WurzelWerk´s kreativer
Der gläserne Berg
Die fiktive Autobiographie einer Durchschnittsfrau in mittleren Jahren.

Erstes Buch:
Die Zaunreiterin - Folge 25

2. September 1989
"Das ist Wahnsinn, Anna, mein Buch, sie nehmen es!" Georgs Triumphgeschrei erklang aus der Ecke, in der unser Telefon stand und ließ mich erschrocken zusammenzucken, wobei mir ein Glas entglitt, das ich gerade in der Hand hielt, um es abzutrocknen." Jetzt sind wir unsere Sorgen los, wir werden reich, Anna, du kannst kündigen!" Voller Überschwang vollführte er einen wilden Indianertanz durch die ganze Wohnung. "Georg, stampf' nicht so, die Frau Svihalek wird gleich heraufkommen und sich wieder fürchterlich aufregen, du kennst sie doch: „Des geht aber net, mei Luster wogelt jedes Moi, wann se durchs Zimma gengan. Mochns was mit ihnan Fuassbodn, Herr Lassnitz!" (Aufforderung der unter uns wohnenden Mieterin, das Trampeln zu unterlassen oder den Fußboden zu erneuern) Das wird nun bald ein Ende haben, unter unserer neuen Wohnung wohnt keine Frau Svihalek, sondern die Muttergöttin, und die ist, glaube ich, nicht geräuschempfindlich. Nun, von Reichtum ist natürlich weit und breit keine Spur, denn ein Buch zu veröffentlichen hat noch niemand reich gemacht, außer natürlich, es handelt sich um einen Bestseller. Das zu glauben, so weit ist uns beiden der Realitätssinn noch nicht abhanden gekommen. Das tut unserer Freude aber im Moment keinen Abbruch.

Wir schmiedeten glücklich die phantasievollsten Pläne und entwarfen ein Zukunftsszenario nach dem anderen; eines immer noch wunderbarer als das andere. Ich kündigte an meinem Arbeitsplatz, was großes Erstaunen bei Kollegen und Patienten hervorrief, am meisten aber bei mir selbst. Erstaunen darüber, dass keinerlei Zweifel und Existenzängste die Folge davon sind. Ich fühle mich im Fluss und in Harmonie mit dem Leben und vertraue darauf, dass sich auf unserem eingeschlagenen Weg die richtigen Türen öffnen werden.


