Idol (ein Making-of)

Solange ich Loki kenne, finde ich seit jeher die Ästhetik kommerziell vertriebener Loki-Darstellungen und -Skulpturen abschreckend und geschmacklos. Das ist noch nicht einmal ein Problem mit zeitgenössischen Loki-Statuen, sondern ganz allgemein ein Problem mit Darstellungen der nordischen Götter.

Ich finde sie durch und durch ungeeignet als Idole in einem religiösen Rahmen, vor allem weil sie in mir keinerlei positive emotionale Reaktion inspirieren. Und wie das im heutigen Mainstream so ist, hat Loki den Kürzeren von ohnehin schon ausnehmend kurzen Strohhalmen gezogen. Von Anfang an konnte ich die übertrieben kriegerischen Figuren, die hässlich grinsenden Fratzen, die gehörnten Helme (und manchmal Köpfe), die viel zu sehr an Teufelsbilder erinnern, kurz gesagt, die überwältigende Vorherrschaft absolut ablehnender Darstellungen nicht leiden können.

LokiSnaptun Loki

Wie viele Loki-VerehrerInnnen habe ich um diese Dinger einen weiten Bogen gemacht; und leider gibt es keine historischen Figürchen, die meine Zwecke erfüllen (obwohl ich ein selbst designtes T-Shirt besitze, auf dem Lokis Gesicht wie auf dem Snaptun-Stein abgebildet ist).

Ich mag die historischen Figuren, die bei Ausgrabungen gefunden wurden, sehr, und gäbe es unter ihnen einen Loki, würde ich ihm definitiv einen Platz auf meinem Altar geben. Immerhin habe ich in meiner Begegnung mit Ihm immer sehr viel Wert auf seine Überlieferung gelegt, was, wie ich denke, unbedingt wichtig ist um ein abgerundetes Verständnis für jedwede alte Gottheit zu erlangen. Ich glaube, dass die Götter eine “Vergangenheit” haben, und dass diese Vergangenheit ein Teil dessen ist, wer Sie sind. Das heißt jetzt aber nicht, dass ich pedantisch an jedem Fitzelchen Information festhalte, was irgendwo auftaucht (zu viele Fallstricke, um sie zu zählen!)

The centre piece of my Loki altarThe centre piece of my Loki altar

Dementsprechend ist mein zentrales Altarstück auch eine Acrylmalerei von Loki, die ich in keinem irgendwie gearteten “heidnischen” Stil gemalt habe. Obwohl sie, wegen meiner Schwierigkeiten mit Perspektive, Koloration und allgemein künstlerischem Ausdruck, von Perfektion weit entfernt ist, ist sie mit Leichtigkeit eine bessere Annäherung an Loki, als all die Dinger, die es in Online-Shops zu kaufen gibt.

Aber seit einer Weile habe ich den Wunsch nach etwas Greifbarerem, Dreidimensionalem. Also habe ich angefangen, nach Materialien zu schauen, die ich auch ohne den Luxus eines Ton-Brennofens verarbeiten kann… und bin bei etwas gelandet, das sich Super Sculpey nennt: ein Polymer-Ton ähnlich zu Puppenfimo, den man bei unter 150 Grad backen kann. Hier ist also eine Foto-Dokumentation meines ersten Versuchs mit dem Material.

The basic figure after I cured it in the oven for the first time.The basic figure after I cured it in the oven for the first time.

Ganz zu Beginn wusste ich nicht, dass man Sculpey mehrmals backen kann, und baute mir deswegen prompt ein großes Hindernis ein, indem ich versuchte, die Figur vollständig und perfekt hinzubekommen, bevor ich den Ofen anschmiss. Natürlich endete das damit, dass ich ständig alles Mögliche zerdrückte, während ich arbeitete. Schließlich kam ich entnervt und brillianter Weise auf die Idee, das Google-Orakel zu befragen… und zu meiner großen Erleichterung erfuhr ich also, dass mehrfaches Backen gar kein Problem ist. Links ist die grundlegende Figur nach dem ersten Backgang zu sehen. Zu dem Zeitpunkt war ich noch ziemlich überzeugt davon, dass ich ihm noch Kleidung geben würde. Aber je länger ich an ihm arbeitete, desto weniger wahrscheinlich wurde der Kleidersegen. Ich mochte einfach die Form seines Körpers zu sehr!

Loki's head close upLoki’s head close up

Als ich begann, ihn herauszuarbeiten, tauchten Probleme auf. Wie man oben sehen kann, hatte er zunächst keine Gesichtszüge. Für das Kinn, die Wangen, Lippen, Augenbrauen, die Augen selbst, undsofort, musste ich Material zum Kern hinzufügen. Als ich anfing, sein Gesicht zu modellieren, merkte ich, dass ich mich in der Menge des benötigten Materials verkalkuliert hatte: der Kern, mit dem ich angefangen hatte, war zu groß, um zur übrigen Proportionierung der Figur zu passen.

