen, immerhin trage ich am Rückweg das ganze Medizinbündel. Ich schlage vor, wir verschieben das Ganze auf ein anderes Mal; Ich habe nur noch ein paar Stunden Zeit, bevor ich mich mit meinen Freunden dort drüben in der Siedlung treffe.“

Nachdem der Händler das gehört hatte, war er enttäuscht, da er stark damit gerechnet hatte diese Medizin zu bekommen. Er war sich auch sicher, dass wenn der Coyote zu seinen Freunden aufbrechen würde, er vielleicht vom Glücksspiel vergessen würde und nie wiederkäme, womit ihm die Chance dann durch die Lappen gegangen wäre.

„Warte eine Sekunde, Coyote“ sagte er. „Wenn ich dich ein Pferd von mir ausborgen lasse, würdest du dann schneller wieder hier sein mit der Medizin?“

“Natürlich könnte ich”, antwortete der Coyote “aber es muss schon ein sehr schnelles Pferd sein.”

„Zufällig habe ich das schnellste Pferd im ganzen Territorium,“ prahlte der Händler. „Du kannst es dir für die Reise borgen und deine Medizin holen, danach gibst du es mir wieder zurück. Wie klingt das?“

„Das könnte funktionieren,“ antwortete der Coyote. „Aber es gibt nur ein kleines Problem – Ich bin noch nie ohne Sattel auf einem Pferd geritten, ich weiß nicht ob ich das kann.“

„Kein Problem!“ rief der Händler aus, als er das Pferd aus dem Stall zu dem Platz brachte an dem sie zuvor gestanden hatten. „Ich kann dir auch einen Sattel leihen, und alles andere. Kannst du nun aufbrechen um deine Medizin zu holen?“

„Weißt du, das würde ich sehr gerne, wirklich,“ antwortete der Coyote. „Aber es kommt mir so vor, als ob dieser Sattel nicht wirklich auf das Pferd passt. Ich hasse es nämlich herunterzufallen – oder noch schlimmer, ich könnte das Pferd verletzten, wenn ich nicht den richtigen Sattel habe.“

“Ich kann das befestigen,” antwortete der Händler. „Hier, nimm meinen Sattel mein Zaumzeug und Pferdegeschirr.“ Und er ging los und holte seinen eigenen Sattel, der sehr extravagant mit Lederarbeiten dekoriert war und brilliantenartig silbern glänzte – wahrlich der Feinste im ganzen Territorium. „Ich reite dieses Pferd sehr oft, also weiß ich, dass es an diesen Sattel gewöhnt ist. Ich sattle das Pferd für dich und dann kannst du aufbrechen, um die Medizin zu holen.“

„Okay,“ antwortete der Coyote, als er dem Händler beim Satteln des Pferdes zusah. „Oh, ich habe gerade etwas bemerkt, tut mir leid, aber es geht leider doch nicht.“

„Was? Warum nicht?“ fragte der Händler.

„Nun, schau auf meine Füße – meine Zehen sind so klein, dass ich mich damit niemals in den Steigbügeln halten kann, um das Pferd zu reiten. Zudem sind meine Beine viel kürzer als deine, ich könnte also gar nicht erst die Steigbügel mit den Füßen erreichen. Zudem wäre da noch die Frage, ob sich das Pferd überhaupt bewegt, wenn es zurücksieht und einen Coyoten im Sattel sitzen sieht.“

Nun wusste der Händler aber nicht, dass der Coyote ein Formwechsler war, und es fiel ihm auch erst gar nicht ein, dass er das eventuell sein könnte. Doch er wollte die Medizin um jeden Preis. Plötzlich fiel ihm ein, was er tun konnte.

“Coyote, gib nicht so schnell auf, ich habe eine Idee.” Also zog er sich seine Kleider aus und zog sie dem Coyoten an, er ging in den Handelsposten und stopfte die Beine der Hose und die Stiefel mit den Dingen aus, die er dort hatte, damit die Füße des Coyoten die Steigbügel erreichen würden. In aller Kleidung des Händlers gehüllt, half der Händler dem Coyoten auf das Pferd und gab ihm die Zügel in die Pfoten.

„Ich schau´ komisch aus,“ sagte der Coyote und sah an sich hinunter, die weiten Kleider hingen über seiner hageren Gestalt. „Es gibt keine Möglichkeit das Pferd damit zu überreden, dass ich du bin! Schau wie diese Kleider von mir herunterhängen!“

“Warte einen Moment,” sagte der Händler und holte weitere Sachen aus seinem Handelsposten, um die restlichen Kleidungsstücke ebenso auszustopfen. Er stopfte das Hemd und die restliche Hose aus, bis die Kleidung voller Dinge war. „So, wie ist das? Kannst du nun losreiten um die Medizin zu holen?“

“Wow!” keuchte der Coyote. „Ich habe noch nie bemerkt, wie heiß es ist, wenn man hier oben so nahe an der Sonne sitzt. Ich weiß nicht, ob ich es hier oben aushalten kann, ohne etwas zu trinken und etwas, das mir die Sonne vom Kopf fernhält!“

„Dafür kann ich sorgen,“ antwortete der Händler und nahm zwei Flaschen, die er mit Wasser füllte, damit der Coyote zu trinken hatte. Dann nahm er seinen feinen Hut vom Kopf und setzte ihn dem Coyoten auf. „Nun bin ich sicher, dass du losreiten kannst.“

„Ich kann es versuchen,“ sagte der Coyote. „Okay Pferd, lauf!“ Aber das Pferd bewegte sich nicht.


Ende Teil I


Changing Man
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