7. September 1989
Es geschah im Zwischenreich, das die harten Grenzen von Wachen und Schlaf verwischt und in dessen Hoheitsgebiet ich mich gerne noch etwas aufhalte, wenn ich noch nicht ganz bereit bin für die Forderungen des Tages. Dessen Geräusche drangen zwar schon, wie mit unsichtbaren Tentakeln durch den schmalen Spalt, den der zurückweichende Schlaf hinterließ, sie wurden aber von meinem gewitzten Unterbewusstsein geschickt in eine, gerade ablaufende Traumhandlung eingebaut. Die Folge davon war, dass ich dem Tag noch eine winzig kleine Spanne Schlaf abgeluchst hatte. Das monotone Geräusch von Regen erklang in meinen Traum hinein, der mich eben verlassen wollte. Nun aber blieb er bei mir und veränderte die sonnige Szene, indem er schnell Wolken aufziehen ließ, die sich gleich darauf in einem milden, sanften Regen entluden. Ich hatte gerade am Ufer meines kleinen Teiches gestanden, demselben, wo mir einst Margot das erste Mal erschienen war. Diesmal war das Ufer leer. Die Regentropfen liefen an Halmen und Blättern des Schilfs herab und geleiteten das Wasser des Himmels zum Wasser der Erde. Die Grenzlinien beider verwischten sich und wurden zu einem einzigen, grauen Schleier, der weich über der Landschaft lag. Kein Luftzug kräuselte den bleiernen Spiegel des Teiches, und doch war Bewegung in ihm. Nahe dem Ufer, dort wo gerade noch die Kiesel seines Grundes zu erkennen waren, bewegte sich etwas. Aufmerksam geworden, ging ich näher und erkannte ein kleines......Kind? Ein winzig kleines Baby lag im Teich und hatte offenbar nicht die geringsten Atemprobleme unter Wasser. Um solche Dinge kümmern sich Traumrealitäten nicht, sie gehen mit nonchalanter Großzügigkeit über diese Nebensächlichkeiten hinweg. Diese Erfahrung macht jeder, sobald er einige Übung im Umgang mit Träumen hat. So auch ich. Also hob ich ohne jede Eile das kleine Wesen aus dem Wasser, es war ein winziges Mädchen. Ganz gegen die Gepflogenheiten von Babys begann es weder zu schreien, noch schien es hungrig zu sein. Es lächelte und sagte mit deutlicher Artikulation: "Gut dass du da bist Anna, nimm' mich mit zu dir, bitte!" Unschlüssig verharrte ich eine Zeit lang. Sollte ich überhaupt noch ein Kind haben in meinem Alter? Doch ich hatte das kleine Wesen bereits ins Herz geschlossen, und alle Fragen waren überflüssig, also trug ich es durch den strömenden Regen nach Hause. So schwer war es mir zuerst gar nicht vorgekommen, und es wurde immer noch schwerer. Zuletzt konnte ich es nur mehr unter Aufbietung der letzten Kräfte ins Haus tragen. Aber, da war es kein Baby mehr, es war während der kurzen Strecke ein Kind von etwa neun Jahren geworden: Anna, das Mädchen mit der Katze. Langsam ging es durch die Stube, als würde es eine langvertraute Heimat begrüßen. Am großen Tisch blieb es stehen und zog mit seiner zarten Hand die Kerben nach, welche seit langer Zeit zu Staub zerfallene Hände dort eingeritzt hatten, die Spuren längst verwehter Mahlzeiten. Anschließend ging es zum Fenster und sah in den Regen hinaus, der immer noch mit der gleichen Monotonie herabrauschte und glucksend durch die Regenrinne im Boden verschwand. Dieses Geräusch ließ mich nicht gleich erkennen, dass die kurze Frist abgelaufen war, die ich mich im Zwischenreich noch hatte aufhalten dürfen. Deshalb war ich etwas desorientiert, als ich mich im Bett liegend, wiederfand.

Nun, immerhin, es ist schon unser neues, selbstgebautes Bett in unserem neuen, selbstrenovierten Wohn - Schlafraum, in unserem neuen, eben neu ausgemalten Haus in unserem neuen, frisch angelegten Garten, auf unserer frisch gemähten aber altvertrauten Apfelbaumwiese. Vor wenigen Tagen sind wir eingezogen, nachdem wir, in einem Anfall von Leichtsinn, unsere Wiener Wohnung aufgegeben haben. Myriam wollte sie nicht übernehmen, und wir können sie uns nicht zusätzlich leisten. Ja, Myriam; sie hat ihre Ausbildung als Sozialarbeiterin abgeschlossen und sucht Arbeit. Außerdem will sie sich weiter zur Therapeutin ausbilden, fühlt sich hingezogen zur Arbeit mit Ausgegrenzten, Gestrauchelten, Verstörten und Bedürftigen. Ich weiß, sie schmiedet Pläne über ein Projekt mit Drogensüchtigen, und ich wünsche ihr Kraft und Ausdauer dazu. Wir telefonieren häufig miteinander und sprechen über ihre Zukunftspläne.

Seltsam, die neue, räumliche Distanz scheint sich eher verbindend auszuwirken. Myriam hat mir jetzt erzählt, wie die Beziehung zu Joschi zustande gekommen ist, dass diese sich aus einer anfänglichen Freundschaft entwickelt hat, und dass sie mit ihm so unbeschwert lustig sein kann, wie nie zuvor mit irgend jemand Anderem. Sie berichtete mir von ihren momentanen Schwierigkeiten mit ihrem Vater, der seit ihrer Kindheit für sie eine Mischung aus Superman und Weihnachtsmann gewesen ist. Nun erlebt sie ihn als den Menschen, der er ist, der, wie wir alle mit sich und seinen Gefühlen ins Reine kommen muss, ein Mensch mit Stärken und Schwächen, ein normaler Mensch und nicht mehr der Papi ihrer Kleinmädchentage. Das bedeutete eben Erwachsenwerden, Myriam, mein kleines, großes Mädchen! Plötzlich aufkommende Zärtlichkeit überschwemmte mich wie eine warme Welle, und ich gab mich ihr hin, ließ mich überfluten, überließ mich den aufsteigenden Erinnerungen an ihre Kleinkind - und Babyzeit. So süß war das Gefühl gewesen, ihre winzigen Fäustchen in meinen Händen zu halten, ihren knuddeligen Po zu streicheln.....sollte sie das Baby in meinem Traum gewesen sein? Und das Mädchen Anna? Was hat sein Auftauchen zu bedeuten? "Ach, manchmal ist eine Pfeife auch nur eine Pfeife," dachte ich in Erinnerung an diesen Ausspruch des großen S. Freud, "Nicht immer hat alles eine so hintergründige Bedeutung!" Damit tat ich das Thema ab und entschloss mich, endgültig aufzustehen.

