WurzelWerk´s
Die Welt der Märchen hat die Menschen schon immer verzaubert, denn sie sprechen unser Innerstes an, die bildhafte und symbolträchtige Sprache lässt kaum jemanden unberührt. Märchen sind ein Kulturgut, das sich in vielen Völkern, Kulturen und Regionen der Erde findet. Sie bilden eine Brücke zu unseren ureigenen Stärken, Schwächen und auch Ängsten.
In meinen Artikeln für SternenKind – ErdenKind findet ihr einiges an theoretischem Hintergrund zur Märchengeschichte und der Bedeutung von Märchen für Kinder.

Wir vom WurzelWerk sind ganz besonders stolz, dassdie Märchenerzähler in unseren Reihen ihre bisher unveröffentlichten Werke im RegenBogen euch allen zugänglich machen wollen. Natürlich freuen wir uns auch über jedes selbst geschriebene Märchen aus eurer Feder!

Der Baum des Lebens   Teil II
Ja, so ging es, und die Welt drehte sich weiter, ein ums andere Mal. Städte wuchsen ins Land wie wuchernde Geschwüre, Maschinen dröhnten den Gesang der Vögel nieder, die Musik der Bäche wurde zerhackt von tausenden Turbinen, und die Menschen wollten ihre einstigen Geschwister nur mehr als Kotelett auf dem Teller lieben oder als möglichst gleichgroße Antimatschtomate im Salat. Es ging ihnen ja so gut! Was konnte man schon dagegen tun, wenn die Meere vergiftet, die Luft verschmutzt, die Nahrung totes Essen war? Es gab auch einen neuen Gott. Er forderte ihre ganze Hingabe. Mammon war sein Name, und er kannte kein Pardon. Gefräßig war er auch, und am liebsten fraß er Zeit. Er ernährte sich von Stunden und Minuten und forderte alles von seinen Untertanen. Denen blieb kein bisschen davon, um sich am Rauschen des Regens zu erfreuen oder am Singen des Windes im Geäst eines Baumes, am Lächeln eines Kindes oder, um sich zu fragen, wo denn der Gesang der Königin geblieben war und ihr Tanz, der die Sterne kreisen ließ. Das Leben floss so schnell dahin, und der Tod war so endgültig. Deshalb lärmten sie noch mehr, um die Angst zu vertreiben. Und sie füllten jede freie Minute mit neuerlicher Arbeit: joggen, Sport, Mountainbiking, Trekking, ... nur ja kein Leerlauf, nur ja nicht den Tod im Nacken fühlen, lauf, schrei, nütze den Tag, nur nicht dem Ungeheuer ins Auge sehen! Und der Baum des Lebens stand fast kahl...

Eines Tages kam ein junges Liebespärchen auf dem Mountainbike in das immer noch stille Bergtal geradelt fit, durchtrainiert und gut gelaunt, immerhin hatte man schon fünfhundert Höhenmeter geschafft und die Pulsfrequenz gar nicht so übel.....! Heiß ist es, und die Flasche mit dem isotonischen Säftchen auch schon leer! Na gut, dann eben gewöhnliches Wasser! Aber, gib Acht, langsam, du bist erhitzt! Dann beugen sich beide über das klare, leicht bräunliche Wasser und trinken in langen Zügen...
Da geschieht es. Niemand kann sagen, ob es das Wasser war oder die Stille im Tal oder ein unsichtbarer Zauber, gebannt an diesen Ort seit undenklicher Zeit. Die Zeit... ja, sie scheint mit einem mal gedehnt wie Kaugummi, wenn man ihn aus dem Mund zieht und die sommerliche Stille singt mit der Stimme des Waldes. Bäume winken mit lebendigen Ästen, und sie tragen Gesichter, knorrig, verrunzelt, alt. Gräser wiegen sich zur Musik des Windes. Sie rufen: „Komm, tanz, es ist der Tanz des Lebens, und du bist dazu eingeladen...! Und dann ist da eine Stimme, ein Ruf ohne Worte, den beide hören und einander fragend ansehen. Was aber sehen sie? Was sieht der junge Mann? Eine junge, sportgestählte Gestalt in anliegenden Radlerhosen und knallbuntem Trikot? Das auch, ja, aber gleichzeitig oder dahinter oder sonst irgendwie sind da tiefe Augen, in denen sich Galaxien spiralig drehen,
ein Mund, geschaffen, um Worte der Macht auszusprechen, Worte, die den Mond heraufholen aus dem Dunkel der Berge oder die Sonne wiederkehren lassen nach einem dunklen Winter, ein schlanker Leib, dessen Tanz die Flüsse mit lebendigem Wasser füllen konnte, der aber auch das Leben gab und es wieder zu sich nahm. Ein junges Mädchen sah er, eine lebensstrotzende Frau und gleichzeitig eine runzlige Alte. Gebannt von diesem Wunder fällt er vor ihr auf die Knie und sieht ehrfurchtsvoll zu dieser Erscheinung auf. Und Worte spricht er, Worte, die er niemals in diesem Leben gehört hat, Worte, fremd und doch gleichzeitig in seinem Inneren eingebrannt seit altersher: „Perahta, Königin, Strahlende, ich grüsse dich!“ Dann ist alles wieder vorbei. Alles ist wieder wie vorher und doch... irgendwie verwandelt. Das Leben kann wieder weitergehen, und doch... Die Königin in ihrem Berg hat es vernommen. Sie erwacht und regt sich. Das lässt die Berge erzittern, die Erde erbeben, die Flüsse aufschäumen, die Meere tosen, die Stürme brausen, das Wetter verrückt spielen. Die Menschen halten inne, sie spüren die Veränderung. Sie fürchten sich. Manche hören leisen Gesang in ihrem Herzen, das Lied der Königin. Und der Baum des Lebens gebiert ein neues Blatt ...


Morgane
Von den drei Kräutern (Märchen aus Avalon 9)     15.07.2017
Märchen von der hell und dunklen Nymphe     01.07.2017
Von der Magie     10.06.2017
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Der Schrecken der christlichen Seefahrt - Teil II     21.03.2015
Der Schrecken der christlichen Seefahrt - Teil I     07.03.2015
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Teufelsstein - Teil II     16.08.2008
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Habt Ihr schon einmal eine Fee gesehen? - Teil II     23.09.2006
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