WurzelWerk´s
Morganes Erinnerungen   Teil I
Dies ist die Geschichte der vier heiligen Insignien der Alten Religion:
das Schwert der klaren Unterscheidung,
der Kelch der Wiedergeburt, auch der Heilige Gral genannt,
die Lanze des Lichtes,
der Schild der Standhaftigkeit.

Merlins Prolog
Die Sagen, Legenden und Geschichten von Artus und Merlin kennen sehr viele Menschen, doch sie sind Überlieferungen aus einer Zeit, in der das Christentum die alte Religion schon stark beeinflusst hatte. Ich, Merlin, möchte Euch aber nun diese Geschichte aus meiner persönlichen Sicht erzählen.
Zu allen Zeitenwenden werde ich von den Menschen gerufen, diese Geschichte zu erzählen. Dieser Ruf erklingt nicht aus den Mündern sondern aus den sehnsuchtsvollen Herzen der Menschen, die genug haben von der Konsumgesellschaft, genug von Arbeit im Sinne von Geld- und Besitz beschaffen. Oft verspüren die Menschen diesen Drang zu rufen erst nach einem so genannten Schicksalsschlag, der sie dazu bringt, über den Sinn des Lebens nachzufragen.

Sie werden sich jetzt fragen, zu allen Zeitenwenden?
Ja, wie alt ist denn dieser Merlin?
Und haben diese Figuren wie Merlin, Artus, Morgane usw. denn wirklich gelebt?
Sind diese Geschichten historisch belegt?
Entsprechen sie der Wahrheit?

Ja, also, eins nach dem anderen. Mein Alter ist undefiniert. Meine Geburt ebenso. Da hört man davon, dass meine Mutter eine Magd, Adelige, Nonne usw. gewesen wäre, die sich mit dem Teufel vermählte. Dass ich nicht kichere, welche Frau würde sich je mit so einer grauslichen Figur wie dem Teufel einlassen? Na ja, und außerdem soll es eine jungfräuliche Empfängnis gewesen sein, hab ich auch schon in einem anderen Zusammenhang gehört. In Wahrheit bin ich der Sohn einer Priesterin der alten Religion, die auf Avalon, der Apfelinsel den großen Ritus der heiligen Hochzeit mit dem „Gehörnten“ vollzogen hatte. Aber dies ist eine andere Geschichte.

Ich, eigentlich alle Mitwirkenden der Artuslegende sind zeitlos und es gibt uns seit Anbeginn der Zeiten. Schon in der ersten Zelle waren wir vorhanden, denn wir sind innere Bilder des Lebens. Bilder, geschaffen vom allumfassenden Bewusstsein, das ich ganz einfach Natur nenne. Artus, Morgane und auch ich, sind Bilder der inneren Natur alles Lebens. Die meisten Menschen sagen, dass diese Geschichten in das Reich der Märchen, Sagen und Legenden einzuordnen sind und nicht der Wahrheit entsprechen. Aber ich sage Euch, gerade diese Märchen und Geschichten sprechen unsere Seele und unsere Herzen an, und ein bisserl den Bauch, hier könnt Ihr die Wahrheit erfahren.

Um die Geschichte nicht zu kompliziert zu machen, möchte ich aber mit einer Zeit beginnen, die uns vom Verständnis her näher liegt, so ca. 4000 Jahre vor unserer Zeitrechnung. Damals war gerade der Übergang vom Zwilling- in das Stierzeitalter (kennt man ja aus dem alten Testament). Auch hier wurde ich gerufen, um den Menschen beim Bau der Megalithbauten zu helfen. Bescheiden möchte ich ja doch sagen, Stonehenge ist mir recht gut gelungen! Diese Steinmonumente wurden daraufhin so modern, dass ich mich vor Aufträgen gar nicht retten konnte. Ganz Britannien und Irland wollten sie haben. Sogar in der Bretagne musste ich einige Filialen eröffnen.
Etwas erschöpft von dieser Tätigkeit zog ich mich auf ein Schläfchen zurück. Als ich nach einiger Zeit erwachte, so um 400 vor unserer Zeitrechnung, musste ich entsetzt feststellen, dass der Stamm der Kelten, diese Orte zur Machtentfaltung missbrauchte. Sicher, die ursprüngliche Bedeutung war rudimentär noch immer vorhanden, wie astrologische und astronomische Beobachtungen. Auch als Tor zur Anderswelt und als Tempel wurden sie genutzt. Doch es war auch ein Wandel in ganz profane, weltliche Nutzung entstanden. Könige wurden hier gekrönt und dabei ging es oft, wie es in der Politik üblich ist, leider nicht immer sehr spirituell zu.
Ich machte die Druiden zwar aufmerksam, aber sie meinten, ich sei konservativ, der Wandel ins Fischezeitalter stehe vor der Tür, und außerdem und überhaupt... Daraufhin zog ich mich zurück, bis ich wieder einen Ruf vernahm, der von einem gewissen Josef von Arimathea an mein Ohr drang. Er erzählte mir von einem jüdischen „Druiden“ der bei den Essenern in die Lehre gegangen sei, die „alte Religion“ reformiert habe, leider falsch verstanden und daraufhin gekreuzigt wurde. Er, Josef, konnte aber den heiligen Gral retten und hatte ihn nach Britannien gebracht. Da er aber nicht wusste, wo sich die Insel Avalon befand und er aber von mir schon gehört hatte, rief er mich. So kam ich nach langer Zeit wieder in den Besitz der Hl. Insignie und brachte sie nach Avalon zu den Hüterinnen der alten Religion.