Die größeren Tropfen des sanften Regens bildeten zusammen mit den mikroskopisch kleinen des Nebels einen für meine Blicke undurchdringlichen Vorhang, und ich fühlte mich wie auf einer einsamen Insel inmitten eines Wolkenmeeres.
Das Haus schien darauf dahinzutreiben wie ein steuerloses Schiff, so als wäre es nicht ganz sicher, dass es, wenn sich der Nebel lichtete, wieder auf dem vertrauten Platz landen würde. Genauso trieben meine Gedanken dahin, uferten aus, fanden nirgends einen Hafen und strebten endlich einer Richtung zu, der Zukunft. Auch die lag jenseits des Vertrauten, verborgen im Nebel. Wie zerklüftete Eilande ragten einzelne, ungeklärte Fragen im Meer der Ungewissheit auf, doch ich fürchtete mich, dort anzulanden und daran zu scheitern. Ich entging ihnen nicht, das wusste ich. Die Erste lautete: "Das Land ist verpachtet, wird nach konventionellen Methoden bearbeitet. Wie können wir beide, Georg und ich, es naturgemäß bestellen? Wir haben keine Maschinen, kein landwirtschaftliches Wissen, keine Mittel." Das Wissen ist dabei noch die am einfachsten zu umschiffende Klippe, man kann es sich aneignen. Alles andere? Es war wie ein Strudel, der das Schiff meiner Gedanken hinabzog auf den Grund, und der hieß und heißt Mittellosigkeit. Das Geld von Georgs Buch ist fast aufgebraucht, obwohl wir äußerst sparsam damit umgegangen sind. Bezahlte Arbeit ist weit und breit nicht in Sicht. Und doch ist da keinerlei Hoffnungslosigkeit. Oft habe ich das unbestimmte Gefühl, als ginge ich eine Strasse entlang, hinter deren nächster Ecke die Lösung auftauchen muss. Jeden Morgen, wenn ich aufstehe, erwarte ich, dass an diesem Tag sich etwas ereignen wird, irgend etwas Wunderbares, der große Durchbruch. Nun, heute würde er nicht stattfinden, das glaubte ich zu spüren. Ich holte mein großes Garten - und Ackerbaubuch vom Regal und vertiefte mich darin. Dieser Tag war wie geschaffen dazu, sich weiterzubilden. Georg wollte im Keller Lagerregale bauen. Es würde ein geruhsamer Tag werden.

Das Telefon läutete. Ich riss mich von Fruchtfolge und Kompostbereitung los und ging in den Vorraum, wo der Apparat stand. "Mama, ich bin's Myriam. Wie geht's euch beiden?" Nach beiderseitigem, einleitenden Smalltalk dann: "Mama, können wir, Joschi und ich, am Wochenende zu euch hinaus kommen?" "Nichts, was mir mehr Freude machen könnte, Kindchen, soll ich was Bestimmtes kochen? Und kommt ihr mit einem Auto oder mit der Bahn, und wie lang bleibt ihr denn?"

Hektische Betriebsamkeit bricht aus. Matratzen werden in unserer Wohnküche aufgelegt - das Schlafzimmer soll die Gäste beherbergen – Bettwäsche (mein Gott, haben wir denn auch genug?) hervorgekramt, Menüpläne besprochen. Irgendwann zwischen dem Durchsehen unserer Vorräte und aufgeregtem Putzen halte ich inne. Was geschieht mit mir? Was treibe ich denn da?

