WurzelWerk´s kreativer


Tethys

Es gab einmal eine Zeit, da war Meer, wo heute Land ist,
da gab es Tangwälder, die von Wogen bewegt wurden
an Stellen, wo heute der Wind durch die Bäume weht.
Und es gab Muscheln und Schnecken,
wo heute Hase und Reh ihre Zeit verbringen.
Und wo man an einem windigen Tag die Krähen ziehen sieht
schwammen Fischschwärme in den Fluten eines warmen Meeres.

Propheten verkündeten, dass sich die Welt verändern würde
Und dass die Welt, die bestand, vergehen würde
um Platz zu machen für eine neue, ganz andere Welt.
Eben für die Welt, die jetzt besteht.

Die Wesen der Vergangenheit reagierten verschieden auf die Weissagungen.
Manche glaubten nicht daran. Sie konnten sich nicht vorstellen,
dass das Wasser, das sie alle umgab, verschwinden konnte.

Einige rüsteten sich. Sie dachten „Wenn das Land unser Schicksal ist,
dann sollten wir fähig sein, es zu bewohnen.
Aber das Meer ist unsere Heimat, und wir wollen es nicht missen.
So überlegten es sich die Frösche und legten immer ihre Eier ins Wasser,
und so dachten die Schnecken und nahmen sich ihr kleines Meer mit an Land.

Einige Schalentiere aber wollten sich weder anpassen noch in Vergessenheit geraten.
Sie besuchten die Qualle Medusa, welche magische Kenntnisse besaß.
Sie fragten sie: „Die Welt wird sich verändern, und alles Vorhandene wird sterben.
Wie können wir das Gesetz der Veränderung umgehen?“
Da antwortete Medusa: „Seht die Steine hier. Sie bestehen seit ewigen Zeiten.
Sie waren schon da, als unsere Welt entstand, und sie werden
auch nach der großen Veränderung selbst unverändert sein.
Ich kann euch dazu verhelfen, so beständig zu werden wie diese Steine.“

Das war genau das, was die Schalentiere wollten, und so sprach die Zauberin:
„So lange wie die Erde braucht um Stein zu werden und wieder Erde zu werden,
so lange wird es die Erinnerung an euch geben.
Und so fest wie euer Wille ewig zu leben
So hart wird die Schale sein, die euch umschließt.
Doch eure Seele wird von eurem Körper getrennt werden
und als schwarzes Öl einst der Welt, die nach eurer kommt,
Glück und Verhängnis bringen.

Elisabeth Salome Gruber 1989


Salome
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