WurzelWerk´s kreativer


Demeter, Stundenwalzer, Anrufung

Demeter

Die die Blüte frisst
die die Frucht zerreißt
die die Ähre entflammt
die die Seele speist

der geflügelten Schlange vergessener Hain
in des Helios’ geblendetem Reich
von des Hades dunklem Traum
umfangen – wer
kennt das Maß
meiner Trauer?

Ich schaue weit
ich grabe tief
ich bin der Tempel
in dem sie schlief
die schwarze Erde
auf der sie lief
bin Brot und Honig, Milch und Wein
bin Wermut und Träne, Knochen und Stein

Mutter der Lebenden und der Toten. Fragwürdig
ist dein Reich, Helios, fragwürdig
deine Tyrannei: Willst du dem Rad entfliehen das
gewaltiger als deins
dich einst zermalmen wird selbst auf den Höhen des Olymp?
Willst du des Plutons Samenkraft, der Kore Fruchtbarkeit
des Hermes’ List und Hast
auf dich vereinen?
Mein Schlangenszepter führen und den
goldenen Granat?

Die Suche melde ich und wähle als Begleiter
die dunkle Schlange, Hunde und zwei Fackeln
auf schattigen Wegen denen du
nicht folgen kannst und
ich komme
mit Gaben:

Fackel und Feuer
die Nacht zu entzünden
den Abend- und den Morgenbrand;
die Natter und die Vielbekernte
Phallos und Schoß
fruchtbar zu machen
seelengebärend – den Hund
der seinen struppigen Hals aufrichtet, sein Gesicht
im Wechsel schwarz und golden
die allessehende Wachsamkeit

zu wachen
an des Lichts und der Dunkelheit
flammenden Grenzen

am Rande der Nacht
mondbeschienen
wider den funkelnden, todbringenden Stolz
des Lichts
dass nicht des Himmels Tochter in des Hades’
lindernden Schatten
vor dir, o Helios, für immer fliehen mag.
Was hat der Tag der Nacht zu neiden
und was die Nacht dem Tage?
Gehören beide nicht

der Kore zu, der Blühenden,
der fruchttragenden Persephone

und nähren beide nicht

der Hekate Saat
der Demeter Ähre und Brot

die euch die Schale reicht, silbern, gefüllt
mit goldenem Met

Winter und Sommer
Mond und Sonne
in dem gleichen Gefäß?

 

Stundenwalzer

einszweidrei — eins — zwei — drei —

Eins kommt doch niemand ist geladen
zwei wollen gehn man lässt sie nicht hinaus und
drei muss sterben

einszweidrei — vier — fünf — sechs —

Vier kamen um und
fünf entkamen ihre
sechs Henker leben noch immer

einszweidrei — sieben — acht — neun —

Sieben beherrschten von fern
acht kleine Länder in denen brannten
neun Scheiterhaufen

einszweidrei — zehn — elf — zwölf —

Zehn zerschlugen die Sonnenuhr ihre
elfte Stunde aber gebar
zwölf tödliche Schatten

einszweidrei — dreizehn — vierzehn — fünfzehn —

Dreizehn fuhren übers Meer entdeckten
vierzehn Kontinente und assen
fünfzehn Könige einfach auf

einszweidrei — sechzehn — siebzehn — achtzehn —

Sechzehn Ratten trugen die Pest in
siebzehn Dörfer und den Tod durch
achtzehn Jahre Krieg

einszweidrei — neunzehn — zwanzig — einundzwanzig —

Neunzehn Kardinäle gruben in die Erde von
zwanzig Kirchhöfen kleine Gräber für
einundzwanzig gefangene Heilige

einszweidrei — zweiundzwanzig — dreiundzwanzig — vierundzwanzig —

Zweiundzwanzig griechische Götter zeugten
dreiundzwanzig römische Teufel bis es
vierundzwanzig schlug vom Glockenturm

Null Uhr so sagen einige, und andere: die Stunde
Null und manche: die Stunde des
Ein —

Eins — zwei — drei — einszweidrei

 

Anrufung

Wer den Weg nicht kennt
hat schon verloren. Niemand
beachtet die Bahnen
langsam fallender Sterne.
Blatt um Blatt
fällt die Welt vom Baum:
MISERERE NOBIS.

Wer das Lied der Wüste nicht lernt
rechtzeitig, wen nicht kümmert
die Entfernung der Erde von der Sonne endet
mit aller Kreatur
in den blicklosen Dünen
des singenden Sandes:
MISERERE NOBIS.

Wer die Zeit nicht anhält in der Mittagsstunde
dessen Stunde hat schon geschlagen.
Wer die Zeit nicht vergehen lässt
vergeht mit der Zeit.
Der Wind weht stündlich heißer
in der Nacht:
MISERERE NOBIS.

Wer sich von Mondlicht keine Brücke baut —
den die Flut nicht ertränkt
verdorrt mit der Ebbe. Salz
dampft vom Boden, füllt
die Lungen der Städte flammt
die Halme im Sturm:
MISERERE NOBIS.

Wer die Sterne nicht im Auge behält
und nicht die Steine ist
verantwortlich zu machen
noch im Sturze
für den Abfall der Erde
von der Sonne:
MISERERE NOBIS!


Rivka
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