Falle ich zurück in längst überwunden geglaubte Perfektionsansprüche, nur weil meine Tochter und mein Sohn?... Mein Stiefsohn?... Mein Fast - Schwiegersohn?....
Verdammt, was ist er denn jetzt eigentlich? "Georg!" Er kommt gerade staubbedeckt aus dem Keller. "Georg, was ist der Joschi denn eigentlich zu mir?" Er reibt sich die Nase, das heißt, dass er intensiv denkt. "Na, dasselbe was die Myriam zu mir ist," antwortet er dann spitzfindig. Genauer kann er das Verwandtschaftsverhältnis auch nicht definieren. Im anschließenden Gelächter löst sich meine verkrampfte Betriebsamkeit auf in das, was sie eigentlich von Anfang an gewesen war: Riesengroße Freude über den angesagten Besuch der beiden jungen Leute, unserer Kinder. Diese treffen am späten Nachmittag mit einem geliehenen Auto ein und finden das Häuschen gemütlich, die Landschaft trotz des Regens wundervoll, das fehlende Bad und das Plumpsklo im Garten exotisch und uns beide genau hierher passend. Freudige Umarmung, Küsse auf die Wange, die Familie ist vereint. Alles ist harmonisch, und doch werde ich das Gefühl einer gewissen Spannung nicht los. Unterschwellig kriecht es in mir hoch und verhindert, dass ich mich der anheimelnden Stimmung ganz hingeben kann. Und ich glaube auch zu spüren, von welchem Familienmitglied diese Spannung ausgeht: Es ist eindeutig Myriam. Nach dem Kaffee lade ich sie zu einem kleinen Spaziergang ein, während Georg Joschi stolz die Renovierungsarbeiten zeigt. Stumm gehen wir über die Wiese, dem Waldrand zu. Es hat zu regnen aufgehört, die untergehende Sonne malt einen goldorangen Streifen an den Horizont, die einzig leuchtende Farbe im verschwimmenden Grau dieses Regentages.

"Erzähl, Myriam, was ist los," versuche ich meiner Tochter eine Brücke über den trennenden Abgrund ihrer Unabhängigkeitsstrebungen zu bauen, die sie, zaghaft zuerst, doch dann unter dem Druck ihres Problems, beherzt überquert. "Mama, ich liebe Joschi," beginnt sie nun. "Wie schön," antworte ich, in ehrlicher Freude zwar, doch wissend, dass dies eine einleitende Feststellung ist und nicht das eigentliche Thema. Schweigen. Sie wartet sichtlich auf eine Frage von mir. Die kommt aber nicht, verwirrt sieht sie mich an. Ich wende mich ihr mit einem fragenden Blick zu, warte. Endlich, nach einer langen, Spannung erzeugenden Pause: "Ich erwarte ein Kind."
Überraschung, Freude, Verwirrung; Es sind viele, einander widerstrebende Gefühle, die mich in diesem Augenblick überfluten. Plötzlich und ohne Vorwarnung finde ich mich in der Rolle meiner eigenen Mutter wieder. Müssen wir denn, wie in einer Endlosschleife, immer die gleichen Lebenssituationen durchspielen? Jetzt erlebe ich mit einem Mal, was meine Mutter damals bewegt haben muss. Eine Ahnung von Verstehen stieg in mir auf. Doch auch gleichzeitig das Wissen, das mich wie ein heller Blitz durchzuckte: Hier und jetzt konnte die Endlosschleife durchbrochen werden, indem ich, Anna, so reagierte, wie es mir entsprach. Ich bin nicht meine Mutter! Glasklar wusste ich in diesem Moment: Wir konnten hier und jetzt eine andere Möglichkeit durchspielen, die wieder andere Konsequenzen nach sich ziehen, andere Wahrscheinlichkeiten eröffnen, ihre eigene Dynamik entwickeln würde. Das ist das große Abenteuer Leben. Und genau das durchflutete mich zuletzt wie ein warmer, starker Strom und verhalf mir zu den Worten, die für mich in diesem Augenblick und in dieser Situation die richtigen waren. Ich umarmte meine Tochter und teilte mit ihr diese Wärme, die mich erfüllte. Erst später, nach Minuten des Schweigens, fragte ich sie: "Willst du es bekommen?" Damit hatte ich anscheinend eine Schleuse geöffnet, deren Tore mit viel Selbstbeherrschung geschlossen gehalten worden waren. Sie brach in Tränen aus und schluchzte: "Ach, Mama, ich fühle mich dem Ganzen einfach noch nicht gewachsen. Jetzt habe ich die Ausbildung erst beendet. Ich will doch noch weiterlernen, eine gute Arbeit finden, Fuß fassen in meinem Beruf, das ist doch ohnehin schon schwierig genug, und dazu noch ein Kind!" Wer konnte das besser verstehen als ich, die ich vor etwas mehr als zwanzig Jahren in der gleichen Situation gewesen war?

