WurzelWerk´s
Morganes Erinnerungen   Teil II
Dies ist die Geschichte der vier heiligen Insignien der Alten Religion:
das Schwert der klaren Unterscheidung,
der Kelch der Wiedergeburt, auch der Heilige Gral genannt,
die Lanze des Lichtes,
der Schild der Standhaftigkeit.

Hier werden meine Erinnerungen sehr wirr. Mein Vater und Uther lagen im Krieg wegen Igraine, meiner Mutter. Dann kam Vater zu Besuch auf die Burg und ich wurde zu meiner Amme geschickt. Am Morgen hieß es dann, mein Vater sei tot. Wir verließen Tintagel, um an König Uthers Hof zu leben. Bald darauf wurde Arthur geboren, und alles drehte sich nur mehr um ihn, denn künftigen Thronerben. Und dann kam Merlin wieder. Er nahm meinen kleinen Bruder mit sich und brachte ihn... ich weiß nicht... es wurde nicht darüber gesprochen, zumindest nicht mit einem kleinen, unbedeutenden Mädchen, noch dazu der Tochter eines Verräters. Dieses Wort wurde nicht vor mir genannt. Ich sah es in den Augen des Königs, es stand in den Mienen der Höflinge, und es war deutlich zu lesen für mich, denn ich sah vieles, auch Dinge, die anderen verborgen waren. Deshalb waren alle ziemlich erleichtert, als ich abgeholt wurde, um ins Kloster gebracht zu werden. So sagte man offiziell. In Wahrheit aber wurde ich ganz woandershin gebracht. Dort lebte ich wohl abgeschieden, dort lernte ich wohl viele Dinge, aber andere als im Kloster, der Göttin sei’s gedankt! Vom ersten Tag an war ich der strengen Disziplin der Weisen Frauen von Avalon unterworfen. Ich lernte, die Sinne meines Körper zu zügeln, um die inneren Sinne zu entfalten, ich lernte die inneren Wahrheiten zu erkennen, mit den Gezeiten des Lebens zu fließen, die Gestirne zu deuten. Ich wurde im Harfenspiel unterwiesen, um die alten, heiligen Gesänge zu singen. Ich lebte, um zu lernen, und ich lernte, um der Göttin zu dienen, als eine ihrer geweihten Priesterinnen. Und das Wichtigste: ich fühlte mich zum ersten Mal in meinem Leben am richtigen Platz. Hier war ich erwünscht, Herkunft und Umstände meiner Geburt waren unwichtig. Nur meine Hingabe an die Göttin zählte und meine Gabe, ihr zu dienen. Oh, wie ich diesen Ort liebte! Den Hügel, der sich aus den Nebeln erhob, wie aus einem stillen Meer, die Apfelbäume, meine Gefährtinnen, meine Lehrerinnen ... und Sie, die Herrin vom See, die Hohepriesterin von Avalon, klein und dunkel wie ich, aber ehrfurchtgebietend und meistens unnahbar wie eine ferne Insel.

Hier war ich glücklich. In der Erinnerung dünkt es mich als der schönste Ort der Welt, und es wundert mich keinesfalls, dass die Sagen Avalon als das Sommerland betrachten, das Reich der Seligen.

Wer aber kann leben und immerdar im Sommerland bleiben? Auch für mich kam der Tag, an dem ich das Paradies verlassen musste, um meine Aufgabe in der Welt zu erfüllen, und er kam bald, viel zu bald.