Ach ja, übrigens, Reformation der alten Religion? Da musste ich doch erst einmal darüber schlafen! Dieses Mal war es aber ein relativ kurzes Nickerchen. Kaum 800 Jahre. Dieses Mal kam der Ruf aber besonders laut und noch dazu aus weiblichem Munde. Wenn ich gewusst hätte (eigentlich paradox, als Seher), was da auf mich zukam...


Morganes Erinnerungen
Damals, als diese Ereignisse sich zutrugen, war die Welt eine andere. Anders war das Land, anders die Gebräuche und anders das Leben. Alles hat sich verändert, nur eines ist gleich geblieben: die Sehnsucht der Menschen nach einem Sinn hinter alldem, was ihnen widerfährt. Und dass etwas bleiben möge von all ihrem Hoffen, Streben, Lieben und Leiden, dass ihr Hier sein keinem blinden Zufall zu verdanken ist, sondern einem verborgenen Wollen, das ihnen dereinst offenbar werde. Diese Sehnsucht ist es auch, die mich wieder hierher gebracht hat, durch die Nebel der Zeiten und über den Abgrund hinweg, der das Leben der Heutigen vom Leben damals trennt.
Oftmals habe ich auf Erden gelebt, in wechselnden Gestalten, denn ich bin zeitlos. Ich bin die Mutter allen Lebens, das vor Ewigkeiten dem Meer des Ungeformten entstiegen ist. Mein Name ist Morgane, Meergöttin. Zu jener Zeit trug ich die Gestalt einer kleingewachsenen Frau aus dem Alten Volk Britanniens, gleichwohl eine Angehörige der Oberschicht, in die Literatur eingegangen als Morgane, die Fee.

Ich wuchs in einer Welt der festgefügten Werte auf, umgeben von einer Welt in Unruhe und Wandel. Die Römer hatten Brittannien längst verlassen. Mit ihnen war auch die Römische Ordnung weitgehend verschwunden. Die Römische Welt war eine Welt der Männer gewesen, hierarchisch geordnet und übersichtlich angelegt, wie ihre Städte. Sie verstanden nie unsere Wege, verschlungen wie ein keltisches Ornament, vielschichtig und hintergründig. Sie gaben sich auch niemals Mühe, uns zu verstehen. Warum auch? Sie waren die Herrscher und wir die Beherrschten. Sie fürchteten nur eines: unsere geistige Macht und ihre Vertreter, die Druiden und Priesterinnen. Sie spürten mehr als sie verstanden, welche Bedrohung ihrer Herrschaft von unserer Religion ausging. Damals aber sank der Stern des Alten Glaubens bereits. Das Land war größtenteils christlich geworden, zumindest die meisten seiner Könige.
Ich selbst war schon als kleines Mädchen der Alten Religion geweiht worden. Mein Stiefvater Uther hätte mich als guter Christ wohl lieber hinter sicheren Klostermauern gewusst, aber es gab da eine heimliche Geschichte, um derentwillen Uther nicht so konnte, wie er wollte. Sie hatte mit der Geburt meines jüngeren Bruders Arthur zu tun, bei der es, nun, nicht so ganz nach den strengen Regeln der Christen zugegangen war und um ein Versprechen, das nun eingelöst werden sollte. Oh, Arthur, mein kleiner Bär! Nicht einmal heute, nach all diesen endlosen Meeren von Zeit, weiß ich genau, ob ich ihn nun eigentlich liebte oder hasste, den Konkurrenten um die Zuneigung meiner wunderschönen Mutter. Wahrscheinlich beides zugleich, denn im Herzen der Menschen gibt es fast nichts unvermischt. Er war die Frucht der unerhörten Leidenschaft des neugekrönten Königs zur Gemahlin eines anderen, und dieser andere war König Gorlois, der König von Cornwall, mein Vater.

Zu dieser Zeit, als sich diese Geschichte zutrug, war ich noch ein sehr kleines Mädchen. Ich erinnere mich nur mehr undeutlich an meine Kleinkinderzeit auf Tintagel. Doch, ja, ich höre es noch manchmal in meinen Träumen, das unausgesetzte Tosen der Brandung, das Kreischen der Möwen. Wenn ich aus dem Fenster blickte, war da nur die See, manchmal blau und glatt, aber viel öfter dunkel und bewegt. Es regnete oft, und ich fror häufig. Warm war es eigentlich nur unmittelbar am Feuer, aber da brannten mich die Augen vom Rauch.
Damals sah ich Merlin das erste Mal, damals, als alles begann. Er war damals schon ein erwachsener Mann, und er trug das Gewand eines Druiden.


Ende Teil I


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