Doch ich hatte keine Unterstützung gehabt, war von allen Seiten unter Druck gesetzt worden, und niemand hatte mich jemals danach gefragt, was ich den wollte und fühlte und dachte. Aus dem Schmerz dieser Erinnerung heraus eröffnete ich Myriam nun auch eine andere Perspektive:

"Wenn du dich entscheidest, das Kind zu bekommen - und es ist zuerst einmal deine Entscheidung - Joschi kommt erst an zweiter Stelle - wirst du die ganze Unterstützung deiner Familie haben. Georg und ich werden für dich und dein Kind da sein, du kannst deine Ausbildung fortführen und in Ruhe in deinem Beruf Fuß fassen. Du musst dich nicht vom Leben abschneiden. Allerdings, und darauf bestehe ich: Du bist die Mutter und trägst die Hauptverantwortung für dein Kind. Wir nehmen dir das nicht ab, aber mit unserer Unterstützung kannst du rechnen und Joschi auch, wenn er seine Vaterpflichten erfüllen will. Er ist noch sehr jung, mit vierundzwanzig Jahren sind Männer noch nicht sehr reif, heutzutage."

Das Schluchzen verebbte schließlich, Myriam hatte sich wieder etwas gefangen. Sie wirkte viel gefasster, als sie sagte: "Danke, Mama, ich werde darüber nachdenken und auch mit Joschi darüber sprechen. Er wünscht sich das Kind nämlich, aber er will mich nicht beeinflussen. Ach, weißt du, manchmal wäre es fast leichter, wenn ich gegen ihn oder euch kämpfen müsste, aber so, selbst die Entscheidung treffen zu müssen, das ist nicht leicht, nein, wirklich nicht!" Nun musste ich, fast gegen meinen Willen, doch laut auflachen. Auf den erstaunten Blick Myriams hin, sagte ich: "Es ist doch gleich, was man tut als Mutter, es ist sowieso immer das Falsche!" "Aber," sprach ich, jetzt wieder ernst, weiter, "Ich kann dir eine Entscheidungshilfe anbieten, wenn du sie von mir in der Form annehmen willst. Komm mit mir nach Hause, wir machen eine Phantasiereise in dein Inneres, ins Reich der Mütter." Myriam kämpfte mit sich selbst, das konnte ich ihr ansehen.

Nun also, anscheinend werde ich nun Großmutter! Aber ich bin doch noch viel zu jung, Hilfe! Ich fühle mich keineswegs schon alt genug, um Enkelkinder zu hüten, so viel habe ich noch vor!

Aha, meine Gefühle sind denen von Myriam gar nicht so unähnlich, sehr interessant! Wir Frauen werden wohl immer von einer Schwangerschaft überrumpelt, sei es jetzt eine eigene oder die der Töchter!

Für Myriam geht es jetzt aber auch um das Zulassen von Nähe, meiner Nähe. Gerade erst hat sie sich einigermaßen von mir gelöst, da drohe ich ihr durch ihre eigene Mutterschaft schon wieder drohend näher zu rücken. Ob ich wohl richtig reagiert habe? Gibt es überhaupt ein Richtig oder Falsch in dieser Situation? Ich glaubte jedenfalls den inneren Zwiespalt in Myriam zu erkennen und drang deswegen nicht weiter in sie.


Morgane

«Der Gläserne Berg»
Vorwort
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Der gläserne Berg - Folge 01     03.04.2004
Der gläserne Berg - Vorwort     20.03.2004





              
                   
              



    

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