Uther starb, und sein Nachfolger sollte gekrönt werden. Das Land brauchte einen starken König, um die Sachsen zu vertreiben, die Britannien bedrohten.
In alter Zeit war es Brauch, dass der König die Heilige Ehe mit dem Land vollzog. Sein Königtum war nur gesegnet, wenn er an Körper und Seele gesund war, und es wurde in Zeiten der Bedrohung von ihm erwartet, dass er sein Leben hingab für sein Land, auch damals noch. Das Land aber war der Leib der Göttin, und eine der Priesterinnen von Avalon verkörperte die Göttin bei diesem Ritus. Diese Priesterin war ich. Ich war noch Jungfrau damals, und er war der erste Mann in meinem jungen Leben, er der künftige König, er... der Bär Britanniens, Arthur, mein Halbbruder. Ach, so viel wurde geschrieben und erzählt über diese Dinge, und hier wie überall mischt sich Wahrheit mit Lüge! In späteren Zeiten verstanden die Menschen nicht mehr die Heiligkeit der Großen Ehe, die Verbindung von Gott und Göttin, von König und Land. Sie sahen nur mehr die Sünde, wie die Kirche es sie zu sehen gelernt hatte. Frucht des teuflischen Inzest nannten sie das Kind aus der heiligen Verbindung des Pendragon mit Avalon. Und die Götter der Alten Religion wurden zu ihren Teufeln... und ich zur allerverworfensten Ausgeburt ihrer Hölle, die nur eine Ausgeburt ihrer irregeführten Phantasie ist. Ja, ich hatte ein Kind empfangen in jener Nacht, ein Kind der Heiligen Ehe, meinen Sohn Gwydion. Bei den Alten wäre er der einzig wahre, gesegnete und rechtmäßige Nachfolger seines Vaters auf dem Thron Britanniens gewesen, damals aber musste ich ihn verstecken. Wo? Wo sonst, als in Avalon. Er blieb bei mir, so lange er klein war und wurde dann der Priesterschaft auf Mona zur Erziehung übergeben. Dort wuchs er im Schatten des Eichenhains auf und wurde zum Druiden erzogen und... zur scharfen Speerspitze gegen die Vorherrschaft des Christentums geschmiedet. Arthur war wohl durch Mona auf den Thron gesetzt worden, aber, es konnte geschehen, dass man Gwydions besondere Abstammung eines Tages gegen einen abtrünnigen König einsetzen musste. Ich aber wurde an den Hof meines Halbbruders gesandt, um den Einfluss der Christenpriester nicht übergroß werden zu lassen, um das Schlimmste zu verhüten. Denn mein Bruder heiratete. Eine schöne Frau. Eine sehr christliche Frau. Gwenhyfar. Und alles kam, wie es kommen musste.


Merlin:
Stop, halt, liebe Morgane, das geht mir denn doch ein bisschen zu rasch. Also die Geschichte von Arturs Geburt ist ja allseits bekannt. Ich hatte ja dabei meine "Finger" im Spiel. Ich handelte ja nicht aus eigenem Streben, sondern im Auftrage der Priesterschaft von Mona. Artus war auserwählt worden, die Sterne rieten den Druiden dazu, König zu werden. Er sollte das Wissen der alten Religion in sein Amt einbringen, aber auch unter den Druiden gab es Unstimmigkeiten. Die einen meinten, man könne sich der neuen Religion, dem Christentum nicht verschließen. Die anderen verurteilten das Machtstreben desselben. Ich brachte Artus nach Mona damit er die Lehren der alten Religion in sein Leben und tun integrieren konnte. Die Druiden waren ja im Christentum nicht mehr so gefragt. So sahen wir in der Ausbildung für Artus eine Chance, das alte Wissen in die neue Zeit zu bringen. Artus sollte der erste König werden, der die Position des Druiden und des Königs vereinte.

Im Alter von 5 Jahren begann die Ausbildung für unseren kleinen König. Sie war sehr umfassend. Außer gälisch, keltisch und Latein lernte er noch griechisch, sowie Astrologie, Naturkunde und auch in den schönen Künsten wurde er gelehrt. Ebenso wurde er in die Kampfkünste eingeweiht. Mit 17 Jahren war er dann soweit und konnte sein Amt antreten.

Äh, irgendwas habe ich, so glaube ich, vergessen. Ach ja, die Geschichte mit dem Schwert im Stein! Ich war gerade auf der Heimreise von einem Druidentreffen im Karnutenwald, mit einer schönen Auswahl der besten Misteln. Als ich "rein zufällig" in Avalon Rast machte, bat mich die Dame vom See zu einer Unterredung. Sie tat sehr geheimnisvoll. Sprach vom Bewahren der alten Religion und einer Aufgabe die Artus vor dem Erlangen seines Königsamtes noch zu erfüllen hätte. Sie war ja auch die Hüterin des Grals geworden. Dieser war aber nur eine der vier Insignien, und nur alle vier gemeinsam ergaben ein Ganzes. Und so überreichte sie mir das Schwert der klaren Unterscheidung, Excalibur.

Auf meiner Weiterreise grübelte ich über die Aufgabe nach, die unser zukünftiger König noch zu erfüllen hatte. Ich wusste natürlich über die Machtkämpfe in Britannien Bescheid und auch darüber das Artus es nicht leicht haben würde, sein Amt anzutreten. Da traf es mich wie ein Blitz aus heiterem Himmel. Natürlich, Artus wusste nun über die Naturgesetze Bescheid und er wusste auch, dass alles Leben aus dem Geiste entsprang. Das Hl. Schwert, war die "Waffe" des unterscheidenden Geistes, also nix wie in einen Stein gerammt und darin verankert. Zu gegebenem Zeitpunkt würde sich weisen ob Artus dieser Aufgabe gewachsen war. Wie allgemein bekannt, war er der Einzige dem es gelang das Schwert aus dem Stein zu ziehen und somit rechtmäßiger König von Britannien zu werden.



Ende Teil II


Morgane
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