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Am Fuße des Tor-Hill lag ein stimmungsvoller
Garten. Er war angelegt worden, um der "Blood Well" eine
würdige
Fassung zu geben. Trotz des lauen Sommernachmittags waren erstaunlich
wenige Menschen hier, deshalb konnten Merlin und Morgan ungestört
den schweren, schmiedeeisenverzierten Deckel der Quelle hochheben
und still in das durch Eisen rötlich gefärbte Wasser
hinunterblicken. Hier hatte Josef von Arimathia der Sage nach den
Heiligen Gral verborgen, und die Sage hatte Recht. Er war hier,
tief im Inneren des Gläsernen Berges, hier wie überall,
wo man an seine Bedeutung glaubte. Morgan konnte seine Anwesenheit
spüren, mit allen Organen ihrer wachen Seele. Anschließend
badeten beide in einem tieferliegenden, kleinen Becken, "Pilgrims
Bath" genannt. Sie taten das mit einer sicheren Selbstverständlichkeit,
dass niemand, wäre er zufällig vorbeigekommen, Anstoß daran
genommen hätte.
Es war nun an der Zeit, auf den Hügel zu steigen.
Die Apfelbäume, würden sie noch da sein und der alte,
spiralförmige Weg auf den Gipfel, den sie so oft gegangen
waren? Gab es noch den Platz unter dem uralten Weißdorn,
wo der Eingang in den Berg, für die Augen der Uneingeweihten
verborgen, lag? Ja, es gab ihn noch, mit traumwandlerischer Sicherheit
folgte Morgan einem fast unsichtbaren Pfad, der etwa in der halben
Höhe des Hügels an einem runden Felsen endete. Ein Schafzaun
umgab einen Platz von ungefähr hundert Metern im Quadrat.
Als sie ihn überklettert hatten, gingen Morgan und Merlin
auf die Baumgruppe zu, deren Mittelpunkt ein unendlich alter, knorriger
Weißdorn bildete, zwischen dessen Wurzeln eine kleine Öffnung
sichtbar war. Öllichter brannten hier, von andächtigen
Menschen entzündet, welche der Heiligkeit des Ortes immer
noch, wie vor langer Zeit ihren Tribut zollten, auch in Form bunter
Stoffstreifen, die überall in den Zweigen des Weißdorns
hingen. Merlin legte seinen Armreif in der Form einer Schlange
in die Höhlung unter dem Baum, Morgan hing ihre Kette mit
dem Anhänger aus Mondstein in die Zweige, um einen Teil ihrer
beider Selbst dem Ort zu schenken. Dann setzten sie sich am Fuße
des runden Felsens nieder und versanken für lange Zeit in
der Stille, die diesen Ort umgab.
Ein plötzlicher Windstoss holte sie wieder aus ihrer Versenkung
zurück. Es war ihnen, als hätten die Geister des Platzes
sie willkommen geheißen. Erst jetzt schien es ihnen richtig,
ihren Aufstieg fortzusetzen. In alter Zeit hatte ein spiralförmig
angelegter Weg auf den Gipfel geführt. Die Spirale ist seit
jeher ein Symbol des Lebens, denn Leben entfaltet sich spiralig,
angefangen von der Winzigkeit der DNS (Desoxyribonukleinsäure)
bis hin zur Riesigkeit einer Galaxie. Obwohl dieser alte Weg nicht
mehr zu erkennen war, folgten sie seinem Verlauf, ihrem inneren
Blick erschien er wie ein leuchtendes Band aus Sternen. Sie waren
die Ersten auf dem Gipfel und es war richtig so. Alles war so,
wie sie es in Erinnerung hatten, bis auf den Turm, der statt der
Stehenden Steine jetzt hier stand. Er war geblieben von einem Kloster,
das einst den Sieg der Kirche über das sogenannte Heidentum
demonstrieren sollte. Aber der Wind der Zeiten machte keinen Unterschied,
er wehte über alle Denkmale menschlicher Überheblichkeit
hinweg und ließ sie zu dem werden, was sie ursprünglich
waren: Staub.
Merlin und Morgan ließen ihre Blicke über die Weite
des Landes gleiten.
Die Sümpfe des Sommerlandes waren trockengelegt worden, trotzdem
ragte der Tor immer noch wie ein Insel aus dem umliegenden Tiefland,
eine Insel im Trubel der Zeitläufe, wie die Nabe eines Rades,
die stillzustehen scheint, während alles um sie in Bewegung
ist. Ein Ort, an dem die unruhige Seele zur Ruhe kommen kann, zwischen
den wirbelnden Spiralen der verschiedenen Leben.
Ein großer Holzstoss war bereits von jemandem aufgeschlichtet
worden, vielleicht von Diana, Vivian und deren Eltern.
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