Ouch!Ouch!

Außerdem war ich über die Hände unglücklich. Sie sahen plump und ungelenk aus, und ich wollte sie einfach so gar nicht mögen. Also traf ich eine Entscheidung und entledigte ihn seiner beiden Arme, und um der Proportionen Willen verlängerte ich auch seine Beine indem ich… naja, links kann man’s sehen, was ich gemacht habe (aua!).

The first 'finished' version. Complete with mistletoe...The first “finished” version.
Complete with mistletoe…

In dieser Phase hatte ich mich, obwohl es nicht wirklich so toll lief, in eine Art Trancezustand gearbeitet. Ich konnte einfach sehen, was ich tun musste und tat es, ohne mir darüber Sorgen zu machen, ob ich denn auch mein eigenes Ziel erreichen konnte. Aber danach wurde es besser: Sculpey hat eine angenehme Lernkurve, und als ich erst einmal ein paar Sachen ausprobiert hatte, wurde es einfacher.

The classical look was not quite it.The classical look was not quite it.

Obwohl er im Bild rechts noch nicht ganz fertig ist (an ein paar Details musste ich noch arbeiten), war ich am Ende sehr zufrieden mit dem Ergebnis. Ich habe ihm zwar zu große Füße gegeben, aber ich fand sie süß und sie schienen Ihm (Loki) zu gefallen, also blieben sie dran. Der zweite Satz Hände war außerdem deutlich besser gelungen als der erste, und von der Muskulatur seines Oberkörpers und Rückens war ich hin und weg. (Und von Kleidung konnte nun gar keine Rede mehr sein).

On my altar, next to the flowers I brought home for HimOn my altar, next to the flowers
I brought home for Him

Die Frage nach dem Finish wusste ich auch am Anfang nicht so recht anzugehen. Ich mochte die Art, wie das Backen das Material um die Knie herum verfärbt hatte, aber auf der anderen Seite wollte ich auf gar keinen Fall die ganze Haut in Hautfarbe anmalen müssen (es gibt nichts Schwereres zu malen als Haut, die nicht total flach aussieht!). Also versuchte ich es mit Weiß. Und obwohl ich den frischen, sauberen Look mag — ich bin eher berüchtigt dafür, stundenlang in den Statuenhallen im Pariser Louvre herumzuhängen — war das klassische Weiß doch nicht ganz das, worauf ich hinaus wollte.

 

Yea, he's been attracting quite some attention from guests since he's been on my altar. I wonder why that is... :)Yea, he’s been attracting quite some attention from guests since he’s been on my altar. I wonder why that is… :)

Letztendlich habe ich ihm einen Antik-bronzefarbenen Finish gegeben, und wir sind beide sehr von dem Resultat angetan!

 


Myriad Hallaug Lokadís
Die weiße Braut     26.08.2017
Der Nekromant - Teil 1     29.07.2017
Tragbarer Mini-Schrein     17.06.2017
Die Anrufung     25.02.2017
Erinnerungen     25.12.2016
Das kleine Restaurant     12.11.2016
Der Flohmarkt     08.10.2016
Der Magier     23.07.2016
Mara und der Feuerbringer - Teil III     22.08.2015
Mara und der Feuerbringer - Teil II     26.07.2015
Mara und der Feuerbringer - Teil I     18.07.2015
Idol (ein Making-of)     06.12.2014
Die Frau seiner Träume     29.11.2014
Marvel und Mythologie - Teil II     14.12.2013
Marvel und Mythologie - Teil I     30.11.2013
Die Singvøgel: JETZT - Teil II     16.02.2013
Die Singvøgel: JETZT - Teil I     26.01.2013
Im Rausch des Narren     06.10.2012
Neues Leben für Geschenkpapier     05.11.2011
Vogelfutterbastelein     30.10.2010
Von gemeinsamen Wurzeln     05.04.2008
Pan lacht im U-Bahnschacht - Teil II     21.07.2007
Pan lacht im U-Bahnschacht - Teil I     14.07.2007
Kräuter-Bilderrätsel     30.06.2007
Kräuter-Bilderrätsel     24.02.2007
Der Kabä     12.11.2005
Nochnoi Dozor – Wächter der Nacht     22.10.2005
Greifbar gewordene Göttervisionen     18.06.2005
Wintermärchen     06.12.2003
Eine Hexe im Museum     13.04.2003
Der wunderbare Regenbogenmann     15.03.2003
Runen raunen und flüstern uns zu     08.06.2002





              
                   
              



    

© WurzelWerk · 2001-2017