Die Anrufung

-"Warum hast du mich gerufen?"

"Ich..."

-"Ich falle dir ungern ins Wort, aber du weißt, du wirst dir damit keinen Gefallen tun. Und ich kenne alle deine Schwächen, deine, wenn auch dürftig vorhandenen, Stärken... Dich. Und auch das Gespräch gerade ist absurd, weil ich weiß was du willst und wie es enden wird. Ich sehe es nur von mir als höflich an mit dir zu kommunizieren. Mich dir zu zeigen. Obwohl so wie du mich siehst, du nur einen kleinen Ausschnitt wahrnimmst. Lächerlich. Genug.
Was willst du?"

"Verzeih...ich..."

-"Es gibt nichts zu verzeihen. Jetzt agiere doch nicht so erbärmlich. Richte dich auf, Mensch. Höre auf zu knien, stehe."

"Ich suche nach Sinn, nach Erkenntnis...nach..."

-"Wozu? Was hilft dir das? Nach welcher Art von Sinn strebt es dir? Erkenntnis?"

"Ich will die Gesamtheit erfassen, will eins sein. Will die Zusammenhänge sehen, verstehen."

-"Das kannst du nicht. Dazu reichen deine Kapazitäten nicht. Ich kann keinem Vogel schwimmen beibringen und keinem Affen tanzen. Und euch, ihr die ihr euch erhebt seid begrenzt. Auch wenn ihr in eurer spirituellen Gier vermeint Grenzen zu erweitern und Gesamtheit wahrzunehmen ist auch dies nur wie ein flüchtiger Blick durch einen Nebel. Ihr seid so klein."

"Und doch habe ich dich beschworen! Gerufen!"

-"Genau das zeigt mir ja dein Unvermögen. Zeigst dich beleidigt. Dein Ego gekränkt. Ich bin jetzt gerade, nach deinem zeitlichen Empfinden, ebenso in einem Gespräch mit einem achtjährigen Mädchen. Dem ich gerne meine Unterstützung zukommen lasse.

Und du, nach mehr als 30 jährigem Herumgetue innerhalb obskurer okkulter Techniken vermeinst tatsächlich mehr Können und Vermögen zu haben als dieses kleine Mädchen."

"Ich..."

-"Was willst du wirklich. WAS willst du wirklich."

"Gleichmut, Frieden, Ruhe..."

-"Gold, Geld, Ruhm..."

"Nein!"

-"Und da bist du dir so sicher? Warum rufst du dann mich? MICH?"

"Hilf mir zu verstehen."

-"Du willst nicht verstehen. Du willst ändern. Du willst Dinge ändern, die nicht in deinem Vermögen stehen. Dein Können weit übersteigen. Verstehen hilft dir nicht. Einem Vogel hilft es nicht, daß er weiß warum er fliegt. Einem Menschen hilft es nur...begrenzt. Und innerhalb dieser Grenzen bewegt er sich. Das macht euch aus. Und ich bin erstaunt wie gut ihr das nützt. Ja, ich bin überrascht über das was ihr daraus gemacht habt.

Gut, das mit dem "überrascht" ist geheuchelt...ach, du amüsierst mich."

"Was kann ich tun?"

-"Nimm dir Zeit. Ziehe dich zurück, lerne dich kennen. Fange bei dir an. Lerne dich wirklich kennen. Deine Wünsche. Dein Wollen. Dein Verlangen. Das ist die Basis. Teile das. Lebe. Genieße den Tag. Jeden Tag. Lerne andere Menschen kennen. Lerne deinen Körper kennen. Deinen Geist. Deine Grenzen."

"Danke."

-"Ich bin immer da für dich. War ich schon immer."


---"John?"

-----"Ja? Was ist?"

---"Im Raum 18 im zweiten Stock..."

-----"Nicht schon wieder. Hat er wirklich schon wieder die Wände beschmiert?"

---"Ja. Unglaublich der Kerl. Ich werde anraten die Dosis wieder zu erhöhen."


Bildquelle: Wikipedia Common, Corvo_teschio_-_Julien_Champagne


XVII
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