Nochnoi Dozor – Wächter der Nacht
Es beginnt wie in tausenden anderen Horrorfilmen: „Vor langer Zeit tobte in der Welt ein Krieg zwischen dem Licht und der Finsternis“.

Unweigerlich wird man an den Prolog von „Herr der Ringe“ erinnert. Und doch ist hier irgendetwas anders: Von Anfang an ahnt man, dass hier das Licht nicht unbedingt gut und die Finsternis nicht unbedingt böse ist. So heißen die finsteren Gesellen, die für das Licht kämpfen, nicht etwa „Krieger des Lichts“ sondern „Wächter der Nacht“ und ihre Gegenspieler, die in sportlichen Adidas T-Shirts weitaus heller gekleideten Dunkelmänner heißen „Wächter des Lichts“

Als der Vampir den Wächter der Nacht fragt: „Warum darf ich das Blut dieses Kindes nicht trinken?“ antwortet der Gefragte nicht etwa: „Weil es falsch ist zu töten“ sondern „Weil es gegen die Vorschriften ist“. Der Hauptdarsteller kennt keine Gnade, wenn die Vorschriften in Gefahr geraten, und ist er gezwungen zu töten, so tut er dies, und sei es nur weil er zu feige war, „das Zwielicht“ zu betreten. Ist er doch selber nur ein teilweise geläuterter; denn er lernte die Wächter der Nacht kennen, als er gerade eine Magierin beauftragt hatte, mittels illegaler schwarzer Magie das ungeborene Kind seiner Exfreundin zu töten. Diese Szene ganz am Anfang ist für mich die schlimmste des ganzen Filmes.

Auch der Lord des Lichts mit der sanften gütigen Stimme ist nicht gerade zimperlich in seinen Umgangsformen. Als er seine Heilkräfte einsetzt, um einen verletzten Wächter der Nacht zu heilen, spritzt so viel Blut, dass man sich nachher fragt ob er überhaupt geholfen hat. Und die Frage „Wer hat die arme Blondine verflucht“ wird auf eine Weise beantwortet, die schamahnisch arbeitende Menschen jubeln lässt; doch mehr will ich dazu nicht verraten.

Vielleicht liegt es auch an den ungewöhnlichen Zutaten: Gedreht an Originalschauplätzen in Moskau von einem russischen Filmteam, fehlen sämtliche Elemente weichgespülter und einfallsloser, längst langweilig gewordener Hollywood Produktionen, wobei interessantere Aspekte sowie die Professionalität des amerikanischen Goliath sehr wohl durchscheinen: So erinnern Schnitt, Bildtechnik und Kameraführung teilweise an Kultfilme wie Blade Runner, Fight Club, Jim Jarmush Independentfilme oder den kürzlich erschienen „Sin City“. Und selbst wenn die Effekte und die Handlung einfacher oder altbekannter werden, werden sie doch nie billig und tun dem Gesamtbild keinen Abbruch.

Es bleibt spannend, wie es weitergehen wird; die Romanvorlage ist eine Trilogie, und so soll sie auch verfilmt werden. Es ist nicht zu erwarten, dass die Fortsetzungen wie bei „Matrix“ einfallslos dahindümpeln und zum Schluss noch eine müde Jesus-Analogie bringen. Meiner Meinung nach hat dieser Stoff alle Voraussetzungen, um mit der Überwindung der Dualität zwischen Licht und Finsternis zu enden.


Doc F
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